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Kommentar Donald Trump macht viel Lärm, hat aber wenig Erfolg

Viele Knalleffekte und wenige Resultate: Der US-Präsident schädigt mit seiner Politik nicht nur die Beziehung zu Verbündeten, er schadet auch seiner eigenen Nation.
2 Kommentare
Kommentar: US-Präsident Donald Trump schadet den USA Quelle: AFP
Donald Trump

Der US-Präsident wechselt des Öfteren seine Strategie gegenüber seinen Partnern.

(Foto: AFP)

Donald Trump trifft häufig einen Nerv. Lässt man Hetze und Wutausbrüche für einen Moment beiseite, wird nachvollziehbar, warum viele seiner Anhänger ihm nach wie vor zujubeln und ihn für den richtigen Präsidenten halten. Denn Trump hat das Talent, komplizierte Zusammenhänge so herunterzubrechen, dass viele Menschen sie verstehen – auch und gerade, wenn es um US-Außenpolitik geht.

Tatsächlich hätte Trump als Quereinsteiger eine Chance gehabt, einige Fehler der amerikanischen Weltpolitik zu korrigieren. Er hätte sich zu Recht auf die Ineffizienz multilateraler Organisationen und Gipfeltreffen konzentrieren können, die zu häufig Kommuniqués für die Schublade produzieren.

Er hätte Verbündete gewinnen können, gemeinsam mit den USA ein Gegengewicht zur Supermacht China aufzubauen. Vielleicht wäre sogar eine neue Nahost-Politik drin gewesen. Doch all das hätte vorausgesetzt, dass Trump wenigstens ab und zu auf den Rat erfahrener Berater gehört hätte, anstatt impulsiv einen Partner nach dem anderen zu brüskieren.

Jetzt, im dritten Jahr seiner Amtszeit, ist die Liste seiner außenpolitischen Erfolge denkbar kurz. Seine Regierung hat viele Knalleffekte und wenige Resultate produziert. Wenn er auf Kundgebungen gegen die Europäische Union zürnt und transatlantische Partner als Schmarotzer brandmarkt, mag das seine Fans bei Laune halten. Schlau ist es nicht.

Die USA brauchen die EU auf vielen Ebenen, als Handelspartner, in der Verteidigung, im Umgang mit Russland und China. Im dritten Jahr der Präsidentschaft Trumps fragt man sich, was die Strafzölle aus Washington, was die Tiraden über europäische Flüchtlingspolitik gebracht haben sollen.

Sicher wird über einige, besonders für Deutschland unangenehme Themen wie etwa die Nord-Stream-2-Pipeline oder den zu geringen Beitrag einzelner Staaten zur Verteidigungsallianz inzwischen ehrlicher gestritten, was begrüßenswert ist. Ansonsten aber bleibt unter dem Strich kaum Positives.

Trump bringt Freunde gegen sich auf

Trump hat die Beziehungen zu seinen wichtigen Verbündeten beschädigt, ohne nennenswerte Vorteile für die USA herauszuholen. Der Handel ist das beste Beispiel: So ist das US-Handelsdefizit mit der EU gestiegen – trotz der Strafzölle, die Importe aus Europa eigentlich drosseln sollten.

Trump bringt mit seinem Protektionismus auch andere Freunde wie Südkorea, Japan, Australien, Kanada und Mexiko gegen sich auf, anstatt ihre Loyalität für sich zu nutzen. Ständig verkämpft er sich im Handelskrieg an neuen Fronten. Ein Abkommen mit China rückt in weite Ferne, und die Ratifizierung des Freihandelspakts USMCA gefährdet Trump, indem er Mexiko mit weiteren Strafzöllen droht.

Parallel bringt er damit deutsche Autobauer in Not, deren US-Produktion stark von Zulieferern aus Mexiko abhängt. Vertrauen in den Prozess eines transatlantischen Handelsabkommens schafft das Weiße Haus mit solchen Manövern nicht. Auch sinken dadurch die Chancen für neue Kooperationen im Sicherheitsbereich oder bei der Entwicklung technischer Innovationen.

Trump verspricht, eingefahrene Muster aufzubrechen, doch Alternativen hat er keine parat. Dutzende Ministrategien scheinen nebeneinander herzulaufen, die sich teilweise widersprechen. Indem die USA etwa bei den Vereinten Nationen ihr Engagement zurückfahren, schaffen sie ein Vakuum, das Russland und China nur allzu leicht füllen können.

Kein Plan B beim Iran

Und den Ausstieg aus dem Iran-Abkommen zieht die US-Regierung zwar konsequent über harte Sanktionen durch. Nur einen Plan B, den gibt es bis heute nicht: Teheran sitzt nicht am Verhandlungstisch, die Region ist kein Stück sicherer geworden. Im Gegenteil: Die Zeichen stehen auf Eskalation. Auch Trumps zunächst erfrischender Ansatz, direkt mit Nordkoreas Diktator zu verhandeln, sorgte nur für eine Atempause. US-Geheimdienste sehen keine Hinweise für eine nukleare Abrüstung.

Am gefährlichsten sind die öffentlich zelebrierten Widersprüche aus Washington: donnernde Tweets auf der einen Seite, beschwichtigende Berater auf der anderen – oder umgekehrt. Ein Präsident, der seinen eigenen Geheimdiensten widerspricht und behauptet, Russland habe sich nicht in die US-Wahlen eingemischt, gibt Moskau einen Freibrief, in Zukunft weiter zu manipulieren.

Auch der rasante Durchlauf im Verteidigungs- und Außenministerium muss Feinden der USA signalisieren, dass es im Krisenfall keinen austarierten Entscheidungsprozess, sondern Chaos gibt. Die wenigen Konstanten von Trumps Regierung – wie höhere Verteidigungsausgaben und die Bekämpfung des Terrorismus des Islamischen Staats – machen dieses multiple Versagen nicht wett.

Trump ist mit der Hybris angetreten, er könne alles anders, alles besser machen. Er hat sich grandios überschätzt. Vor seinen Anhängern wird er behaupten, die Schuld liege woanders, im Kongress oder bei anderen Staatschefs. Für seinen Wahlkampf kann das funktionieren. Für den Rest der Welt ist es fatal.

Mehr: Welche Forderungen EU-Handelskommissarin Malmström an die USA stellt.

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2 Kommentare zu "Kommentar: Donald Trump macht viel Lärm, hat aber wenig Erfolg"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrte Fru Meiritz,

    ich stimme Ihnen zu. Dieser Präsident ist ein Rüpel, hat riesige charakterliche Defekte und für sein "America first" fast nichts erreicht.

    Aber leider reichen solche Feststellungen nicht aus. Wir müssen uns auch fragen, warum solche Monster von mehr als der Hälfte der Amerikaner gewählt werden. Dass Trump ein Populist ist und die Gabe der Verführung von Menschen hat, wurde unzählige Male gesagt. Aber ist das wirklich der Kern seines Erfolges? Ich meine, wir müssen tiefer bohrenund wähle als Beispiel die Globalisierung.

    Blicken wil 30 Jahre zurück. Damals war China ein wirtschaftlich weit zurück gebliebenes Land. Es begann damit, Industrien aufzubauen und in den Welthandel einzutreten. Und amerikanische (und europäische) Konzerne halfen dabei kräftig. Zunächst nur, um die chinesischen Märkte durch Errichtung lokaler Produktionsstätten zu erobern. Dann aber zunehmend, um die chinesischen Kostenvorteile zu nutzen: Die westlichen Konzerne machten das Reich der Mitte zur Werkbank des gesamten Planeten.

    Dabei konnte man 30 Jahre lang zusehen. Zusehen, wie in den USA ein Industriezeig nach dem anderen immer mehr schrunpfte. Täglich besichtigen konnte man auch den ständig wachsenden Rostgürtel still gelegter Fabriken. Und mit den freigesetzten Arbeitern konnte jeder reden, der es wollte.

    Regierungen kamen und Regierungen gingen. Aber für die Not der Menschen interessierte sich keine Regierung. Dass sich bei bei den Leuten deshalb immer mehr eine Wut über das politische Establishment ansammelte, halte ich für verständlich. Das politische Establishment ist für die Zurückgebliebenen und Vergessenen nicht mehr wählbar. Welche Hoffnungen sie in Trump setzten, weiss ich nicht. Aber dass Mindeste ist wohl, dass er ihre Interessen vertritt. Eine Interessenvertretung haben zu wollen, ist legitim.

  • Der letzte Absatz des Kommentars müsste Jede/Jeden aufrütteln!

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