Kommentar Die US-Konjunktur ist unschlagbar stark – und ein Ende des Börsenbooms nicht in Sicht

Die US-Börsen eilen von Rekord zu Rekord. Vorerst liefert Donald Trump, was er den Amerikanern versprochen hat. Wenig spricht dafür, dass sich das bald ändert.
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Die New Yorker Börse hat in dieser Woche einen neuen Höchststand erreicht. Quelle: Reuters
New York Stock Exchange

Die New Yorker Börse hat in dieser Woche einen neuen Höchststand erreicht.

(Foto: Reuters)

In dieser Woche hat die US-Börse einen neuen Höchststand erreicht. Die seit Jahren immer wieder aufkeimende Sorge, nun sei das Ende der Fahnenstange doch erreicht, findet keine Bestätigung. Der Börsenboom geht nach mehr als neun Jahren weiter, obwohl er ohnehin schon alle historischen Rekorde geschlagen hat. Und das, während die langfristigen Zinsen in den USA auf fast 2,9 Prozent gestiegen sind. Europa dagegen erlebt schwächelnde Börsen und steckt noch mitten in der Niedrigzinsphase.

Auch die Wirtschaft wächst in den USA kräftig und erreichte kurzfristig sogar ein Plus von rund vier Prozent. Getrieben wird sie traditionell vom Konsum und nicht vom Export, deswegen können ihr die Sorgen wegen möglicher Handelskriege relativ wenig anhaben.

Das Verbrauchervertrauen ist gerade auf den höchsten Wert seit fast 18 Jahren gestiegen. Im Herbst bei den Wahlen zum Kongress wird sich zeigen, wie weit angesichts dieser Stimmung die Hoffnungen der Gegner von US-Präsident Donald Trump auf Stimmengewinne gerechtfertigt sind.

Ein wichtiger Punkt ist Trumps Politik, die Auflagen für Firmen abzubauen. Wie fast überall auf der Welt stöhnen auch in den USA Unternehmer über einen Wust von nicht immer sinnvollen und häufig inkonsistenten Regeln.

Trump nimmt sich dieser Sorge an, und allein der positive psychologische Effekt daraus ist enorm. Im Großen und Ganzen liefert Trump den Amerikanern den wirtschaftlichen Boom, den er ihnen versprochen hat. Hin und wieder kommen Sorgen auf, die US-Notenbank (Fed) könnte die Konjunktur abwürgen, etwa, weil sie eine schneller als erwartet steigende Inflation bekämpfen muss.

Aber Fed-Chef Jerome Powell lobt die Wirtschaft über den grünen Klee und bestärkt daher die gute Stimmung. Gleichzeitig erhöht er die Zinsen, um die Inflation unter Kontrolle zu halten. Und jeder traut ihm zu, dass er auf eine veränderte Situation pragmatisch reagieren würde.

Auch die Tatsache, dass die Zinskurve flacher wird, also kurz- und langfristige Zinsen sich annähern, sorgt für Stirnrunzeln. Denn eine „inverse“ Kurve, bei der die kurzfristigen über den langfristigen Sätzen liegen, war in der Vergangenheit oft das Vorzeichen einer Rezession.

Nur: Die Kurve ist zwar flacher geworden, aber noch lange nicht invers, wie die Fed San Francisco errechnet hat. Die Differenz zwischen den Zinsen für zehnjährige und dreimonatige Papiere, die besonders aussagekräftig ist, liegt noch bei fast einem vollen Prozentpunkt.

Fed-Politik verstärkt Entwicklung an der Börse

Der Trump-Boom wurde nicht allein durch den Präsidenten herbeigezaubert. Er ist schon Jahre vor dessen Amtsantritt im Winter 2017 gestartet, begünstigt durch die Geldpolitik der Fed, die früher als die Europäische Zentralbank beherzt die Folgen der Finanzkrise bekämpft hat und deswegen im Vergleich weniger Mittel einsetzen musste und eher wieder umkehren konnte.

Speziell für den Börsenboom ausschlaggebend sind außerdem Unternehmen wie Amazon, Google, Facebook und Apple mit ihrer extrem hohen Innovationskraft. Der Trump-Boom ist nicht ohne Kosten. Viele Ökonomen warnen, dass seine Steuerreform zu steigender Staatsverschuldung führt, was finanzielle Spielräume für spätere Zeiten einengt.

Richtig, aber diese späteren Zeiten sind noch Jahre entfernt. In einer Welt, die in Liquidität schwimmt, mit dem größten Kapitalmarkt der Welt im Rücken und basierend auf der einzigen Weltwährung hat die US-Regierung vorerst keine Probleme, selbst ausufernde Schulden zu finanzieren. Europäische Träume, den Dollar in seiner führenden Position ablösen zu können, dürften bis auf Weiteres Träume bleiben.

Denn gerade weil Amerika so viele Schulden macht und niemand fürchtet, die Fed würde je die Regierung im Stich lassen, bietet der Dollar mehr Sicherheit für Investoren als jede andere Währung. Auf Euro lautend gibt es dagegen erstens weniger Staatspapiere, und zweitens weiß keiner, ob die Europäer nicht doch mal einen Staat hängen lassen und zu einem Schuldenschnitt zwingen, wie in Griechenland passiert.

Der Trump-Boom ändert auch nichts daran, dass der Präsident durch seine Politik und allein schon durch seine Rhetorik den Zusammenhalt der amerikanischen Gesellschaft und der westlichen Welt untergräbt. Aber Amerika war immer ein Land voll innerer Konflikte, das hat den Aufstieg zur wirtschaftlichen Großmacht nicht verhindert.

Und die amerikanische Wirtschaft ist relativ wenig vom Ausland abhängig, deswegen schadet ihr auch politisches Chaos weniger, als man aus europäischer Sicht vermuten würde. Auch die katastrophalen Seiten von Trumps Politik, etwa der Abbau von Umweltschutz und einer für alle zugänglichen medizinischen Versorgung, haben wirtschaftlich zunächst keine negativen Auswirkungen. Im Gegenteil: Sie senken die Kosten für Unternehmen.

Wahr ist auch: Krisen kommen meist gerade dann, wenn überall eitel Sonnenschein herrscht. Das ist aber kein Grund, das Fehlen von Krisenanzeichen gleich schon als Warnsignal anzusehen.

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