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Kommentar Doppelkarrieren haben es noch zu schwer

Unternehmen achten im Personalmanagement zu wenig auf Paare mit Kindern. Das ist eine Vergeudung von Talenten.
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In vielen Unternehmen ist es nach wie vor schwierig, Familie und Karriere flexibel zu vereinen. Quelle: picture alliance / Westend61
Homeoffice und Kinderbetreuung

In vielen Unternehmen ist es nach wie vor schwierig, Familie und Karriere flexibel zu vereinen.

(Foto: picture alliance / Westend61)

Bei Siemens in Berlin spricht heute Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor Wirtschaftsvertretern über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und, so viel kann man schon verraten: Zu feiern gibt es wenig. Anlass des Events, auf dem die Ministerin spricht, ist der jüngste Report der „Initiative Chefsache“, eines Netzwerks von 25 Unternehmen und Organisationen, das sich für mehr Chancengleichheit einsetzt. Ein Blick in den Report zeichnet ein ernüchterndes Bild. So empfinden es laut der Initiative noch immer 63 Prozent aller Führungskräfte mit Kind als schwierig, gemeinsam Karriere zu machen.

Unter kinderlosen Paaren sehen das hierzulande nur neun Prozent so. In Unternehmen muss angesichts solcher Zahlen ein Umdenken einsetzen. Hier ein paar Kita-Plätze, da ein Tag im Homeoffice – das hilft, klar, reicht aber nicht, um Topleute mit Kindern wirklich anzulocken. Noch immer ist in Deutschland das traditionelle Modell üblich: Vater arbeitet Vollzeit, Mutter Teilzeit. Doch vor allem am oberen Ende der Qualifikationsskala gibt es viele Familien, in denen kein Elternteil auf Karriere verzichten möchte. Angesichts von knappen Fachkräften ist das auch gut so.

Gleichzeitig scheint das Talentmanagement vieler Unternehmen in den Tiefen der Achtzigerjahre stehen geblieben zu sein. Warum sonst gilt es noch immer als Orchideenlösung, dass eine Führungskraft ein Team per Video von einem anderen Ort führt, weil ein Umzug aus Rücksicht auf Partner und Kinder gerade nicht infrage kommt? Und warum fragen Firmen bei einem Jobangebot in einer anderen Stadt oder einem anderen Land nur selten danach, wie der Partner karrieretechnisch am neuen Standort unterkommt?

Konzerne, aber auch Mittelständler täten im eigenen Interesse gut daran, die Förderung von Doppelkarrieren selbst voranzutreiben. Denn oft sind die Partner von Toptalenten ähnlich gut ausgebildet und versiert wie die gefragte Fachkraft, hinter der ein Arbeitgeber eigentlich her ist. Wie es besser geht, zeigt ausgerechnet der sonst als behäbig geltende öffentliche Dienst. So ist es bei Professur-Neubesetzungen gang und gäbe, auch dem Partner ein lukratives Angebot zu machen.

Viele Universitäten haben dafür sogar spezielle Dual-Career-Servicestellen eingerichtet, die Doppelkarrieren für talentierte Paare ermöglichen. Ein Zusammenschluss um den Chemieriesen BASF plant eine ähnliche Plattform, in der firmenübergreifend Vakanzen gelistet werden. Man kann nur hoffen, dass sich viele Unternehmen solchen Beispielen anschließen – und damit endlich in der Gegenwart ankommen.

Mehr: Wie Paare gemeinsam Karriere machen

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