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Kommentar Die Wirecard-Krise ist auch ein Totalschaden für den Finanzplatz Deutschland

Der Dax-Konzern muss seinen Jahresabschluss erneut verschieben, Anleger nehmen Reißaus. Das wirft ein schlechtes Licht auch auf die Aufseher.
18.06.2020 - 20:54 Uhr 1 Kommentar
Die Turbulenzen um Wirecard haben auch den Finanzplatz Deutschland maximal beschädigt. Quelle: dpa
Bankentürme in Frankfurt

Die Turbulenzen um Wirecard haben auch den Finanzplatz Deutschland maximal beschädigt.

(Foto: dpa)

Als Wirecard 2018 die Commerzbank aus dem Dax verdrängte, gab es Jubel von allen Seiten: Von einer Zeitenwende in der deutschen Finanzbranche war die Rede. Manch einer sprach sogar von einer Revolution.

Ein rasant wachsender Zahlungsdienstleister aus einem kleinen Vorort bei München führte die stolzen Banken in Frankfurt nicht nur mit seinem digitalen Geschäftsmodell vor, sondern kickte sie auch noch aus der ersten Börsenliga. Die Kursrally der Wirecard-Aktie war irgend etwas zwischen beeindruckend und beängstigend.

Viele fragten sich: Warum sind die heimischen Banken nicht selbst darauf gekommen, dass sich mit dem Vormarsch des Onlineshoppings, des bargeldlosen Bezahlens und mit dem Smartphone in jeder Hosentasche sehr gut Geld verdienen lässt?

Dem Image der deutschen Wirtschaft tat der Aufstieg von Wirecard ganz nach oben gut. Auf einmal wehte ein Hauch von Silicon Valley durch das Land. Im Dax stand nicht mehr nur die SAP-Aktie für Technologie made in Germany, sondern endlich auch ein Finanzkonzern, der es irgendwann vielleicht sogar mit den ganz Großen aus dem Ausland aufnehmen konnte: Paypal und Co.

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    Dieser Traum ist erst einmal ausgeträumt. Dass Wirecard für seine Jahreszahlen keinen offiziellen Stempel der Wirtschaftsprüfer von EY bekommt und diese stattdessen nun sogar milliardenschwere Unklarheiten und Täuschung in der Bilanz reklamieren, ist ein Totalschaden für das Unternehmen, das einen historischen Kurssturz hinnehmen muss. Allein am Donnerstag wurde bei Wirecard zweitweise ein Börsenwert von mehr als neun Milliarden Euro vernichtet.

    Die Anleger haben das Vertrauen in die Geschäftszahlen von Wirecard offenkundig verloren und nehmen Reißaus. Die Großinvestoren sind konsterniert, zurück bleiben bestenfalls die Zocker. Und immer mehr Analysten trauen sich gar nicht mehr zu, die Aktie zu bewerten.

    Wo waren die Aufseher?

    Dabei war es gar nicht unbedingt Hochmut, der zum tiefen Fall führte. Es war schlicht die Tatsache, dass grundlegende Kontrollmechanismen im Konzern nicht genauso schnell gewachsen sind wie das Unternehmen selbst. Das kommt bei Start-ups häufiger vor.

    Nur: Spätestens mit dem Einzug in den Dax hätte damit Schluss sein müssen. Für die erste Börsenliga sollte es selbstverständlich sein, dass ordentliche Compliance-Strukturen etabliert sind und dass ein Unternehmen seine Geschäftspartner und Zahlungsströme kennt.

    Ist dem nicht so, muss noch strenger kontrolliert werden. Daher darf man sich durchaus fragen, wer im Falle von Wirecard am meisten versagt hat: der eigene Aufsichtsrat oder die Finanzaufsicht?

    Seit mehr als einem Jahr steht der Vorwurf im Raum, dass es in den Wirecard-Bilanzen Ungereimtheiten gibt. Der Konzern hat das regelmäßig bestritten, konnte aber eben auch keine überzeugenden Antworten liefern.

    Die Aufseher in Deutschland hätten viel früher genauer hinschauen und nachfragen müssen. Die Deutsche Börse sollte nun Konsequenzen ziehen und Wirecard aus der ersten Reihe aussortieren. Denn eines steht fest: Die Turbulenzen um Wirecard haben auch den Finanzplatz Deutschland maximal beschädigt.

    Mehr: Prüfer sehen bei Wirecard Hinweise auf „Täuschungszwecke“ – Konzern kündigt Klage an

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die Wirecard-Krise ist auch ein Totalschaden für den Finanzplatz Deutschland"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Letztendlich gibt es ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder Wirecard hat dieses Chaos in den Strukturen eingebaut, sozusagen immanent, dann könnte über Jahren hinweg nur ein externer probieren, diese Strukturen Stück für Stück, auch unter Austausch des Personals, welches selber so strukturiert ist, wieder in Ordnung zu bringen. Oder es gibt Kräfte, die einfach kein Interesse daran haben, dass Deutschland über ein derartiges modernes Tech Unternehmen verfügt. Es bleibt spannend.

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