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Kommentar Donald Trumps schmutziges Börsenspiel

Der US-Präsident setzt die Aktienmärkte unter Druck, Fed-Chef Powell beflügelt sie wieder. Damit spannt Trump letztlich die Notenbank für seine Zwecke ein.
Update: 05.06.2019 - 18:26 Uhr 2 Kommentare
USA: Donald Trumps schmutziges Börsenspiel – Kommentar Quelle: Reuters
Donald Trump (l.) und Jerome Powell

Trumps Handelspolitik setzt die Börse unter Druck, und das zwingt im Endeffekt die Fed zu niedrigen Zinsen, die die Kurse wieder stabilisieren.

(Foto: Reuters)

Donald Trump hat zwei Ziele, die sich widersprechen. Auf der einen Seite liebt es der US-Präsident, internationale Konflikte zu starten oder zu schüren. Auf der anderen Seite liebt er steigende Aktienkurse. Aber er weiß sich zu helfen: Weil seine Konflikte die Börse unter Druck setzen, fordert er von der US-Notenbank (Fed) möglichst niedrige Zinsen, um die Wall Street zu unterstützen.

Die Fed ist zwar unabhängig in ihren Entscheidungen und nur stabilen Preisen und niedriger Arbeitslosigkeit verpflichtet. Aber praktisch besehen ist sie relativ stark dem Aktienmarkt verpflichtet, der in den USA eine wesentliche Stütze der Altersvorsorge bildet.

Brechen die Kurse ein, machen die Amerikaner sich Sorgen und konsumieren weniger, was den Arbeitsmarkt schwächt und die Inflation von ihrem Zielwert von rund zwei Prozent abrutschen lässt. Auf diese Weise entsteht eine Wirkungskette: Trumps Handelspolitik setzt die Börse unter Druck, und das zwingt im Endeffekt die Fed zu niedrigen Zinsen, die die Kurse wieder stabilisieren.

Auf diese Weise erreicht der US-Präsident beide Ziele, Stress in der Politik und stabile Kurse, obwohl sie sich zunächst widersprechen. Dieser Mechanismus war in den letzten Tagen zu beobachten, und im Grunde spielt er schon seit Monaten eine Rolle. Fed-Chef Jerome Powell dachte im vergangenen Jahr lange Zeit, er könne die Geldpolitik mit steigenden Zinsen immer weiter normalisieren.

Das ließ die Sorgen ansteigen, die Notenbank werde zu spät auf eine sich abschwächende Konjunktur reagieren. Powell bremste daher Ende 2018 zunächst die Erwartung weiterer Zinserhöhungen. In dieser Woche wurden seine Äußerungen an den Märkten dann sogar als Andeutung künftiger Zinssenkungen aufgefasst. Und das, obwohl die US-Wirtschaft eigentlich noch sehr gut läuft und der Arbeitsmarkt leer gefegt ist.

Trump kann sich auf die Schulter klopfen: Er fordert schon seit Langem Zinssenkungen. Wenn die Fed sie beschließt, wird er sagen: Endlich haben sie es auch kapiert. Ein Genuss für einen Menschen, der ohnehin glaubt, alles besser zu wissen.

Trumps Machtspiele, sein Handelskrieg gegen China, Mexiko und bald auch Europa, setzt die ganze Welt unter Druck. In der Euro-Zone, bei der Europäischen Zentralbank (EZB), redet noch niemand über noch niedrigere Zinsen – schließlich ist der zurzeit ausschlaggebende Satz für Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB schon bei minus 0,4 Prozent.

Aber eine Anhebung der Zinsen scheint in weite Ferne gerückt. Und eine indirekte Unterstützung der Kapitalmärkte durch langfristige Kredite an Banken, zu denen die EZB am Donnerstag Details bekanntgibt, fällt vielleicht etwas großzügiger aus, als bei einem ruhigeren politischen Umfeld zu erwarten wäre. Wobei man hinzufügen muss, dass Europa mit den Problemen in Großbritannien und Italien auch ohne Trump genug eigenen politischen Stress hätte.
Letztlich ist so aber die Geldpolitik weltweit durch die große Politik gefangen. Sie liefert das, was die Regierungen wollen. In den USA sind es vor allem stabile Kapitalmärkte, in Europa hat die EZB ja schon lange de facto die Aufgabe, die Euro-Zone stabil zu halten. Dass sich die Notenbanker nicht stärker dagegen wehren, hat einen guten Grund: Bisher widerspricht diese Inanspruchnahme nicht ihrem Mandat.

Die Fed hat es geschafft, die Inflation auf rund zwei Prozent einzustellen und die Arbeitslosigkeit immer weiter zu drücken. Die EZB kämpft immer noch gegen eine zu niedrige Inflation. Die Arbeitslosigkeit, die bei der EZB nicht zu ihrem offiziellen Mandat gehört, ist in einigen Euro-Ländern immer noch zu hoch. Aber beide Werte bewegen sich in die richtige Richtung.

Die Situation heute unterscheidet sich grundlegend von der in früheren Jahrzehnten. Wenn die Inflation tendenziell zu hoch ist, gibt es oft einen direkten Widerspruch zwischen Interessen ausgabefreudiger Politiker und disziplinierter Notenbank. Bei tendenziell zu niedriger Inflation, wie zurzeit, haben dagegen Politik und Geldpolitik zunächst eine ähnliche Zielrichtung.

Die Gefahr ist, dass die Politik den Notenbanken zu viel aufbürdet. In Europa ist die EZB offensichtlich überfordert mit der Aufgabe, die Währungszone zusammenzuhalten, wenn eine einzelne Regierung wie in Italien immer wieder bewusst die Konstruktion des Euro-Raums infrage stellt. Weil zugleich die Regierungen in Berlin und Paris geschwächt sind, entsteht hier ein Vakuum, das sich nicht mit großzügiger Geldpolitik auffüllen lässt.

Aber auch in den USA kann es passieren, dass die Fed dadurch der Nullzins-Linie so nahekommt, dass sie bei einer schweren Krise zu wenig Spielraum hat gegenzusteuern. Insgesamt besteht auf beiden Seiten des Atlantiks auch das Risiko, dass eine zu vorsorgliche Geldpolitik den wirtschaftlichen Aufschwung immer weiter verlängert und damit das Risiko eines späteren um so größeren Rückschlags kreiert. Einen Kapitalismus ohne Krisen wird es nie geben. Umso wichtiger, dass im Ernstfall die Geldpolitiker noch reagieren können.

Mehr: Die chinesische Regierung beteuert immer wieder, dass sie keinen Handelskrieg wolle. Lesen Sie hier, warum sich die Fronten in Peking dennoch nicht nur gegenüber den USA verhärten.

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2 Kommentare zu "Kommentar: Donald Trumps schmutziges Börsenspiel"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Amerikaner sind die größte Aktien Nation der Welt. Da macht es schon Sinn, dass Donald Trump die Aktienkurse beeinflusst. Die Deutschen haben nur 15% der Anteile an deutschen Dax-Unternehmen.

  • Würde mich nicht wunderm, wenn irgendwann herauskommt, dass sich der eine oder andere mit den Tweets eine goldene Nase verdient hat.

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