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Kommentar Die US-Regierung spielt China in die Hände

Die US-Regierung ramponiert in der Coronakrise ihre Glaubwürdigkeit. Ausgerechnet Chinas Propaganda-Organen nimmt sie damit die Arbeit ab.
05.05.2020 - 04:00 Uhr 2 Kommentare
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump spielt mit ihren Corona-Aussagen der chinesischen Propaganda in die Hände. Quelle: dpa
US-Präsident Donald Trump

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump spielt mit ihren Corona-Aussagen der chinesischen Propaganda in die Hände.

(Foto: dpa)

Berlin Es sagt viel über die verstörende Zeit, in der wir leben, dass sich die statistische Dokumentation der Lügen des US-Präsidenten zu einem journalistischen Sub-Genre entwickelt hat. Im Januar meldete die „Washington Post“, dass sich Donald Trumps gesammelte Unwahrheiten auf 16.241 beziffern.

Wer Trump noch Glauben schenkt, kann in der Notaufnahme landen – wie die Hunderte von Amerikanern, die Desinfektionsmittel schluckten, weil sie es nach entsprechenden Einlassungen des Präsidenten für einen Wirkstoff gegen das Coronavirus hielten.

Dem freihändigen Umgang mit Fakten schließen sich auch Trumps Kabinettsmitglieder an, besonders eifrig zeigt sich dabei Außenminister Mike Pompeo. „Erdrückende Beweise“ meint dieser dafür zu kennen, dass das Coronavirus einem chinesischen Labor entsprungen ist. US-Geheimdienste betonen dagegen, dass sie diese Theorie bisher nicht bestätigen können.

Pompeo beschwört eine Diskussion herauf, die völlig nebensächlich, ja kontraproduktiv ist. Die entscheidenden Tatsachen sind längst bekannt: China hat den Ausbruch der neuen Infektionskrankheit zunächst verschwiegen und dann heruntergespielt. Das ist schlimm genug, denn so ist wertvolle Zeit verloren gegangen.

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    Doch die plumpen, unbewiesenen Vorwürfe der Trump-Regierung erlauben es den Chinesen, sich als Opfer einer US-Kampagne zu gerieren. Selten haben es die Vereinigten Staaten ihren Gegner so leicht gemacht. US-Medien berichten, dass Pompeo Druck auf die Geheimdienste ausübt, um Belege für seine Labor-Theorie zu finden. Wohin das führt, zeigt die Irak-Invasion, ein Debakel, das 2003 damit begann, dass Geheimdiensterkenntnisse zurechtgebogen und irakische Massenvernichtungswaffen herbeifantasiert wurden.

    China nutzt Amerikas Autoritätsverlust, um die Geschichte der Pandemie umzuschreiben und sich Europa als verlässlicher Partner anzudienen. Mit teils durchschlagendem Erfolg. Bedauerlicherweise hat die Abneigung gegen Trump viele Europäer blind dafür gemacht, dass das Regime in Peking kein Verbündeter, sondern ein geopolitischer Rivale ist. Gerade jetzt wäre eine glaubwürdige Stimme in Washington wichtig. Schließlich gilt es nicht nur, das Virus einzudämmen, sondern auch, Zukunftsinvestitionen voranzutreiben.

    Der Ausbau des 5G-Netzes ist im vollen Gang, er wird ein neues Kapitel der Digitalisierung aufschlagen – und, wie es aussieht, neue Abhängigkeiten von China schaffen. Die deutschen Netzbetreiber vertrauen auf Huawei, die Warnungen der US-Regierung vor den Sicherheitsrisiken chinesischer Netztechnologie ignorieren sie. Sehr zur Freude Pekings. Wie gesagt: Selten haben es die USA ihren Gegnern so leicht gemacht. Tragischerweise.

    Mehr: Der US-Präsident sucht in der Coronakrise nach Schuldigen und spekuliert, Peking habe die Welt womöglich bewusst getäuscht.

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Die US-Regierung spielt China in die Hände"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Was denn für eine "Glaubwürdigkeit"???

      Dass die USA seit langem immer und immer wieder mit unbewiesenen Behauptungen und fragwürdigsten Taten Meinung und Politik machen (9/11, Syrien, Irak, Iran, Russland usw.), sollte bei kritischen Zeitgenossen mittlerweile angekommen sein.
      Dass amerikanische Geheimdienste vor Huawei warnen (natürlich ohne Beweise), ist leicht verständlich. Denn wenn da was dran wäre, dann müsste ja diese Konkurrenz vom Markt ausgeschlossen werden (wie u.a. z.B. auch russisches Erdgas, wegen "Abhängigkeit und Versorgungsunsicherheit", ist ja auch jahrzehntelang immer eine Zitterpartie gewesen - wer's nicht gemerkt hat: Ironie)) und "andere" könnten somit gute Geschäfte machen (und ggf. ihre Überwachungstechnik gleich miteinbauen). So wie das ja bei den führenden Computerkonzernen und Halbleiterherstellern mit ihren "Backdoors" seit Jahrzehnten der Fall ist.

      Ist es eigentlich zu lange her, dass Menschen wie Edward Snowden oder Julian Assange ihre Leben riskier(t)en, um eine blinde Masse - man denke auch an die drei Affen - auf diverse politische und rechtliche Ungeheuerlichkeiten aufmerksam zu machen? Wo sind die tapferen Journalisten, die auf ihren Pfaden weiterwandeln und die Hinterzimmertüren aufstoßen und die Mails mitlesen, in denen die heutigen "Schweinereien" verabredet werden?

      @ Anne-Careen Engel: Seltsamerweise wird all dieses hier wie ein Naturereignis hingenommen, während eine eventuelle chinesische Spionage "Gruseln" hervorruft, auch wenn sie unbewiesen und bislang auch noch gar nicht "installiert" ist.
      Und schließlich: Warum sollten wir denn wirtschaftlich und infolgedessen auch politisch von China zunehmend abhängig werden? Doch nur, weil wir diese wirtschaftlichen Beziehungen wollen. Sagen sie doch den entsprechenden Konzernen, sie sollten ihre Geschäfte woanders machen. Schon gäbe es keine wirtschaftliche Abhängigkeit mehr.
      Vielleicht sollte man auch deswegen ein Wirtschaftsmodell überdenken, dass auf Dauerwachstum aufbaut!

    • Völlig richtig !
      Unfrieden stiften ist niemals eine gute politsche Strategie - egal wann und von wem ...

      Aber für Europa ist so ein Präsident wirklich fatal -

      - auch in Hinblick auf die dann drohende engere Abhängigkeit von dem komplett totalitären Staat China, dessen wachsenden wirtschatlichen (und infolgedessen auch bald) politischen Einfluss ich hier nun überhaupt nicht erleben möchte !!!

      Mir gruselt es bei der Vorstellung einer flächendeckenden Überwachung durch IT Systeme über Netzwerke in Chinas Hand.

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