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Kommentar Ein Mindestlohn für Azubis ist sinnvoll

Es muss schlecht um einen Betrieb stehen, wenn er sich 100 oder 150 Euro zusätzlich für einen Azubi nicht leisten kann. Der Mindestlohn wird die Lehre attraktiver machen.
2 Kommentare
Der Mindestlohn für Lehrlinge soll helfen, die Ausbildungsberufe für junge Menschen attraktiver zu machen. Quelle: dpa
Handwerk sucht Azubis

Der Mindestlohn für Lehrlinge soll helfen, die Ausbildungsberufe für junge Menschen attraktiver zu machen.

(Foto: dpa)

Die deutsche Lehre ist ein unschätzbares Plus für die Wirtschaft. Das leuchtete selbst Donald Trump ein, als es ihm Angela Merkel bei einem Besuch in Washington einst persönlich erklärte. Doch die Lehre ist auch von Erosion bedroht: Duale Berufsausbildung ist nicht so sexy, wie sie sein sollte. Und die allermeisten jungen Leute, die es können – und das werden immer mehr –, studieren lieber.

Also muss die Lehre attraktiver werden. Der neue von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek vorgeschlagene Mindestlohn macht daher absolut Sinn – auch weil er Leitplanken für alle Betriebe gleichermaßen einzieht, also wettbewerbsneutral ist.

Der Einstiegs-Lehrlingslohn soll ab nächstem Jahr 515 Euro betragen und schon bis 2023 auf 620 Euro steigen. Das ist nicht zu viel. Denn es ist Schulabgängern nicht zu verdenken, wenn sie keinen Beruf erlernen wollen, in dem sie als Azubi nicht mal 500 Euro bekommen. Das gilt immerhin für zehn Prozent der Betriebe.

Es muss sehr schlecht um einen Betrieb stehen, wenn er sich 100 oder 150 Euro zusätzlich im Monat für einen Lehrling nicht leisten kann – dann sollte er vielleicht gar nicht ausbilden. Es kann auch nicht sein, dass – in Einzelfällen – Gastronomen den Service oder Werkstätten das Reifenwechsel-Saison-Geschäft überwiegend mit Auszubildenden abwickeln, weil Hilfskräfte viel teurer sind.

Wenn nun die Kundschaft wegen des Azubi-Mindestlohns generell tatsächlich ein bisschen mehr für Kaffee, Brötchen oder Ölwechsel zahlen muss, tut das keinem weh und verteilt sich.

Der Warnruf des Handwerks, der neue Mindestlohn könne die „Ausbildungsbereitschaft“ weiter senken, muss gleichwohl zu denken geben: Doch die Fälle, in denen sich Handwerker mit unwilligen oder von der Schule schlecht ausgebildeten Azubis abmühen oder auch mit solchen, die zwar motiviert sind, aber (noch) kaum Deutsch sprechen, kann man nicht mit einem Mini-Azubilohn als Ausgleich heilen.

Hier braucht es bessere Vorbereitung in den Schulen und mehr Unterstützung für kleine Betriebe, die dennoch die verdienstvolle Aufgabe der Ausbildung schultern.

Generell aber gilt: Der Mindestlohn wird die Lehre attraktiver machen und so stärken. Das ist bitter nötig, denn die große Masse des drohenden Fachkräftemangels betrifft nicht die akademischen, sondern die Ausbildungsberufe.

Das haben die Verbände auch erkannt. Nicht zufällig stammt der Vorschlag für die konkreten Azubi-Mindestlöhne im Gesetzentwurf von den Arbeitgebern und dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Sie hatten auf Bitten der Ministerin einen gemeinsamen Vorschlag vorgelegt, den Karliczek dann übernahm. Das war von allen drei Seiten ein kluger Schachzug.

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2 Kommentare zu "Kommentar: Ein Mindestlohn für Azubis ist sinnvoll"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Teil 2:
    Besprechen Sie mit diesem Mann doch mal ihre Behauptung, ein Mindestlohn wäre sinnvoll.
    Lehrjahre sind nun mal keine Herrenjahre. Azubis erlangen durch die Ausbildung die Möglichkeit, einen Beruf qualifiziert auszuüben, um damit langfristig ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Da ist allein schon die Bezeichnung Mindestlohn irreführend, denn es handelt sich ja um eine Ausbildung, keine Tätigkeit, die entlohnt wird.
    Wenn junge Menschen jedoch den Wert einer Ausbildung gar nicht verstehen (Zitat: Denn es ist Schulabgängern nicht zu verdenken, wenn sie keinen Beruf erlernen wollen, in dem sie als Azubi nicht mal 500 Euro bekommen), dann haben wir ein gesellschaftliches Problem. Einerseits, weil kein Anreiz besteht einer qualifizierten Ausbildung nachzugehen, da ja die staatliche Alimentierung offensichtlich mehr als ausreichend für ein bequemes Leben ist. Andererseits, weil genau hier das bildungsferne Protestpotential entsteht, welches in unqualifizierten Zuwanderern ein Risiko für ihre (ebenfalls unqualifizierten Arbeitsplätze sieht

  • Liebe Frau Gillmann,

    'si tacuisses' möchte man Ihnen raten...aber zu spät. Dann kann nur noch Dieter Nuhr helfen: Wenn man keine Ahnung hat...einfach mal...Fresse halten.

    Reden wir nicht von Bürokratieabbau? Und dann kommt noch die Idee des 'Mindestlohns' für Azubis, der ja 'mit etwas mehr für Brötchen und Ölwechsel' aufgefangen werden kann, wie Sie glauben.

    Lassen Sie mich dazu ein Beispiel bringen, ein Geschäft im Medizinbereich, westdeutsche Großstadt, ausserhalb des Zentrums. Der Besitzer hat es nach Lehre und Studium von seinem Vater übernommen.
    Er ist ausgewiesener Fachmann mit Top-Bewertungen bei Google und Jameda. Nach der 'Gesundheitsreform' 2004 - Streichen von Leistungen für die Patienten bei Erhöhung der Kosten - wurde das Unternehmen zunehmend unrentabler. Alle Sparpotentiale sind gehoben, der Personalstock auf ein Minimum reduziert - für einen Urlaub reicht das Einkommen trotzdem nicht (Dafür hat er einen Zweitjob).
    Zusätzlich kommen die Krankenkassen mit bürokratischen Monstern wie 'Präqualifizierung', die nun regelmäßig durchgeführt werden soll und zusätzlich noch Zeit und Ressourcen kostet.
    Wer aber glaubt, dass die Erstattungssätze für Leistungen angehoben werden der täuscht – es gelten noch die Sätze von 1998. Ist ja auch kaum was teurer geworden inzwischen…
    Die letzten Auszubildenden hat der Mann mit hohem persönlichem Aufwand (Nachhilfe in Mathe und Physik, Werkstattarbeit etc) durch die Gesellenprüfung gepaukt, weil sowohl die Berufs- wie vorher die öffentliche Schule es nicht bringen. Die Anforderungen sind zu hoch, um die Azubis, anders als evtl. in anderen Branchen, als 'billige Arbeitskräfte' zu mißbrauchen.

    -> Weiter in Teil 2

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