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Kommentar Ein Armutszeugnis für die deutsche Unternehmenswelt

Börsenwerte und Größe sind längst nicht alles, aber die Voraussetzung für die Verwirklichung innovativer Ideen. Doch Deutschland fehlt die notwendige Risikofreude.
30.12.2020 - 11:50 Uhr Kommentieren
In den USA lassen sich weit mehr als in Deutschland Ideen mit dem Kapital mutiger Anleger finanzieren. Quelle: dpa
Bulle und Bär

In den USA lassen sich weit mehr als in Deutschland Ideen mit dem Kapital mutiger Anleger finanzieren.

(Foto: dpa)

Mit SAP stellt Deutschland erstmals nur noch ein Unternehmen unter den 100 wertvollsten Konzernen dieser Welt. Das ist angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung der größten europäischen Volkswirtschaft wenig und ein Armutszeugnis.

Zugegeben, Deutschland hat viele kleine und große, oftmals sehr erfolgreiche Mittelständler. Sie wollen aus guten Gründen nicht an die Börse. Aber dass alle 755 börsennotierten deutschen Unternehmen weniger wert sind als Apple, gibt zu denken.

Börsenwert ist zwar nicht wie Umsatz und Gewinn eine wirkliche Größe, sondern wird spekulativ durch Anleger getrieben. Auch lösten sich Aktienkurse und Börsenwerte in einem Crash in Luft auf, wie wir im März erleben mussten. Damals verschwanden viele Billionen, weil die börsennotierten Unternehmen rund um den Globus gut ein Viertel an Wert verloren. Doch das sind Extremsituationen, die nie von Dauer sind.

Ein (hoher) Börsenwert ist die Voraussetzung für Träume, Erfindungen und Existenzen. Das belegt wohl niemand so eindrucksvoll wie Elon Musk mit Tesla.

Jahrelang beäugten Analysten, Wettbewerber und weite Teile der öffentlichen Meinung den hemdsärmelig hochgezogenen Autobauer kritisch. Je mehr Elektrowagen Tesla produzierte, desto höhere Verluste häuften sich an.

Doch der hohe Börsenwert, für den es lange Zeit keine realen Gegenwerte gab, war von Anfang an die Voraussetzung für die atemberaubende Entwicklung. Tesla finanzierte sich bei Anlegern mit zinsgünstigen Anleihen, die keine Bank gegeben hätte, und durch die Herausgabe neuer Aktien.

In Deutschland fehlt die notwendige Risikofreude

Weil die Altaktien so hoch bewertet waren, bekam Tesla immer wieder viele Milliarden frisches Geld in die leeren Kassen. So finanziert Musk sein Abenteuer, das inzwischen Gewinne abwirft.

Ähnlich verlief die Entwicklung bei Amazon. Gründer Jeff Bezos investierte in Digitalisierung und Marktmacht und vernachlässigte Gewinne und Dividenden. Viele Aktionäre spekulierten auf die Idee und trieben so die Aktie immer höher.

Der Einsatz zahlte sich aus: Amazon verdient in diesem Jahr nach Abzug aller Kosten umgerechnet knapp 15 Milliarden Euro. Das schafft kein deutscher Konzern.

Tesla und Amazon, davor Microsoft, Google, Facebook & Co: Der Sog aus den USA entfacht Kräfte. Mit Biontech und Curevac entschieden sich zwei deutsche Biotechnologiefirmen, die bei der Erforschung von Impfstoffen gegen das Covid-19-Virus ganz vorne mit dabei sind, für den Gang an die amerikanische Nasdaq. Nicht mangelnde Heimatliebe ist die Ursache.

In den USA lassen sich weit mehr als in Deutschland Ideen mit dem Kapital mutiger Anleger finanzieren. Diese Risikofreude fehlt in Deutschland.

Mehr: Das sind die 100 wertvollsten Konzerne der Welt– US-Konzerne dominieren dank Corona.

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