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Kommentar Durch den Syrienkrieg gerät unsere Welt aus den Fugen

Der Konflikt in Syrien dauert länger als der Zweite Weltkrieg. Ein Ende ist nicht in Sicht – weil die Welt eine andere geworden ist.
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Der syrische Bürgerkrieg geht an diesem Wochenende ins neunte Jahr. Quelle: AP
Syrien-Krieg

Der syrische Bürgerkrieg geht an diesem Wochenende ins neunte Jahr.

(Foto: AP)

Es begann mit einem Kinderstreich. Am 15. März 2011 gingen in der syrischen Kleinstadt Dar’a die Eltern mehrerer Jugendlicher auf die Straße. Zuvor hatten ihre Söhne mit Graffitispray die Parole „Nieder mit Assad!“ an eine Hauswand gesprüht. Ein Lehrer machte die Jugendlichen ausfindig, informierte die Polizei. Die nahm sie fest und folterte die Jungen.

Acht Jahre später sterben in Idlib täglich Menschen, weil Terrorgruppen die Kontrolle übernommen haben, Russland dem syrischen Regime den Weg freibomben will, die Türkei um die Sicherheit an ihrer Grenze zu Syrien bangt und der Westen auf diplomatischem Weg nach einer Lösung sucht. Ist das noch absurd – oder eigentlich schon unvorstellbar?

Der syrische Bürgerkrieg geht an diesem Wochenende ins neunte Jahr. Frieden ist nicht in Sicht. Das liegt vor allem daran, dass sich die Welt geändert hat. Einst unbedeutende Länder reden auf einmal mit und wollen ihren Einfluss geltend machen. Die Zahl der globalen Konflikte wird zunehmen. Deutschland wird davon betroffen sein, meistens indirekt wie durch die Flüchtlingskrise.

Wir haben uns in Deutschland längst daran gewöhnt, dass in Syrien nun seit genau acht Jahren ein fürchterlicher Krieg tobt. Woran wir uns noch gewöhnen müssen: dass Länder wie der Iran, Rebellengruppen wie die libanesische Hisbollah und religiöse Stiftungen aus dem arabischen Raum in der Lage sind, die ganze Weltgemeinschaft in Schach zu halten.

Dass sie eine Flüchtlingskrise verursachen, die in Deutschland und Europa nachhaltig die politische Landschaft verändert hat. Und dass dann auch noch ein Land wie Ungarn – ein EU-Mitglied – eigene Entscheidungen trifft, die vielen anderen EU-Staaten nicht passen.

Das wird so weitergehen. Russland hat in der Ukraine längst Fakten geschaffen, bevor die Welt in den Konflikt eingreifen konnte. Kürzlich hätte sich an einem überspringenden Funken beinahe ein Krieg zwischen Pakistan und Indien entzündet. In Venezuela könnte der andauernde Konflikt in den kommenden Monaten eine Flüchtlingswelle in Gang setzen.

Und immer noch suchen viele Menschen aus Afrika eine Zukunft in Europa, obwohl China in Afrika Milliarden investiert – oder gerade deswegen.

Man kann den seit dem Jahr 2011 regierenden Koalitionen in Berlin kaum vorwerfen, an entscheidender Stelle grobe Fehler begangen zu haben. Fakt ist aber auch, dass die Konfliktherde der Welt nach neuen Antworten suchen. Das muss nicht immer „Mehr Europa!“ sein, kann es aber.

Wegducken geht jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Je früher der Westen eingreift, desto besser – und umso geringer dürfte der Schaden für uns selbst ausfallen.

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