Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Die USA haben jetzt die Klarheit, auf die die Deutschen noch warten

Das Weiße Haus hat eindeutige Kriterien für den Ausstieg aus den Corona-Beschränkungen vorgelegt. Solch ein Konzept täte auch Deutschland gut.
17.04.2020 - 04:10 Uhr 14 Kommentare
Der Öffnungsplan trägt eindeutig nicht die Handschrift des US-Präsidenten. Quelle: dpa
Donald Trump

Der Öffnungsplan trägt eindeutig nicht die Handschrift des US-Präsidenten.

(Foto: dpa)

Die zurückliegende Woche hat uns interessante Einblicke in zwei unterschiedliche Kulturen im Umgang mit dem Coronavirus gebracht, nennen wir diese: Die deutsche und die amerikanische Kultur.

Auf der einen Seite war da am Mittwoch der Auftritt von Angela Merkel. Eigentlich ging es darum, die allmähliche Öffnung Deutschlands nach dem Corona-Schock zu verkünden. Doch die Bundeskanzlerin sprach vor allem über alles, was nicht gehe, nannte das Erreichte einen „zerbrechlichen Zwischenerfolg“ im Kampf gegen das Virus. Die Öffnung der Schulen könne nur „ganz behutsam“ von statten gehen. Über weitere Lockerungen soll alle 14 Tage beraten werden.

Weitergehende Versprechen an die Bürger? Bloß nicht! Nach diesem Auftritt der Kanzlerin war man regelrecht dankbar, dass man sich ab dem kommenden Monat in Deutschland wieder die Haare schneiden lassen kann.

Einen Tag später stellte dann Donald Trump seinen Öffnungsplan vor. Verglichen mit der vorsichtigen Merkel glich sein Auftritt dem eines Bullen, der ungeduldig an seiner Kette zerrt und endlich zurück auf die Weide will. Er ließ seine medizinischen Experten einen Dreistufenplan vorstellen, der eine weitgehende Lockerung der Corona-Beschränkungen zumindest möglich macht. Vereinfacht gesagt: Immer wenn ein US-Bundestaat oder auch Landkreis über einen Zeitraum von 14 Tagen sinkende Fallzahlen vorweisen kann, soll er von einer Stufe zur nächsten übergehen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    In Stufe eins können Restaurants mit Einschränkungen wieder aufmachen, in Stufe zwei die Schulen. Stufe drei sieht immer noch zahlreiche Einschränkungen des öffentlichen Leben vor und würde sich verglichen mit dem trostlosen Status Quo dennoch wie ein hedonistisches Paradies anfühlen: Urlaubsreisen! Barbesuche! Rock'n'Roll!

    Sicher, um überhaupt in Phase eins zu kommen, müssen die US-Bundesstaaten eine Vielzahl von Bedingungen erfüllen. So zum Beispiel die Fähigkeit, lokale Corona-Ausbrüche rasch durch das Identifizieren und Testen von Kontaktpersonen zu bekämpfen. Ob es überhaupt Staaten gibt, die diese Bedingungen bereits jetzt erfüllen? Sehr fraglich, schließlich mangelt es in den USA noch immer an Corona-Tests.

    Und natürlich ist es eine abenteuerliche Volte von Trump, dass er noch vor wenigen Tagen bei der Öffnung die „absolute Autorität“ gegenüber den Bundesstaaten reklamierte und ihnen jetzt lediglich unverbindliche Richtlinien für den Ausstieg vorgibt. Was wesentlich näher an der verfassungsrechtlichen Realität der USA liegt als die bizarren Allmachtsphantasien, die Trump zuvor geäußert hat.

    Doch wie wohltuend auch, dass hier eine Regierung tatsächlich einen kompletten Plan für die Rückkehr zur Beinahe-Normalität vorlegt. Ohne festen Zeitplan zwar, aber mit klaren medizinischen Kriterien, wann ein Bundesstaat oder Landkreis in die nächste Phase übergehen kann.

    Und wie beruhigend, dass dieser Plan in seinen Details eindeutig nicht Trumps Handschrift trägt – dafür enthält das Konzept zu viele Fakten und Kleingedrucktes. Der Plan stammt von Deborah Birx, Medizinerin und Koordinatorin der Corona-Task Force im Weißen Haus, und Task-Force-Mitglied Anthony Fauci. Als Corona-Hasardeure oder Speichellecker des Präsidenten sind die beiden bislang nicht in Erscheinung getreten.

    Welcher Auftritt liegt nun näher an der Corona-Realität, der von Merkel oder der von Trump? Das ist aus heutiger Sicht schwer zu sagen. Sicher ist aber: Die Sehnsucht nach einem klaren Weg zurück zur Normalität ist groß. In den USA ebenso wie in Deutschland.

    Mehr: Nach Trump-Kritik: Merkel nimmt WHO in Schutz.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Die USA haben jetzt die Klarheit, auf die die Deutschen noch warten
    14 Kommentare zu "Kommentar: Die USA haben jetzt die Klarheit, auf die die Deutschen noch warten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Regierungen der einzelnen US-Bundesstaaten können nun zeigen, was sie können.
      Das Ziel ist vorgegeben. In der EU gehen die Mitgliedstaaten auch eigene Wege und verfolgen dennoch das gleiche Ziel. Die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und die Neuinfizierungen auf ein Maß zu senken, das noch medizinische Maßnahmen für jeden Betroffenen möglich macht. Die Politik jenseits und diesseits des Atlantiks kann aber leider nicht verhindern, dass es Tote in den Risikogruppen gibt, solange keine wirksamen Medikamente und Impfstoffe zur Verfügung stehen.

    • Und die Bewertung der verschiedenen Vorgehensweisen kann erst nach Ende der Pandemie erfolgen.
      Nur eins ist schon sicher: den Umgang mit Pandemien müssen viele noch lernen, mannigfalte Verbesserungsmöglichkeiten sind n.m.E. gegeben. Diese Verbesserungsmöglichkeiten haben einen Preis.
      Was ist jedem/jeder Einzelnen ein bessere Pandemievorbereitung denn wert?

    • Einige wenige Kommentatoren haben den Inhalt des Artikels nicht sorgfältig genug gelesen und deshalb nicht verstanden.

      Es geht darum: Ein Land hat einen Plan und die Führung enes anderen Landes hat - wie so oft - keinen Plan.

      Alles andere geht in den Bereich der Polemik.

    • GUT FÜR TRUMP - SCHLECHT FÜR DIE WAHRHEIT:

      Wenn keine oder nicht flächendeckend Testungen gemacht werden,
      zB weil es nicht genug Testungen gibt
      oder weil patienten sie selber zahlen müssen,
      oder weil sie - einmal positiv getestst - ihre Arbeit verlieren -
      oder weil sie keine Symptome haben und sich für gesundhalten
      ...

      dann - ja dann - oh Wunder - sinken die Fallzahlen -

      Das möchte der regierende Präsident natürlich gerne
      sehr gerne.
      Sonst würde ihm vielleicht doch noch
      seine zögernde Haltung zu Beginn auf die Füße fallen.


    • Welch ein schwacher Kommentar im ansonsten von mir durchaus geschätzten Handelsblatt. Der Autor hat scheinbar die perfiden Methoden eines Menschen nicht durchschaut, der sein totalitäres Denken inzwischen nicht einmal mehr verbirgt ("I have the total power".). Perfide sind diese Methoden deshalb, weil in der Tat die im "Plan" genannten Kriterien halbwegs wissenschaftlich fundiert daherkommen, jedoch zugleich die Öffentlichkeit in den USA seitens der Administration konsequent darüber belogen wird, dass die meisten Bundesstaaten noch sehr weit weg sind, diese Kriterien erfüllen zu können. So ist die nach wie vor mangelnde Kapazität für Tests nicht geeignet, eine auch nur annähernd verlässliche Aussage darüber zu ermöglichen, wie sich die Infektionsrate tatsächlich entwickelt (eine der im "Plan" genannten Voraussetzungen). Dennoch behauptet Trump weiterhin - leider erwartungsgemäß - wahrheitswidrig, dass genügend Tests zur Verfügung stünden und macht den Menschen völlig unrealistische Hoffnungen auf Öffnung vor dem 1. Mai. Und wenn zugleich das Propagandaministerium Fox News die Trump-Anhänger durch permanente Leugnung von Fakten dazu bewegt, in großer Anzahl gegen die zumeist sehr umsichtig agierenden Gouverneure (ja, ich sehe vieles in den USA positiv) zu demonstrieren, dann ist dies in der Tat ein perfides Spiel mit der Gesundheit der Menschen. Und leider hat der Autor des Kommentars diesen aus meiner Sicht für die Beurteilung der Situation wesentlichen Kontext ignoriert. Sehr schade! P.S.: Demgegenüber sind die in D getroffenen Maßnahmen wissenschaftlich fundiert und vielfach recht konkret formuliert, was im Einzelfall natürlich auch Raum für Kritik eröffnet. Allerdings tun m. E. die Verantwortlichen in Bund und Ländern gut daran, in einer Situation, die man in dieser Dimension zum ersten Mal durchlebt, nicht zu weit zu planen, sondern in nachvollziehbaren Schritten, die zeitnah überprüft und, wenn nötig, nachjustiert werden, voranzugehen. Gut so!

    • Es ist ein Irrtum zu glauben dass Merkel keinen Blutzoll fordert, sie ist nur diplomatischer und weis ihn besser zu verstecken! Aber der Blutzoll wird bezahlt werden, vielleicht nicht durch Corona, aber an anderer Stelle. Ich kenne mehr Fälle die diesen Zoll bereits bezahlt haben, wie solche die an dem Virus gestorben sind.

    • Aktuell würde ich sagen, die Wahrscheinlichkeit an Covid-19 zu sterben ist mit Stand von heute in den USA um den Faktor 2 höher, als in Deutschland (100 Tote vs. 50 Tote pro 1 Mio. Einwohner). Super management, klarer Plan. Die USA laufen die Zahlen zudem weiter massiv hoch. Trumpf fodert von seinem Volk einen Blutzoll, den die Bundesregierungen mit allen Mitteln zu vermeiden sucht.
      Hier liegen zwei extreme Modelle auf dem Tisch!

    • Den Ausdruck: Trump-bashing kann ich langsam nicht mehr hören! Die USA haben mit ihrem Wahlsystem den Präsidenten Trump gewählt - das ist Fakt! Herr Trump wird evtl. im Herbst für eine weitere Wahlperiode gewählt - auch das haben wir dann zu akzeptieren! Darüber hinaus können wir natürlich Herrn Trump und seine "Politik" kritisieren, genauso wie man Frau Merkel oder andere Politiker kritisch sehen können, sofern man sachlich argumentiert.
      Das unsere Systeme extrem unterschiedlich sind, ist doch eigentlich klar. In den USA legt man (die Mehrheit?) Wert auf möglichst wenig Staat - Bei uns ist das anders, nämlich Sozial-Staat usw. Welcher Weg der richtige im Zusammenhang mit Corona ist, wird man vielleicht in einigen Monaten sehen.

    • Die Klarheit, die die USA jetzt haben, heißt,:
      GEWINNE sind wichtiger denn TOTE.
      Genauer betrachtet; auch nichts neues aus Amerika.

    • Unsere Bundeskanzlerin hat doch bereits 3 Stufen verkündet
      * Verdopplung in 10 Tagen - erreicht, nichts passiert, Erhöhung der Schwelle
      * Verdopplung in 14 Tagen - erreicht, nichts passiert, Neues Kriterium eingeführt
      * Reproduktionszahl unter 1 - erreicht, und was kommt jetzt?

      Was hat die Regierung wirklich vor? Wann hält sie sich an die selbst gesteckten Kriterien?

    Alle Kommentare lesen
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%