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Kommentar Die Welt braucht einen berechenbaren Ölmarkt

Russland und die Opec wollen den Ölhahn aufdrehen und damit den Weltmarkt normalisieren. Das ist im Interesse aller.
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Sowohl das Ölkartell als auch Moskau haben sich zum Ziel gesetzt, mit dem Aufdrehen des Ölhahns den Markt zu normalisieren. Quelle: BAYERNOIL
Öl

Sowohl das Ölkartell als auch Moskau haben sich zum Ziel gesetzt, mit dem Aufdrehen des Ölhahns den Markt zu normalisieren.

(Foto: BAYERNOIL)

Die imperiale Kulisse in Wien schätzt Russlands Präsident Wladimir Putin. Die österreichische Hauptstadt rollt für den Kremlchef den roten Teppich aus. Das ist für Putin ein seltenes Vergnügen in einem westeuropäischen EU-Land geworden.

Einer der Anlässe für seine Reise ist ein Jubiläum, der Staatskonzern Gazprom liefert dem österreichischen Ölkonzern OMV seit einem halben Jahrhundert Gas für Mitteleuropa. Ein einträgliches Geschäft für Gazprom und für die lahmende Konjunktur in Russland.

In Wien geben sich derzeit die russischen Politiker die Klinke in die Hand. Und immer geht es um Energie. Am 22. Juni wird Putins Energieminister Alexander Nowak seinen großen Auftritt in der Donaumetropole haben. Dann trifft sich die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) mit ihrem wichtigsten Verbündeten Russland in ihrem Wiener Hauptquartier.

Der Kremlchef zu Besuch in Wien. Dort geben sich derzeit russische Politiker die Klinke in die Hand. Quelle: AP
Wladimir Putin

Der Kremlchef zu Besuch in Wien. Dort geben sich derzeit russische Politiker die Klinke in die Hand.

(Foto: AP)

Sowohl das Ölkartell als auch Moskau haben sich zum Ziel gesetzt, mit dem Aufdrehen des Ölhahns den Markt zu normalisieren. Gemeinsam will die größte Ölmacht der Welt über eine höhere Produktion beraten, um den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen und gefährlichen Spekulationen ein Ende zu setzen.

Noch im Mai ist Öl mit Preisen von über 80 Dollar pro Fass (159 Liter) auf ein Dreieinhalbjahreshoch geschossen. Die Börsenkurse der globalen Ölmultis von Shell über BP bis Total schienen in den Himmel wachsen zu wollen. Zuletzt machten die Russen keinen Hehl daraus, dass sie die Fördermenge erhöhen möchten. Der russische Energieminister Nowak würde gerne an die Zeiten vor knapp zwei Jahren anknüpfen, als das Förderniveau bei 33 Millionen Barrel pro Tag lag. Das hat erst einmal den Preisübertreibungen am Markt und an den Börsen einen Dämpfer verpasst.

Der Ölpreis ist auf 76 Dollar und zeitweise weniger gesunken. Die Spekulanten nehmen Abstand. Auch aus Sicht der Opec ist ein Preiskorridor zwischen 70 und 80 Dollar ideal. Denn mit diesem Preisniveau können die 14 Mitglieder des Ölkartells prächtig leben. Russlands Präsident Wladimir Putin nannte zuletzt sogar einen Preis von 60 Dollar pro Barrel.

Hinter den Kulissen wird eifrig diskutiert, wie stark der Ölhahn aufgedreht werden soll und kann, ohne die Preise gleich wieder zu Fall zu bringen. Während das Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien sich zurückhaltend gibt, möchten die Russen offenbar die Förderung deutlich anheben. Im Markt ist von einer Produktionsausweitung von bis zu einer Million Barrel pro Tag die Rede.

Der Meinungsfindungsprozess läuft unterdessen auf Hochtouren. Der saudische Ölminister Khalid Al Falih wirbt bei anderen Opec-Mitgliedern am Golf, die vor rund eineinhalb Jahren beschlossene Förderkürzung neu auszurichten. Derzeit hat Suhail Mohamed Faraj Al Mazroui, Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, den Vorsitz in der Opec.

Mazroui, der auch als Aufsichtsrat bei der OMV fungiert, gilt als ein erfahrener, vernunftorientierter Marktstratege, der in großen Dimensionen denkt und handelt. Erst am Wochenende hat er sich mit seinen Amtskollegen von Saudi-Arabien, Kuwait, Algerien und Oman in der kuwaitischen Hauptstadt getroffen, um den Konsens von Wien vorzubereiten.
Das Ölkartell hat mit politischen Risiken zu kämpfen, die durch das harte und unberechenbare Vorgehen von US-Präsident Donald Trump monatlich wachsen. Nach der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch Washington und den damit verbundenen Sanktionen hat Trump den Wiederaufstieg des Opec-Mitglieds am Persischen Golf erst einmal beendet. Denn auch europäischen Ölkonzernen und deren Dienstleistern bleibt nichts anderes übrig, als den Iran vorerst zu meiden, um sich keinen Sanktionen der USA auszusetzen.

Hinzu kommen Komplikationen innerhalb des Ölkartells. Auch das wirtschaftlich marode Venezuela kämpft mit starken Produktionsrückgängen. Zudem drohen die USA und die EU nach der umstrittenen Wiederwahl des Präsidenten Nicolas Maduro mit Sanktionen. Darüber hinaus sind die weiteren politischen Entwicklungen in Libyen unwägbar. Das Opec-Land leidet unter einem Bürgerkrieg und damit unter großen Problemen bei der Ölförderung.

Zuletzt hatte die Opec deutlich weniger produziert, als notwendig gewesen wäre. Für einen relativ ausgeglichenen Markt sorgen unterdessen die USA. Mit ihrem Schieferöl sind die Vereinigten Staaten ein stabilisierender Faktor im globalen Ölmarkt. Die Förderung wächst wieder stark. Die Zahl der Bohrlöcher hat ein Niveau wie vor über drei Jahren erreicht. Das preiswerte Öl aus den USA hat eine dämpfende Wirkung auf dem globalen Markt.

Gerade in einer Phase großer politischer Risiken braucht die Welt einen stabilen und berechenbaren Öl- und Gasmarkt. Das ist im Interesse aller beteiligten Länder. Eine weitere künstliche Verknappung und damit Preise von deutlich über 100 Dollar wie vor vier Jahren wären Gift für die Weltwirtschaft.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Die Welt braucht einen berechenbaren Ölmarkt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Spekulanten im guten Westen zocken halt mit allen Produkten u. der faire Westen kann keine Transaktionssteuer durchsetzen aber mit der Mineralölsteuer, die der Endverbraucher zahlt, die Bürger ausbeuten.