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Kommentar Die verkrampfte Debatte um von der Leyen ist typisch deutsch

Man muss auch gönnen können: Deutschland könnte einen Spitzenjob in der EU besetzen – und doch wird nur gemeckert. Die Kritik daran ist oft scheinheilig.
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Die bisherige Bundesverteidigungsministerin könnte den Spitzenposten der EU übernehmen – und ausgerechnet die Deutschen lästern. Quelle: Reuters
Ursula von der Leyen

Die bisherige Bundesverteidigungsministerin könnte den Spitzenposten der EU übernehmen – und ausgerechnet die Deutschen lästern.

(Foto: Reuters)

Das letzte Mal, dass sich Deutschland in seiner Gesamtheit ausgiebig gefreut hat, war nach dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Das Land gab sich unverkrampft, es ging ein Signal der Leichtigkeit in die Welt hinaus. Auch 2005 gab es so etwas wie Euphorie, als ein Deutscher nach 1000 Jahren katholischer Kirchengeschichte im Vatikan Karriere machte und das Boulevard titelte: „Wir sind Papst“.    

Jetzt hat Deutschland die Chance, die Spitze der EU-Kommission zu besetzen – es wäre das erste Mal seit Walter Hallstein vor 60 Jahren, dass ein Deutscher den europäischen Topjob bekäme. Ursula von der Leyen wäre sogar die erste Frau, die dieses Amt übernähme, sofern das Europaparlament zustimmt. Jetzt muss niemand wie beim Gewinn der Fußball-WM darüber jubeln. Doch kaum wurde die Personalie von der Leyen offiziell bestätigt, ging eine typisch deutsche Diskussion los, die völlig verkrampft, fast missgünstig wirkt.

Es gäbe bessere Frauen, sie habe das falsche Parteibuch und mit ihrer Qualifikation sei es auch nicht so weit her, ist zu lesen und zu hören. Interessanterweise auch vom früheren SPD-Chef Martin Schulz, der in seinem politischen Leben selbst keine exekutive Erfahrung sammeln konnte. Frau von der Leyen hat dagegen allein auf Bundesebene 14 Jahre Regierungserfahrung. 

Hinzu kommt der Vorwurf der Hinterzimmer-Politik gegen die Staats- und Regierungschefs der EU. Bei manchen der besonders lauten Kritiker drängt sich der Eindruck auf, dass sie selbst Herrscher der Hinterzimmer sind.

Die letzten Kanzlerkandidaten der SPD wurden unter merkwürdigsten Umständen aufs Schild gehoben. So wissen die Kritiker immerhin, von was sie sprechen. Doch am Dienstag waren auch die kommissarischen SPD-Vorsitzenden sofort auf den Bäumen. Einen Tag später setzt offensichtlich das Nachdenken ein und sie versuchen, langsam wieder herunterzuklettern. Wollen sie tatsächlich die erste Frau an der Kommissionsspitze verhindern? 

Oettinger und die ewige Häme

Es ist schwer vorstellbar, dass Politiker eines anderen Landes in einer solchen Vehemenz über den Vorschlag für den Posten des Kommissionspräsidenten herfallen. Natürlich war von der Leyens vorige Station als Bundesverteidigungsministerin ihre schwächste und in der Bundeswehr werden viele froh sein, wenn die Ministerin weg ist. Aber Opposition und SPD vermochten nicht, die CDU-Politikerin zum Rücktritt zu zwingen. Und anstatt sich zu freuen, dass Deutschland wieder einmal einen Spitzenposten besetzt, wird nun kleingeistig nachgetreten.

Dabei hätte Deutschland, wenn es so kommt, nach langer Zeit wieder eine Vertreterin auf höchster EU-Ebene. Von der Leyen ist nicht das einzige Beispiel: Wie viele Jahre musste EU-Kommissar Günther Oettinger hart arbeiten, bis sich die Häme über seine Ernennung gelegt hatte? In Deutschland gibt es immer die Diskussion, dass wir zu kurz kommen bei internationalen Posten. Jetzt gibt es vielleicht einen, auch noch einen immens wichtigen, und nun ist es auch wieder nicht recht. 

Dabei sind es die Deutschen, die in ganz Europa am vehementesten das sogenannte Spitzenkandidatenprinzip hochhalten. Man tut aber dem braven CSU-Mann Manfred Weber mit dem Hinweis kein Unrecht, dass er selbst am Ende der Wahlkampagne nur einem Drittel der Wählerschaft in der Bundesrepublik bekannt war. Vom Holländer Frans Timmermans ganz zu schweigen.

Man darf deshalb gespannt sein, ob die jeweiligen Fraktionen im Europaparlament tatsächlich Ursula von der Leyen die Gefolgschaft verweigern. Dort gibt es hoffentlich keine typisch deutsche Diskussion.   

Mehr: Handelsblatt-Umfrage – Ist von der Leyen die richtige Kandidatin für die EU-Spitze?

 

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