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Kommentar Die Wette auf die Zukunft von Infineon-Chef Ploss ist gewagt

Der Vorstandschef des Halbleiterproduzenten investiert kräftig, obwohl seine Werke nicht ausgelastet sind. Das ist sehr riskant.
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Der Infineon-Chef investiert derzeit kräftig. Quelle: Reuters
Reinhard Ploss

Der Infineon-Chef investiert derzeit kräftig.

(Foto: Reuters)

Es läuft alles andere als rund bei Infineon. Zwei Mal hat Vorstandschef Reinhard Ploss im gerade zu Ende gegangenen Geschäftsjahr die Prognose zurückgenommen. Deutschlands größer Halbleiterproduzent ist längst nicht so stark gewachsen wie zunächst versprochen, die Münchener waren auch deutlich weniger profitabel.

Bedrohlicher noch: Das Unternehmen wird zwar auch im neuen Geschäftsjahr wieder zulegen. Aber das Umsatzplus fällt voraussichtlich deutlich geringer aus, als Ploss langfristig anstrebt. Auch die operative Marge wird nicht den Wert erreichen, den der Manager im Schnitt über einen Branchenzyklus hinweg den Investoren versprochen hat.

Trotz des eher schwachen Geschäftsverlaufs hält Ploss unverdrossen an seiner in guten Zeiten verkündeten Offensive fest, mit der Infineon künftig weltweit Marktanteile erobern will. 1,3 Milliarden Euro plant der 63-Jährige an Investitionen für das am 1. Oktober begonnene Geschäftsjahr, knapp 16 Prozent vom prognostizierten Umsatz.

Mehrere Hundert Millionen sollen allein in neue Fertigungsgebäude und moderne Büros fließen. Dazu kommt die neun Milliarden Euro schwere Übernahme des US-Rivalen Cypress, mit der Ploss das Produktportfolio abrunden möchte. Nur die Genehmigung der US-Behörden steht noch aus.

Das alles ist eine gewagte Wette auf einen Aufschwung, von dem niemand weiß, ob und wann der kommt. Denn momentan leidet der Dax-Konzern unter gewaltigen Überkapazitäten. So gering ist die Auslastung, dass die wichtigen Werke in Dresden und dem malaysischen Kulim zum Jahreswechsel für zwei Wochen schließen. Für die Chipbranche ist das ungewöhnlich, die horrend teuren Maschinen laufen üblicherweise rund um die Uhr und an jedem Tag des Jahres.

Zugegeben, ein wenig tritt Ploss schon auf die Bremse. Den milliardenschweren Bau einer neuen Fabrik in Villach streckt der Firmenlenker, allerdings nur um ein Dreivierteljahr. Statt im Frühjahr 2021 soll das Werk nun erst Ende des Jahres in Betrieb gehen.

Auch mit Neueinstellungen ist Infineon vorsichtig, Zeitverträge werden nicht verlängert. Ob das reicht, profitabel durch den Abschwung zu kommen, ist höchst ungewiss.

Infineon spürt einerseits die Flaute im weltweiten Autogeschäft. Andererseits macht sich das geringere Wirtschaftswachstum in China bemerkbar. Gut ein Viertel vom Umsatz stammt aus dem Land.

In der Konzernzentrale ist jetzt Augenmaß gefragt. An der riesigen Akquisition von Cypress lässt sich nicht mehr rütteln. Aber die Investitionen sollte Ploss genau im Blick behalten. Wenn der Aufschwung nicht wie erhofft im nächsten Frühsommer kommt, sollte der Ingenieur seine Ausbaupläne stark stutzen.

Mehr: Infineon hat seinen Umsatz zuletzt nur leicht gesteigert – die Blitzanalyse.

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