Kommentar Disney und Co. haben Netflix zu lange unterschätzt

Comcast und Disney streiten sich derzeit um 21st Century Fox. In Wirklichkeit geht es dabei um Netflix – und die Aufteilung des Weltmarkts.
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Das traditionelle Fernsehen wird immer unwichtiger. Quelle: AP
Regisseur Ron Howard und „Chewbacca“

Das traditionelle Fernsehen wird immer unwichtiger.

(Foto: AP)

Die Zeitungen sind voll mit Schlagzeilen über das Ringen der Medienriesen Comcast und Walt Disney um die Film- und Fernsehstudios von 21st Century Fox. Weniger aufsehenerregend, aber wohl noch wichtiger ist eine andere Sache. Vor wenigen Tagen überholte Netflix in der Marktkapitalisierung Comcast, liegt derzeit Kopf an Kopf mit Walt Disney. Ein erstaunliches Ereignis – ein erst vor gut 20 Jahren gegründetes Versandhaus für DVDs ist so wertvoll wie alle Star-Wars-Kämpfer, Marvel-Helden oder Mickey-Mäuse dieser Welt.

Lange Zeit waren die amerikanischen Medienunternehmen auf ihr Heimatland fixiert. Sicher, sie beherrschten die globale Popkultur mit Filmen und TV-Serien. Die aber vertrieben andere, europäische oder asiatische Partner. Der Fokus stand auf Inhalte, auf Drehbücher und Darsteller. Mit der Ausnahme vom Marketing war den Amerikanern die Welt egal.

Netflix bricht mit der Tradition. Der Streamingdienst bietet in der Welt Filme und Serien per Internet an. Ein im Vergleich zum Fernsehen oder Kinos preiswertes und genial einfaches Vertriebsmodell, das auch in Deutschland angenommen wird. Wie sehr Disney und Co. dessen Macht unterschätzten, zeigt ihre Kooperation mit Netflix. Erst vor wenigen Monaten kündigte Disney den Vertrag auf.

Viel zu spät. Netflix produziert eigene Inhalte, die es mit Comcast oder Disney aufnehmen können. Die etablierten Anbieter reagieren mit den üblichen Mitteln: Sie kaufen Wettbewerber auf, um mit mehr Inhalten die Zuschauer auf ihre Streamingdienste zu locken.

Im Grunde geht es bei der Bieterschlacht um die Aufteilung des Weltmarkts. In die Logik passt auch das starke Interesse von Comcast in den britischen TV-Kanal Sky, zu dem auch der Sky Deutschland in München gehört. Der Streit in Amerika basiert damit auf zwei Schlussfolgerungen: Das traditionelle Fernsehen wird sich langfristig in Luft auflösen, der Weltmarkt von wenigen Großanbietern beherrscht werden.

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