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Kommentar Die Welt spaltet sich in zwei Technologie-Sphären – und das ist schlecht für Europa

China forciert die Unabhängigkeit in der Chipindustrie. Huawei spielt dabei eine entscheidende Rolle. SAP oder Infineon könnten sich bald für eine Seite entscheiden müssen.
02.11.2020 - 17:56 Uhr Kommentieren
Ausgerechnet die USA sorgen dafür, dass China seinen industriepolitischen Fokus auf den Tech-Sektor ausweitet. Quelle: AP
Huawei-Geschäft in Peking

Ausgerechnet die USA sorgen dafür, dass China seinen industriepolitischen Fokus auf den Tech-Sektor ausweitet.

(Foto: AP)

Das iPhone war lange Zeit das Symbol für die Arbeitsteilung im globalen Technologiesektor. Die Geräte werden in Kalifornien entwickelt und in China gefertigt. US-Ingenieure steuern das Design und die Software bei. Chinesische Firmen liefern das Fachwissen in der Produktion und stellen die Massenfertigung auf die Beine.

Heute überziehen sich die USA und China gegenseitig mit Handelsbeschränkungen. Der Technologie-Sektor ist zum Schlachtfeld für die größte und zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt geworden.

Die globale Arbeitsteilung hat zunehmend ausgesorgt. Sanktionen der USA gegen chinesische Technologiefirmen haben der Branche in der Volksrepublik geschadet.

Peking steuert gegen. Partei- und Staatschef Xi Jinping hat vergangene Woche dem Land einen Kurs zur technologischen Unabhängigkeit verordnet. China müsse eigenständiger werden, forderte er. Zusammen mit den wichtigsten Entscheidern Chinas legte er den Rahmen für den 14. Fünfjahresplan des Landes fest, der ab dem kommenden Jahr gelten soll.

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    Mit staatlicher Hilfe sollen Chinas Technologiefirmen eigenständig werden. Das Vorgehen ist unter anderem von dem Schicksal des Vorzeigeunternehmens Huawei bestimmt. Der Netzausrüster gehört zu den führenden Herstellern von Komponenten für den Echtzeitmobilfunk 5G und produziert Smartphones, Tablets und andere Geräte für Endkunden. Aufgrund der US-Sanktionen musste die Firma einräumen, dass ihr bald die nötigen Chips für die Fertigung der Produkte ausgehen könnten.

    China ist von ausländischen Chips abhängig

    Gerade in der Halbleiterindustrie hinkt die Volksrepublik hinterher. Das soll sich ändern – mit staatlicher Hilfe. Dutzende Firmen kündigten während der vergangenen Monate Programme zur Stärkung der heimischen Chipindustrie in China an. Auch Huawei soll laut Berichten eine Chip-Fabrik planen, um künftig die nötigen Komponenten selbst herstellen zu können.

    Es ist paradox. Die USA haben mit Sorge auf den technologischen Aufstieg Chinas geschaut. Die wichtige Rolle von Huawei beim 5G-Mobilfunk war ein Grund vor einer wachsenden chinesischen Macht zu warnen. Mit ihren Sanktionen erreicht die US-Regierung jetzt jedoch, dass Peking den eigenen technologischen Aufstieg forciert. Xi hat technologische Innovation und Autarkie zu einem Leitprinzip erhoben.

    Ausgerechnet die USA sorgen dafür, dass China seinen industriepolitischen Fokus auf den Tech-Sektor ausweitet. Über Jahre profitierten US-Firmen von der globalen Arbeitsteilung. Gerade für den iPhone-Konzern Apple was das Modell lukrativ. Jetzt sind die USA dabei, das Prinzip auszuhebeln.

    Für Europa ist die Entwicklung schlecht. Sehr schlecht sogar. Europäische Technologiefirmen sind zunehmen gezwungen, sich für eine Seite zu entscheiden. Der Raum für einen Mittelweg wird immer kleiner.

    Deutsche und europäische Technologiefirmen besetzen viele, lukrative Bereiche. Der Dax-Konzern Infineon liefert wichtige Chips für die globalen Technologiefertiger. Europas größter Softwarekonzern SAP forciert unter dem neuen CEO Christian Klein das Geschäft auf Unternehmensanwendungen in China. Gleichzeitig ist für den Dax-Konzern das US-Geschäft sehr wichtig. Wird es künftig noch möglich sein, stark auf die USA und China fokussiert zu sein? Die Antwort darauf ist unklar.

    Europäische Firmen müssen sich entscheiden

    Derzeit wirkt es, als wollten sowohl Washington als auch Peking die Welt in zwei Technologie-Sphären spalten. Deutsche und europäische Firmen könnten schon bald vor der Frage stehen, wie sie sich in dem Konflikt positionieren.

    Ein Ausweg ist derzeit schwer zu finden. Im Juli 2020 hatte die Bundesregierung die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte die sechs Monate unter deutscher Führung eigentlich dafür nutzen, eine klare Chinastrategie zu entwickeln. Offiziell wurde das in Leipzig für September angesetzte Gipfeltreffen mit der chinesischen Führung wegen der Corona-Pandemie verschoben. Inoffiziell waren in den Vorgesprächen kaum Absprachen mit den Unterhändlern aus Peking möglich. Deutschland wollte keinen Gipfel ohne echte Ergebnisse abhalten. Heute ist kaum noch die Rede von der großen Chinastrategie für die deutsche Ratspräsidentschaft.

    Natürlich überlagert der Ausbruch der Corona-Pandemie derzeit fast alle politischen und wirtschaftlichen Diskussionen. Das macht die großen und langfristigen Fragen jedoch nicht überflüssig.

    Europa braucht eine Strategie zum Umgang mit dem Technologie-Krieg zwischen China und den USA. Die Pläne zu einer europäischen Cloud unter dem Namen Gaia-X gehen von der Idee her in die richtige Richtung. Sie sind aber viel zu unkonkret und kommen zu langsam voran.

    Es ist fatal, wenn selbst der Staatskonzern Deutsche Bahn seine Daten in die Cloud verlagert und dabei nur auf zwei US-Anbieter zurückgreift: Amazon und Microsoft. Es ist ein Alarmsignal, wenn selbst ein deutsches Staatsunternehmen argumentiert, es gebe in Europa und Deutschland keine vergleichbare Alternative zu den großen US-Cloud-Anbietern. Die Anstrengungen hin zu einer europäischen Technologie-Strategie wirken dabei überflüssig. Europa muss dringend mehr liefern, anstatt hauptsächlich die eigene Position zu bedauern.

    Mehr: Die Huawei-Connection: Wie die Telekom immer abhängiger von China wurde.

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