Kommentar Ein komplettes Verbot von Internetapotheken passt nicht zur digitalen Welt

Die Apotheker fordern ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten. Spahn sollte ihrem Drängen standhalten.
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Anbieter wie DocMorris dürfen deutschen Kunden beim Kauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten Rabatte einräumen, der Europäische Gerichtshof hat ihnen das erlaubt. Quelle: dpa
Versandhandel

Anbieter wie DocMorris dürfen deutschen Kunden beim Kauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten Rabatte einräumen, der Europäische Gerichtshof hat ihnen das erlaubt.

(Foto: dpa)

Die Konkurrenz durch Onlineapotheken aus dem EU-Ausland ist für die deutsche Apothekerschaft ein Ärgernis. Versandhändler wie DocMorris dürfen deutschen Kunden beim Kauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten Rabatte einräumen, der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat ihnen das erlaubt. Für deutsche Apotheken gelten dagegen einheitliche Festpreise. Ihr Wunsch, diesen Wettbewerbsnachteil zu beseitigen, ist verständlich.

Das Mittel, das die Apotheker vorschlagen, wirkt aber aus der Zeit gefallen: Ein komplettes Verbot des Versandhandels passt nicht in eine Welt, in der digitale Vertriebskanäle Branche um Branche verändern.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sollte dem Drängen der Apotheker nicht nachgeben. Er will der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen endlich zum Durchbruch verhelfen. Mit einem Verbot von Internetapotheken würde er in diesem Punkt jedoch stark an Glaubwürdigkeit verlieren.

Natürlich können auch Vor-Ort-Apotheken eine Onlinepräsenz aufbauen, über das Internet Rezepte annehmen, die Medikamente über Botendienste ausliefern. Die Spitzenvertreter der deutschen Apotheker haben dieses Potenzial endlich erkannt und fördern Projekte in dem Bereich. Das heißt aber nicht, dass unliebsame Konkurrenz vom Markt ausgeschlossen werden sollte.

Wettbewerb erfordert gleiche Rahmenbedingungen. Versandapotheken aus dem EU-Ausland haben die Möglichkeit, Kunden mit Preisnachlässen zu locken. Das benachteiligt nicht nur die Präsenzapotheken in Deutschland, sondern auch die deutschen Medikamenten-Versandhändler. Genau dort sollte Gesundheitsminister Spahn ansetzen: Über eine Reform der Arzneimittelpreisverordnung sollte er allen Marktteilnehmern die Möglichkeit zu Rabatten bei verschreibungspflichtigen Medikamenten einräumen – ohne allerdings die Preise komplett freizugeben.

Eine Ober- und Untergrenze wäre ein geeigneter Weg, um mehr Wettbewerb zu ermöglichen und gleichzeitig sicherzustellen, dass sich Patienten auf stabile Arzneimittelpreise verlassen können. Präsenzapotheken könnten für die Versorgung vor Ort mit Nacht- und Notdiensten mit höheren Zuschlägen vergütet werden.

Die deutschen Apothekerverbände lehnen solche Vorschläge ab. Für sie lässt sich die erwünschte „Gleichpreisigkeit“ nur über ein Verbot der Onlinekonkurrenz wiederherstellen. Dabei nehmen sie in Kauf, am Ende mit leeren Händen dazustehen.

Die rechtlichen Unwägbarkeiten sind groß, der EuGH könnte ein Verbot einkassieren. Beim Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten geht es auch um die Frage, ob Deutschland die Regeln des EU-Binnenmarktes akzeptiert.

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