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Kommentar Die Zustände in der Fleischindustrie sind eine Einladung an Schleuserbanden

Solange die Politik die Branche und ihr System nicht gründlich durchleuchtet, werden Kriminelle mit Menschenhandel in Deutschland Kasse machen können.
23.09.2020 - 15:59 Uhr Kommentieren
Die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie sind schlecht – und ein Einfallstor für kriminelle Aktivitäten. Quelle: dpa
Arbeit im Schlachthaus

Die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie sind schlecht – und ein Einfallstor für kriminelle Aktivitäten.

(Foto: dpa)

Wenn 800 Polizisten ausrücken und mehr als 40 Wohn- und Geschäftsobjekte durchsuchen, dann geht es nicht um ein paar Kleinkriminelle. Dann geht es um ein großes deutschlandweites Problem.

Die Öffentlichkeit sollte sich nicht davon täuschen lassen, dass ihr die Namen der Firmen, die seit Mittwoch nun in Verbindung mit Schleuserkriminalität aufs Korn genommen werden, völlig unbekannt sind. Hinter ihnen steht ein System von Abnehmern, ohne deren „Bedarf“ es keine menschenunwürdigen Schleusungen und Ausbeutungen gäbe.

Dass in diesem Zusammenhang immer wieder die Fleischindustrie in den Mittelpunkt rückt, ist nicht verwunderlich. Die Ausbeutung ist dort seit vielen Jahren offensichtlich. Menschen aus Osteuropa kommen in die Zerlegehochburgen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, aber auch Ostdeutschland, um der Armut in ihren Heimatländern zu entgehen.

Was sie vorfinden, sind miese Arbeitsbedingungen, unterbezahlte, knochenharte Arbeit und widerliche Unterkünfte, für deren Kosten sie teilweise hohe Lohnabzüge erhalten. Wenn man mit diesen Arbeitern darüber sprechen will, werden sie abgeschirmt. Ermittler sprechen von einem Klima der nackten (Existenz-)Angst.

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    Schleuserbanden spielen bei dem Geschäft eine zentrale Rolle. Sie besorgen nicht nur Arbeiter aus EU-Ländern wie Rumänien, sie bringen auch Menschen etwa aus Weißrussland mit gefälschten EU-Pässen hierher. Diese sind besonders gefährdet, weil sie nahezu rechtlos sind, weil sie sich als illegal Eingereiste auch im Falle von Ausbeutung nicht an die deutschen Behörden wenden. Ihr Schicksal ist deshalb besonders traurig: Sie landen nicht nur bei Schlachtbetrieben oder in der häuslichen Pflege, sie landen auch häufig in der Zwangsprostitution.

    Wie kann das passieren in einem Land wie Deutschland, in einem wohlhabenden Rechtsstaat? Vor allem, weil die Politik, aber auch wir als Gesellschaft jahrelang weggeschaut haben. Erst seit dem massiven Corona-Ausbruch im Tönnies-Stammwerk hat sich die Haltung vom Wegsehen zum Hinschauen geändert. Das aber auch eher zwangsweise und aus einem Grund, für den wir alle uns schämen sollten – weil die Sorge der Deutschen wegen Corona groß genug war, um die Zustände in der Fleischindustrie nicht gleich wieder zu vergessen.

    Die Razzia erklärt sich deshalb auch im Kontext von politischem Druck. Das Vorgehen ist gleichwohl richtig. Wer den Schleusern dauerhaft das Handwerk legen will, der muss sich allerdings intensiv mit denjenigen Großunternehmen beschäftigen, die Schleusern und Leiharbeitsfirmen erst den Spielraum schaffen – um am Geschäft mit der Ware Mensch gut zu verdienen.

    Mehr: Gewerkschaft NGG besteht auf Verbot der Leiharbeit

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