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Kommentar Die Verbalnote gegen Roms Anti-Homophobie-Gesetz ist ein Eigentor des Papstes

Der Heilige Stuhl hat die italienische Regierung aufgefordert, das Gesetz zu überdenken. Die kriselnde katholische Kirche tut sich damit alles andere als einen Gefallen.
24.06.2021 - 22:17 Uhr Kommentieren
Wollte eigentlich für mehr Offenheit und Toleranz stehen. Quelle: dpa
Papst Franziskus

Wollte eigentlich für mehr Offenheit und Toleranz stehen.

(Foto: dpa)

Es ist ein bisher beispielloser politischer Vorgang, der sich da in den vergangenen Tagen in Rom abgespielt hat: Erzbischof Paul Gallagher, der sich beim Heiligen Stuhl um die Außenpolitik kümmert und damit oberster Diplomat der katholischen Kirche ist, reichte bei der italienischen Botschaft eine Verbalnote ein. Darin forderte er, ein Gesetz zu überdenken, das schon im November von einem Teil des italienischen Parlaments verabschiedet wurde: das „Zan-Gesetz“.

Alessandro Zan, ein Abgeordneter der mitregierenden Sozialdemokraten und bekennender LGBTI-Aktivist, hatte den Gesetzentwurf ursprünglich eingebracht. Es soll den Hass gegen Trans- und Homosexuelle ähnlich hart bestrafen wie Rassismus und die Italiener für Geschlechterfragen sensibilisieren. Zudem soll ein nationaler Tag gegen Homo- und Transphobie eingeführt werden.

Im Vatikan ist man offenbar besorgt, dass dieser Tag auch in katholischen Schulen gefeiert werden muss. Rechte Politiker, die die finale Abstimmung im Senat seit Monaten herauszögern, beschwören die Verbreitung von „Gender-Ideologie“.

Eine deutliche Antwort gab es am Mittwoch von Italiens Premier: „Unser Staat ist ein laizistischer, kein konfessioneller.“ Das Parlament sei frei, Gesetze zu erlassen, erklärte Mario Draghi.

Das Gesetz ist längst überfällig. Italien ist eines der wenigen Länder in Europa, das homophobe Diskriminierung bisher nicht bestraft.

Und die ohnehin kriselnde katholische Kirche tut sich mit ihrem rückwärtsgewandten Verhalten keinen Gefallen. Auch im frommen Italien schwindet allmählich die Unterstützung für eine Institution, die in der Vergangenheit immer wieder durch Missbrauchs- und Finanzskandale aufgefallen ist. Vor allem junge Leute kehren ihr den Rücken, unterstützt von einer breiten Front aus Künstlern, Schriftstellern und Musikern, die auf Bühnen und in sozialen Netzwerken die Kirche anprangern.

Ein herber Rückschlag ist der gesamte Vorgang auch für Papst Franziskus, der eigentlich für mehr Offenheit und Toleranz stehen wollte – und Homosexuelle schon mal „Kinder Gottes“ nannte. Doch im März enttäuschte er die Reformer in der Kirche, als der Vatikan die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare weiter strikt ablehnte.

In Rom wird nun gerätselt, ob der Papst vielleicht nichts von der Verbalnote gegen das Zan-Gesetz gewusst hat. Schwer vorstellbar. Und falls doch, sagt das einiges über die schwindende Macht des 84-Jährigen im Kirchenstaat aus.

Mehr: EU-Regierungen stellen sich gegen Homosexualitäts-Gesetz in Ungarn

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