Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Ein Rücktritt wäre für Seehofer besser als verjagt zu werden

Seehofer hat den richtigen Zeitpunkt verpasst, sich zurückzuziehen. Für die politische Kultur sind Rücktritte aber wichtig, um Respekt vor Verantwortung zu demonstrieren.
Kommentieren
Bei der Landtagswahl in Bayern verlor seine Partei mehr als zehn Prozentpunkte. Quelle: AP
CSU-Chef Horst Seehofer

Bei der Landtagswahl in Bayern verlor seine Partei mehr als zehn Prozentpunkte.

(Foto: AP)

Was haben der Sportminister und der Cheftrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft gemeinsam? Sie verfolgen beide dieselbe Strategie, um nicht von ihren Ämtern zurücktreten zu müssen.

Der eine hat bei der Fußballweltmeisterschaft mit dem Aus in der Vorrunde eine krachende Klatsche erhalten. Der andere muss in seiner Funktion als CSU-Vorsitzender erklären, warum die Partei unter seiner Führung nicht nur die Alleinherrschaft, sondern auch noch mehr als zehn Prozentpunkte in Bayern verloren hat. Sofortiger Rücktritt? Auf gar keinen Fall!

Verantwortung sieht bei Joachim Löw und Horst Seehofer anders aus. Sie haben sich einer grundlegenden Analyse verschrieben in der Hoffnung, dass Gras über die Sache wächst und möglichen Nachfolgern beim langen Anlauf die Luft ausgeht.

Sie stellen nicht die Frage, ob sie vielleicht nach zwölf Jahren (Löw) oder zehn Jahren (Seehofer) an der Spitze die Veränderungen um sie herum verpasst haben oder ein Umfeld geschaffen haben, in dem entweder sie sich verändern müssen oder die Umwelt sie verändern wird. Die deutlichen Niederlagen jedenfalls sprechen eine klare Sprache: So kann es nicht weitergehen. Aber warum dann mit ihnen?

Löw wie Seehofer bewegen sich innerhalb schwerer Tanker. Da ist der DFB, da ist die CSU. Beide Schiffe vermögen es nicht, schnell und effektiv mit Misserfolgen umzugehen und die nötigen Schlüsse zu ziehen. Umso wichtiger ist es, dass im Sinne einer Verantwortungsethik die handelnden Personen selbst erkennen, wann es Zeit ist zu gehen.

Doch dieses Talent haben die wenigsten. Löw hat den Absprung nach dem Triumph bei der Weltmeisterschaft 2014 verpasst, Seehofer zum Ende seiner triumphalen Rückkehr der CSU zur absoluten Mehrheit. Ganz nebenbei gab es seinerzeit, 2013, innerhalb der CSU längst die Analyse, die Seehofer heute intoniert: Die CSU verliert in den Großstädten, und sie verliert bei den grünen Themen wie Naturschutz und Klimaschutz. Wer war seinerzeit der Parteichef, und wer hätte entsprechend die Partei neu ausrichten können? Es war allen voran Seehofer.

Der 69-jährige Seehofer weiß, dass er vermutlich über das Jahr hinaus nicht mehr Parteivorsitzender sein wird. Er wird jetzt noch einige Wochen versuchen, für Ruhe zu sorgen, damit Markus Söder seine Regierung bildet und Manfred Weber von den europäischen Konservativen zum Spitzenkandidaten für die Europawahl und damit zum möglichen Kommissionspräsidenten bestimmt wird. Vielleicht werden sie ihm das später anrechnen.

Ein Rücktritt aus Respekt vor politischer Verantwortung ist auf jeden Fall der bessere Weg, als verjagt zu werden. Für die verbeulte politische Kultur im Land wäre es auch ein wichtiges Signal.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Ein Rücktritt wäre für Seehofer besser als verjagt zu werden

0 Kommentare zu "Kommentar: Ein Rücktritt wäre für Seehofer besser als verjagt zu werden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.