Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Die wirtschaftliche Macht der Tech-Giganten stößt an Grenzen

Wissen ist Macht – und die Tech-Giganten haben davon eine Menge. Doch sie haben sich weit von ihrem Motto „Don't be evil“ entfernt. Der Unmut der Politik ist mehr als berechtigt.
30.07.2020 - 10:21 Uhr Kommentieren
Jeff Bezos, Gründer von Amazon, spricht via Videokonferenz bei einer Anhörung im US-Kongress. Quelle: dpa
Technologie-Chefs vor dem Kongress

Jeff Bezos, Gründer von Amazon, spricht via Videokonferenz bei einer Anhörung im US-Kongress.

(Foto: dpa)

Berlin Die Chefs der vier größten Technologiefirmen der USA werden froh sein, dass sie sich heute wieder ihrem Geschäft zuwenden können. Google, Apple, Facebook und Amazon legen am späten Abend alle ihre Zahlen für das zweite Quartal vor. Und die werden ihnen mehr Freude machen als das Kreuzverhör vor dem US-Kongress, das Sundar Pichai, Tim Cook, Mark Zuckerberg und Jeff Bezos gestern fast sechs Stunden lang über sich ergehen lassen mussten.

Obwohl die Tech-Manager die bohrenden Fragen der Kongressabgeordneten nicht vor Ort, sondern per Videokonferenz vom gewohnten Firmenoffice aus beantworten mussten, kamen insbesondere Bezos, Zuckerberg und Pichai ziemlich ins Schwitzen.

Warum werden Händler auf der Amazon-Plattform ausspioniert und benachteiligt? Warum versucht Facebook, seine Wettbewerber zu „neutralisieren“? Warum manipuliert Google die Suchergebnisse zum eigenen Vorteil? Cook kam noch am seichtesten davon, obwohl auch Apple seine Marktmacht knallhart einsetzt, um hohe Gebühren gegen die App-Entwickler durchzusetzen.

„Unsere Gründer würden sich nicht vor einem König verbeugen. Wir sollten uns auch nicht vor den Kaisern der Online-Wirtschaft verneigen“, fasste David Cicilline, der demokratische Vorsitzende des Unterausschusses für Kartellfragen im Repräsentantenhaus die Stimmung der Abgeordneten gleich zu Beginn zusammen. Es ist lange her, dass sich Demokraten und Republikaner in einer wichtigen politischen Frage einmal so einig waren.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Unmut der Politik ist mehr als berechtigt. Meilenweit haben sich die Tech-Giganten von jenem „Don’t be evil“-Versprechen entfernt, mit dem Google während der Jahrtausendwende seinen Aufstieg begann.

    Wirtschaftliche Macht wird politisch

    Ihre wirtschaftliche Macht ist längst in politische Macht umgeschlagen. Das zeigt sich nicht nur in der Armee von Lobbyisten, die Big Tech in Washington und in anderen Hauptstädten beschäftigt. Insbesondere das soziale Netzwerk Facebook ist längst zum politischen Türsteher für Hassbotschaften und Fake News im Netz geworden. Und die Türen für diesen politischen Unrat sind weit offen.

    Vor allem aber besitzen die Tech-Größen aus dem Silicon Valley ein Monopol auf den wichtigsten Rohstoff des 21. Jahrhunderts: unsere Daten, die wir ihnen auch noch kosten- und sorglos überlassen.

    Das Geschäftsmodell von Big Tech basiert darauf, dass sie damit ein unheimliches Wissen über ihre Nutzer ansammeln und dieses Wissen oft skrupellos kommerzialisieren. Wissen ist Macht, nie war die Einsicht des englischen Philosophen Francis Bacon so wahr wie in der heutigen Digitalwirtschaft.

    Was tun? In den USA untersuchen das Justizministerium und die Wettbewerbshüter der Federal Trade Commission (FTC) bereits die Machtkonzentration im Technologiesektor. Und auch Präsident Trump drohte den Tech-Managern per Twitter während der Anhörung mit Konsequenzen.

    Erfolgreich können diese Bestrebungen aber nur sein, wenn die USA ihr Mantra aufgeben, wonach niedrige Preise auch in der digitalen Wirtschaft ein zuverlässiges Zeichen für einen funktionierenden Wettbewerb sind. Wenn Daten und nicht Dollar die Währung sind, mit der wir in der Cyberwelt bezahlen, läuft dieser Maßstab ins Leere.

    Die Kongressanhörung hat gezeigt, dass auch viele Politiker in den USA das inzwischen erkannt haben. Für Europa ist das eine gute Nachricht. Hierzulande sind die Kartellwächter bereits zwei Schritte weiter und berücksichtigen die Macht der Daten längst, wenn es darum geht, Wettbewerber und Verbraucher zu schützen. Eine transatlantische Allianz zum Schutz von Wettbewerb und Privatsphäre und als Bollwerk gegen die staatliche Überwachung made in China, das wäre mal eine gute Nachricht.

    Mehr: Anhörung im US-Kongress: Sechs harte Stunden für die Tech-Giganten

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Die wirtschaftliche Macht der Tech-Giganten stößt an Grenzen
    0 Kommentare zu "Kommentar: Die wirtschaftliche Macht der Tech-Giganten stößt an Grenzen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%