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Kommentar Ein Börsen-Abschied wäre gut für Axel Springer

Beim Medienkonzern Axel Springer zeigt sich ein Konflikt: Gesellschaftliche Verpflichtung gegen Rendite. Was der Börse wichtiger ist, ist klar.
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Was ein unabhängiger Verlag zu Meinungsbildung und Machtkontrolle leistet, drückt sich in keiner Quartalsbilanz aus. Quelle: dpa
Axel Springer

Was ein unabhängiger Verlag zu Meinungsbildung und Machtkontrolle leistet, drückt sich in keiner Quartalsbilanz aus.

(Foto: dpa)

Das Medienunternehmen Axel Springer gehört zum Inventar der Republik. Schon bei flüchtigem Hinsehen aber fällt auf, dass das Haus heute – anders als vor vielen Jahren – nicht mehr vor allem Politik und Gesellschaft bewegt, sondern in Wahrheit eher die Finanzmärkte.

Jetzt muss die börsennotierte Gesellschaft erkennen, dass Finanzinvestoren zwar privat Journalismus schätzen, ihn aber nicht als Renditetreiber in einer vergoldeten digitalen Zukunft sehen.

Die Private-Equity-Firma KKR, die schon einige Firmenabenteuer und Fusionsschlachten hinter sich hat, macht da keine Ausnahme. Das spielt insofern eine Rolle, als KKR nun den freien Springer-Aktionären ein freundliches Kaufangebot macht, um später zusammen mit Großaktionärin Friede Springer sowie CEO Mathias Döpfner das Ganze von der Börse zu holen.

In den Angebotsunterlagen stehen die bemerkenswerten Sätze, dass man die Gruppe rund um die Tageszeitung „Welt“ fortführen wolle, dies jedoch nur „unter der Voraussetzung einer angemessenen Steuerung der jährlichen Ergebnissituation“. Das deutet auf rote Zahlen.

So etwas schreiben Juristen und keine Leitartikler, und doch bringt die Formulierung in all ihrer Sperrigkeit einen Konflikt zum Ausdruck: Rendite gegen Recherche, Ertrag gegen Erkenntnis, Wirtschaftsgut gegen Kulturgut. Oder anders gesagt: Was ein unabhängiger Verlag zu Meinungsbildung und Machtkontrolle leistet, drückt sich in keiner Quartalsbilanz aus.

„Welt“ und „Bild“ bleiben für das Haus Springer unverzichtbar

Die gesellschaftliche Dividende liegt immer um einiges über der finanzökonomischen Dividende. Der legendäre Altverleger Axel Cäsar Springer hat deshalb seinem Haus allgemeinpolitische „Essentials“ (zum Beispiel für ein vereintes Europa, für Freundschaft mit den USA, für Israel) vorangestellt.

Und er hat einen Satz geprägt, den man oft zitieren muss: „Ein Verlag ist kein reines Erwerbsunternehmen wie eine Mantelfabrik oder Großmetzgerei.“ Was dieses Postulat in der neuen Anarchie der Tweets, Blogs und Postings bedeutet, wie Pressefreiheit gelebt werden kann, ist die Hauptfrage für Verlegerwitwe Friede Springer.

Schon der Verkauf des „Hamburger Abendblatts“ vor einigen Jahren, der ersten Blattschöpfung ihres Mannes nach 1945 mit der großen „Seid nett zueinander“-Ethik, war für Presse-Liebhaber eine Zumutung. Für KKR und Co. hingegen war es eine Art Heldentat, eine Befreiung zur Eroberung neuer Ufer.

Jeder aber sollte wissen, dass Online-Marktplätze wie Stepstone oder Immonet wichtig fürs Geldverdienen sind, den Geist der „Essentials“ aber nie erfüllen werden. „Welt“ und „Bild“ bleiben für das Haus Springer unverzichtbar, solange es die eigene Moral ernst nimmt.

In der Investorenwelt ist das: sentimentaler Ballast. Auch deshalb muss Axel Springer rasch weg von der Börse.

Mehr: Springer weist einen Bericht zurück, wonach die Angebote der Marke zur Disposition stehen könnten. Allerdings lässt die Angebotsunterlage Raum für Spekulationen.

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