Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Drei Lehren aus Ubers Börsengang-Debakel

Die gefloppten Börsengänge von Lyft und Uber schaden auch den anderen Start-ups, die noch an die Börse wollen. Sie sollten ihre Bewertungen senken.
Kommentieren
Ubers Börsengang war historisch – noch nie fuhr ein Unternehmen auf dem Papier so hohe Verluste ein. Quelle: Reuters
Das Logo von Uber dominiert an der New Yorker Börse

Ubers Börsengang war historisch – noch nie fuhr ein Unternehmen auf dem Papier so hohe Verluste ein.

(Foto: Reuters)

Das Debüt an der Wall Street sollte für die milliardenschweren Start-ups aus dem Silicon Valley eigentlich der Höhepunkt sein. Nach jahrelanger harter Arbeit und rapidem Wachstum sollten sie mit deutlichen Kursgewinnen gefeiert und in ihrer Mission als Aufmischer des alten Systems bestätigt werden.

Doch die Wall-Street-Bilanz der Einhörner, wie die Start-ups mit mehr als einer Milliarde Dollar Bewertung genannt werden, ist bestenfalls gemischt. Für die Fahrdienste Lyft und Uber ist sie verheerend. Der einzige Star bislang ist ein Unternehmen, das niemand auf dem Schirm hatte: der Videodienst Zoom.

Die Aktie stieg seit dem Börsengang Mitte April um rund 30 Prozent. Zooms großer Vorteil: Das Unternehmen macht Gewinne. Uber und Lyft dagegen, lange Zeit die großen Stars im Silicon Valley, stehen nun als die großen Verlierer da. Sicher, es ist zu früh, um ein abschließendes Urteil zu fällen. Doch der erste Eindruck ist an der Wall Street durchaus wichtig.

Die Lyft-Aktie hat seit dem Börsenstart Ende März fast ein Drittel an Wert verloren. Uber ging als Börsengang mit den auf dem Papier höchsten Verlusten in die Historie ein. Das wird seine Schatten auch auf andere Start-ups werfen, die in diesem Jahr noch an die Börse wollen. Geplant war das so nicht. Die Unternehmen und ihre Geldgeber, aber auch die Wall Street sollten daher vor allem drei Lehren aus dem Debakel ziehen

1. Die Bewertungen sind zu hoch

Nie war es so leicht für Start-ups, privates Kapital einzusammeln. Risikokapitalfonds sind in den vergangenen Jahren so groß geworden wie nie zuvor. Hinzu kommt der 100 Milliarden Dollar schwere Vision Fund von Softbank, der unter anderem auch in Uber investiert ist. Und nie, so scheint es, wurden so wenige Fragen ans Geschäftsmodell gestellt.

Schnelles Wachstum war alles, was die Investoren sehen wollten. Mit der Zahl der Nutzer wuchs die Bewertung praktisch ungebremst. Uber war 2011 noch 60 Millionen Dollar wert, im vergangenen August waren es 76 Milliarden Dollar. „Blitzscaling“ lautete das Zauberwort.

Zuerst muss ein Unternehmen möglichst schnell Größe und Marktmacht erlangen, koste es, was es wolle. Die Gewinne werden später schon folgen. Das kann funktionieren, allerdings nur, wenn es die Unternehmen nach dem Hyperwachstum schaffen, ein profitables Geschäftsmodell vorzuweisen. Bei Amazon, Google und Facebook ist das gelungen. Von diesen Erfolgen waren die Investoren offenbar geblendet.

2. Die Wall Street muss ein Korrektiv sein

Auf dem Weg der Start-ups an die Börse kam den Investmentbanken eine wichtige Mittlerrolle zu. Sie hätten schon vor Jahren kritische Fragen stellen und die Bewertungen anzweifeln und die Erwartungen senken müssen. Stattdessen haben sie dabei geholfen, die Bewertungen weiter in die Höhe zu treiben.

Sie waren überzeugt, Uber könnte an der Börse gar 120 Milliarden Dollar wert sein. Zu groß war das Risiko, als kurzsichtiger Bedenkenträger dazustehen, falls die Aktien an der Börse in die Höhe schießen würden. Gerade Morgan Stanley, Ubers führende Investmentbank, trägt dafür nun die Konsequenzen.

Den anderen Start-ups, die in den kommenden Wochen und Monaten an die Börse wollen, sollte das zu denken geben, allen voran WeWork. Der Co-Working-Spezialist machte im vergangenen Jahr mehr Verluste als Umsatz. Derzeit wird das Unternehmen mit 47 Milliarden Dollar bewertet und könnte damit nach Uber der zweitgrößte Börsengang in diesem Jahr werden.

Die Start-ups aus dem Silicon Valley müssen jedoch erkennen, dass Investoren und Analysten ihre Zahlen heute deutlich kritischer anschauen, als es die Risikokapitalgeber in den vergangenen Jahren getan haben. Sie stören sich nicht nur an den Verlusten.

Die Phase des schnellen Wachstums haben viele bereits hinter sich, bevor sie an die Wall Street kommen. Das macht die Einhörner gerade jetzt, in einer späten Phase der Konjunktur, besonders riskant. Die Wall Street sollte daher dringend die Bewertungen senken, damit künftige Börsengänge nicht wieder floppen.

3. Das endgültige Urteil steht noch aus

Ein paar Wochen an der Börse sind längst nicht genug, um sich ein umfassendes Urteil zu bilden. Richtig ist, dass gerade Uber schlicht Pech hatte. Der verpatzte Börsengang von Lyft drückte auf die Stimmung. Zudem heizte US-Präsident Trump mit seinem verschärften Handelskrieg vergangene Woche die Sorgen der Aktionäre zusätzlich an.

Das konnte niemand vorhersehen. Uber, Lyft, Pinterest, WeWork und viele andere haben Beachtliches geleistet. Sie sind in kurzer Zeit zu internationalen Unternehmen mit Milliardenumsätzen aufgestiegen. Und sie haben mit ihren Plattformen und Technologien einen wertvollen Datenschatz angesammelt, um den sich viele traditionelle Unternehmen reißen würden. Auch Amazon und Facebook waren nicht sofort die großen Börsenstars. Der Erfolg der Einhörner an der Wall Street ist daher zwar nicht garantiert, aber auch trotz Fehlstarts keinesfalls ausgeschlossen.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Drei Lehren aus Ubers Börsengang-Debakel

0 Kommentare zu "Kommentar: Drei Lehren aus Ubers Börsengang-Debakel"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote