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Kommentar Egotrips in der Führungsriege wirken fatal auf Unternehmen

Thyssen-Krupp, Credit Suisse, Deutsche Bahn, Heidelberger Druck: Führungsstreits blockieren Unternehmen. Gerade in Zeiten des digitalen Umbruchs ist das brandgefährlich.
19.02.2020 - 14:17 Uhr Kommentieren
Es fehlt Geld, nur der Verkauf von wichtigen großen Unternehmenseinheiten kann und soll jetzt die Rettung bringen. Quelle: dpa
Hochofen von Thyssen-Krupp in Duisburg

Es fehlt Geld, nur der Verkauf von wichtigen großen Unternehmenseinheiten kann und soll jetzt die Rettung bringen.

(Foto: dpa)

Unternehmen in Europa leisten sich einen äußerst fragwürdigen Luxus: den Kampf der Alphatiere in den Führungsetagen. Die Liste der Namen ist lang und prominent: Thyssen-Krupp, Credit Suisse, Deutsche Bahn oder Heidelberger Druckmaschinen. In all diesen „Firmen“ tobte über Monate und manchmal sogar Jahre eine Auseinandersetzung zwischen den Akteuren. Mal innerhalb des Vorstands oder Aufsichtsrats, mal zwischen den beiden Gremien.

Die Folgen sind verheerend. Thyssen-Krupp etwa ist nicht nur, aber auch deshalb nur noch ein Schatten seiner selbst. Es fehlt Geld, nur der Verkauf von wichtigen großen Unternehmenseinheiten kann und soll jetzt die Rettung bringen.

Ein ähnliches Bild bietet sich in Heidelberg beim gleichnamigen Maschinenbauer. Der Marktführer für Bogendruckmaschinen muss hektisch die Bilanz richten. Rettende Investoren werden gesucht. Es ist einfach nur traurig, ansehen zu müssen, wie sich diese Industrie-Ikonen selbst ihrer Zukunft berauben, weil sich die Topmanager bekämpfen, statt an einem Strang zu ziehen.

Wenig besser ist die Situation bei der Deutschen Bahn. Der Streit zwischen Bahn-Chef Richard Lutz und dem mittlerweile ausgeschiedenen Finanzchef Alexander Doll hat dazu geführt, dass der geplante Verkauf der Tochter Arriva zur endlosen Geschichte geworden ist.

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    Dabei sollte der Verkaufserlös mit dazu beitragen, die Ertüchtigung der Bahn für die Zukunft zu finanzieren. Diese Aufgabe ist gewaltig, soll die Bahn doch ein entscheidender Hebel für eine erfolgreiche Verkehrswende sein. Das erfordert die volle Konzentration des Managements.

    Bei Credit Suisse wiederum hat der monatelange Machtkampf zwischen dem kürzlich ausgeschiedenen CEO Tidjane Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner zu einem Aderlass im Management und einem erheblichen Imageschaden geführt. Selbst Spionagevorwürfe standen im Raum.

    Die Gründe für diese Auseinandersetzungen sind natürlich in der Mischung aus übertriebenem Ego und einer großen Hybris der handelnden Personen zu suchen. Doch auch der enorme Druck, sich wandeln zu müssen, dürfte ein treibender Faktor sein.

    Gerade die Digitalisierung forciert Auseinandersetzungen im Topmanagement. Weil sie für viele so schwer zu fassen ist, haben sich Unternehmen Unterstützung ins Management geholt. Die Digital Officers schauen ganz anders auf das Geschäft, und das sollen sie auch tun. Sie wollen den raschen Wandel, weil sie wissen, wie schnell die Welt draußen mittlerweile tickt.

    Die Tempomacher fordern aber Widerstand heraus. Die etablierten Kräfte in Vorstand oder Aufsichtsrat kommen nicht mit. Sie verstehen vieles nicht, fürchten um ihre Pfründe. Und sie fühlen sich in ihrer Meinung häufig bestätigt. Denn das bisherige Kerngeschäft funktioniert ja noch halbwegs.

    Kein Platz für das Ausleben von Eitelkeiten

    Erneuerer und Bewahrer prallen heftig aufeinander. Je länger so ein Konflikt an der Spitze dauert, desto tiefer gräbt er sich in das Unternehmen. Jeder Mitarbeiter fühlt sich in erster Linie seinem Vorgesetzten verpflichtet. Das fördert die Lagerbildung in der gesamten Organisation. Gleichzeitig bekommen jene Mitarbeiter, die weiter entfernt von der Zentrale sind, mit, dass die Richtung unklar ist, in die sie marschieren sollen. Also machen sie weiter wie zuvor, denn da wissen sie wenigstens, wie das funktioniert.

    Eine gefährliche Situation. Nicht nur Kunden werden den Schlingerkurs des Unternehmens früher oder später mitbekommen und sich vielleicht umorientieren. Auch notwendige Antworten auf die digitalen Herausforderungen bleiben aus. Dabei erfordert gerade dieser enorme Wandel eine klar kommunizierte Strategie.

    Sich darauf zu verlassen, dass das bestehende Geschäftsmodell schon noch eine Weile funktionieren wird, ist fatal. Ständig kommen neue Unternehmen, die das Geschäft mit ganz anderen Ideen angehen – vor allem aber ohne eine lange Tradition im Gepäck, die schnell auch zu einer Altlast werden kann. Wer sagt, dass Geld künftig noch über Banken transferiert wird? Wer sagt, dass Inhalte in Zukunft weiter gedruckt werden?

    Sicher ist es schwer, Denkmäler zu stürzen. Vor allem dann, wenn die Fehde zwischen Vorstand und Aufsichtsrat tobt. In solchen Situationen fehlt der Supervisor, der die Lage klären kann. Im Fall von Credit Suisse war es am Ende wohl der Druck der Investoren, dem das Management nachgeben musste. Das funktioniert aber nicht immer.

    Doch es gibt keine Alternative. Das Umfeld, in dem sich Unternehmen bewegen und behaupten müssen, verändert sich immer schneller. Für das Ausleben von Eitelkeiten und die Verteidigung von Burggräben ist einfach kein Platz mehr. Die Kräfte müssen gebündelt werden. Das geht nur, wenn man ganz oben beginnt. Und es geht nur, wenn Führungskräfte ihre Stärke nicht darüber definieren, dass sie vermeintliche Gegner rausdrängen.

    Mehr: Heidelberger Druckmaschinen: Wie sich ein Weltmarktführer selbst zerbröselt.

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