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Kommentar Ein „europäisches Youtube“ ist nichts weiter als eine Illusion

Politiker und Rundfunkbosse fordern immer wieder ein europäisches Youtube oder Netflix. Die Diskussion zeigt, wie weit zurück wir wirklich sind.
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ARD-Chef Ulrich Wilhelm fordert eine digitale Plattform, die es den Googles und Facebooks endlich mal zeigt. Quelle: dpa
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ARD-Chef Ulrich Wilhelm fordert eine digitale Plattform, die es den Googles und Facebooks endlich mal zeigt.

(Foto: dpa)

Die ARD hat viele Probleme: Macher und Publikum dämmern Hand in Hand Richtung Rentenalter. Überbordende Bürokratie ist in den Anstalten (so nennen sie sich ja auch selbst) lebendig wie eh und je. Der Parteienproporz in den Führungsgremien ist niemandem mehr erklärbar, aber mancherorts das dynamischste Gestaltungsprinzip. Und die Akzeptanz in der Bevölkerung lässt nicht nur wegen immer wieder aufflackernder Gebühren-Debatten zu wünschen übrig.

Da ist es also durchaus richtig und wichtig, wenn der aktuell amtierende ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm sich bisweilen um die ganz großen Themen kümmert. Leider verhebt er sich dabei völlig.

Via Handelsblatt-Interview hat er gerade „ein Youtube für Europa“ angeregt, also eine digitale Plattform, die es den Googles und Facebooks endlich mal zeigt. Das Problem daran ist nicht der Wunsch an sich: Man kann und darf auch von Weltfrieden träumen oder Freibier für alle. Das Problem ist der Geist, dem dieser Wunsch entspringt. Und dieser Geist sagt: Politik, mach mal! Der Bürger/Kunde muss erzogen werden.

Wilhelm stellt sich einen „runden Tisch“ vor, an dem alle irgendwie infrage kommenden Akteure „unter Moderation der Politik“ säßen. Das ist so ziemlich der allerletzte Weg, der Erfolg verspricht in einer Republik, die allein zum Thema Digitalisierung längst vollgemüllt ist mit Gremien, runden Tischen, Konferenzen und Gipfeltreffen – aber nicht vorankommt.

Wer runde Tische sinnvoll findet, glaubt auch an die Sexiness von TV-Gebühren oder die Zahnfee und versteht noch immer nicht, dass Google und andere eben deshalb heute so riesig sind, weil sie sich – mit teils brachialem Willen – an den Interessen von uns Konsumenten orientiert haben.

So wurde übrigens auch aus einem krümeligen DVD-Versand innerhalb weniger Jahre der globale Streaming-Gigant Netflix, der dieses Jahr knapp sieben Milliarden Euro in neue Serien investieren will. Fast so viel, wie ARD, ZDF und Deutschlandfunk zusammen an Gebühren bekommen.

Und Netflix verdient sich sein Geld selbst. Für einen wie Wilhelm muss das hart sein, bleibt aber leider Realität, wenngleich der Mann mit seinem Irrlichtern nicht allein ist: Emmanuel Macron zum Beispiel wünscht sich ein „europäisches Netflix“.

Insofern kann man nur vorschlagen: Liebe ARD, bitte kümmere dich um deinen eigentlichen Auftrag – die Grundversorgung der Bevölkerung mit validen Informationen! Du machst das ja schon ganz gut. Und das ist in Zeiten von Fake News, Hatespeech und Manipulatoren aller Art wichtiger denn je, denn da hat sogar Wilhelm recht: Da haben Märkte versagt. Und da ist durchaus noch Platz für eine eigene Plattform. Aber über deren Erfolg entscheiden wir Kunden, keine runden Tische.

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