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Kommentar Ein funktionierender Immobilienmarkt braucht ein attraktives Umland

Großstädte ächzen unter einer extremen Wohnungsnot. Wenn wir den Markt tatsächlich entlasten wollen, müssen wir das Umland und ländliche Regionen aufwerten.
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In den Großstädten steigen die Preise für Immobilien kontinuierlich. Quelle: dpa
Hamburger Stadtteil St. Georg an der Alstertwiete

In den Großstädten steigen die Preise für Immobilien kontinuierlich.

(Foto: dpa)

Am Wohnungsmarkt geht es zu wie beim „Dinner for One“: Same procedure as every year. Miss Sophie, die Immobilienbranche, freut sich über jeden Toast, während dem Butler James, der für Wohnungssuchende steht, mit jeder Runde an Preissteigerungen schwummriger wird.

Seit zehn Jahren geht das schon so. Doch der Trend, dass es die Menschen immer weiter an die Stadtränder zieht, zeigt: Ewig kann es so nicht weitergehen. Wir brauchen ein Konzept, das das Umland und den ländlichen Raum attraktiver macht. Nur so können Städte auf Dauer entlastet werden.

Natürlich hilft es, das Angebot zu erweitern. Doch auch mit dem von der Immobilienbranche vorgetragenen Mantra „Bauen, bauen, bauen“ kommen wir nur bedingt weiter. Bauen wird immer teurer, im Mai allein um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Baukosten pro Quadratmeter übersteigen teils schon 3.000 Euro, und zwar ohne hohe Grundstückskosten und Marge für Projektentwickler. Das kann sich nicht jeder leisten.

Die Urbanisierung führt zu immer noch mehr Urbanisierung. Je mehr wir die Attraktivität der Städte loben, ihre Wirtschaftskraft, die kreativen Keimzellen an den Unis einzelner Städte, desto mehr Menschen und Unternehmen zieht es dorthin – aus Angst, die größten Talente oder die besten Karrieremöglichkeiten zu verpassen.

Wenn wir Großstädte dauerhaft entlasten wollen, müssen wir aufs Land schauen. Es geht nicht um Konzepte à la „Unser Dorf soll schöner werden“. Mit Blumenschmuck wird die Landflucht nicht gestoppt. Größere Dörfer müssten hingegen städtischer werden, mit besserer Anbindung und sozialer Infrastruktur von kulturellen Angeboten über den Arzt bis zur Kinderbetreuung.

Ländliches 5G würde Konkurrenz zur Großstadt schaffen

Wann, wenn nicht im digitalen Zeitalter und bei einer nach wie vor guten Konjunkturlage, besteht die Möglichkeit, Jobs in kleinere Großstädte auszulagern oder den Mitarbeitern mehr Homeoffice einzuräumen und so weitere Pendelwege erträglich zu machen? Gute Anbindungen an den Nah- und Fernverkehr sind grundlegend.

Dafür braucht es aber auch gewillte Landes- und Bundespolitiker. Stattdessen werden Chancen verspielt. Wenn ein Unternehmen künftig 5G in ländlicheren Regionen erhielte, würde es zumindest auf dieser Ebene konkurrenzfähig mit Großstadtunternehmen. Doch schon heute ist klar: Flächendeckend wird 5G genauso wenig wie seine Vorgängerstandards.

Nicht jede ausblutende Region lässt sich wiederbeleben. Doch wenn wir nicht versuchen, noch funktionierende Regionen und das Umland der Großstädte besser anzubinden, wird auch der Wohnungsmarkt in den Metropolen nicht entlastet – und den Wohnungssuchenden könnte künftig noch schwummriger werden.

Mehr: Zukunftsatlas 2019: Das sind die deutschen Regionen mit den besten Zukunftsaussichten.

Klicken Sie sich durch: Welche Viertel in Deutschlands Großstädten sind bei Käufern von Häusern und Wohnungen besonders gefragt? Die Analyse „Trendviertel 2019“ zeigt es.

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