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Kommentar Donald Trump importiert das völkische Denken aus Europa in die USA

Als rassistischer Sprücheklopfer überrascht der US-Präsident nicht mehr. Schlimmer ist, wie er den Hass erfolgreich in der Gesellschaft etabliert.
3 Kommentare

Trump hetzt Menge gegen Demokratinnen auf

Der alte Mann am Rednerpult nahm noch einmal seine Kraft zusammen. Zum Ende seiner Präsidentschaft kämpfte Ronald Reagan wohl schon mit Alzheimer, seine Konzentration schwand, und langsam wich die Lebenslust, die ihn ins Amt getragen hatte. Reagan vergreiste.

Doch seine letzte Botschaft war ihm besonders wichtig. „Eine Bemerkung über ein Land, das ich liebe“, nannte Reagan sie. Der US-Präsident zitierte aus einem Brief, den er einige Zeit vorher von einem Mann erhalten habe: „Du kannst nach Japan gehen, um zu dort leben, aber du kannst kein Japaner werden“, habe der Mann ihm geschrieben.

Das Gleiche gelte für Frankreich, Deutschland oder die Türkei. Dann aber, sagte Reagan, habe der Mann hinzugefügt: „Jeder kann aus jedem beliebigen Winkel der Welt nach Amerika kommen, um dort zu leben und ein Amerikaner zu werden.“ Das, so Reagan, sei die wichtigste Quelle amerikanischer Großartigkeit.

Mit dieser Liebeserklärung an sein Land verschwand Reagan von der Bühne. Heute, 30 Jahre später, steht wieder ein alter Mann am Rednerpult. Dieser Mann ist ebenfalls Präsident der Vereinigten Staaten. Aber er liebt Amerika nicht, er liebt nur sich selbst.

Bei seinen Auftritten badet er in Narzissmus, und um politische Gegner zu bekämpfen, versprüht er Hass, nicht Zuversicht und Charme. Donald Trump erklärt eine muslimische demokratische Hinterbänklerin, die als Mädchen mit ihrer Familie aus Somalia flüchtete und mit gerade 36 Jahren in das US-Abgeordnetenhaus gewählt wurde, zum Staatsfeind und rät ihr, dorthin zurückzukehren, wo sie hergekommen ist.

Sein Rassismus ist nicht neu

„Werft sie raus!“, skandieren Trumps Fans, so, wie sie im Wahlkampf 2016 „Sperrt sie weg!“ grölten, wenn der Name Hillary Clinton fiel. Reagan würde seine Partei nicht wiedererkennen. Allerdings sollte man sich von der Person Trump lösen, um Erklärungen dafür zu finden, was da in Amerika gerade geschieht.

Es ist nicht überraschend, dass Trump rassistische Sprüche klopft. Wer seine Karriere verfolgt hat, weiß, dass Rassismus Teil seiner Marke ist. Überraschend ist, wie erfolgreich er das völkische Denken der europäischen Rechten nach Amerika verpflanzt.

Amerikas Mythen wurzeln, anders als die der Nationalstaaten Europas, nicht in Blut und Boden, sondern in dem universellen Anspruch der Unabhängigkeitserklärung. Sie verkündet die Gleichheit der Menschen und „unveräußerliche Rechte“ wie „Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“.

Natürlich darf man Mythen nicht mit der Realität verwechseln. Für die Ureinwohner galten die angeblich unveräußerlichen Rechte nicht, für die Sklaven schon gar nicht. Und selbst nach Abschaffung der Sklaverei herrschte im Süden der USA noch ein System der Apartheid.

Das alte Gift kriecht zurück

Doch während der Rassismus in der Zeit nach der Bürgerrechtsbewegung mühsam zurückgedrängt wurde und die USA sich der Welt als zunehmend tolerantes, weltoffenes Land präsentieren konnten, kriecht das alte Gift heute zurück in die Mitte der Gesellschaft.

Legitimiert durch die Tiraden des Präsidenten. Warum diese Regression? Warum ist ein großer Teil der US-Wählerschaft für Trumps Rassismus so empfänglich? Trump ist nicht die Antwort, er ist bloß ein Symptom. Viele Amerikaner haben den Glauben an eine bessere Zukunft verloren.

Abstiegsängste haben vor allem das weiße Amerika gepackt. Reagans „sonniger Optimismus“ ist keine Erfolgsformel in diesen Zeiten der Verunsicherung, da ökonomische und politisch-kulturelle Entwicklungen etablierte Machtstrukturen aufbrechen.

Amerika erlebt eine Transformation, die in zehn bis 20 Jahren ihren Höhepunkt erreichen wird. China wird die USA als größte Wirtschaftsnation der Welt ablösen. Zugleich bricht eine multiethnische Gesellschaft die Vorherrschaft der weißen Männer.

Minderheiten werden die neue Mehrheit. Es ist also ein doppelter Verlust für jene, die bisher vom Leben Besseres gewohnt waren: Amerika büßt seine unangefochtene internationale Vormachtstellung ein, der „unipolare Moment“ der Weltgeschichte verstreicht.

Zugleich erodiert die gesellschaftliche Dominanz der weißen Männer. Es ist kein Zufall, dass Trumps politischer Aufstieg in der Amtszeit von Barack Obama begann, dem ersten schwarzen Präsidenten. Trump kann weder den Aufstieg Chinas aufhalten noch den sozialen Wandel stoppen.

Aber er schenkt seinen Wählern das Gefühl, dass er sich mit aller Macht gegen alles stemmt, was ihnen nicht geheuer ist. „Keep America great“ lautet Trumps neuer Wahlkampfslogan – Bewahrung ist das Ziel, nicht Gestaltung.

Der Präsident weiß genau, was er zu tun hat: Ängste schüren, um die weiße Wählerschaft für die angeblich alles entscheidende Abwehrschlacht zu mobilisieren. Darum die Mauer an der Grenze zu Mexiko, darum die Gitterkäfige für Einwandererkinder, darum die Angriffe auf Hinterbänklerinnen, darum Spaltung und Rassismus.

Amerikas Herz verengt sich – und damit der Anspruch vieler Amerikaner an ihr Land. Darin liegt, trotz anhaltend schlechter Umfragewerte, Trumps Chance auf seine Wiederwahl.

Mehr: Sie sollen „das Land verlassen“ und dahingehen wo sie herkommen. Mit diesen und weiteren Aussagen handelte sich US-Präsident Trump einmal mehr den Vorwurf ein, Rassismus zu verbreiten.

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3 Kommentare zu "Kommentar : Donald Trump importiert das völkische Denken aus Europa in die USA"

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  • Trump hat seinen Goebbels gut verinnerlicht.

  • Vielleicht sollten die Trump's auch wieder in ihre Ursprungsländer zurückkehren.

  • Das völkische Denken war sicherlich vorher auch schon da, genau wie bei uns. Herr Trump liebt nicht das Land, sondern nur Geld. Da gibt es in den USA immer noch eine Reihe von Superreichen wie Bill Gates uvm. Die sind wirklich reich. Was Trump will, ist ihm wahrscheinlich selbst nicht genau klar.

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