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Kommentar Eine bessere globale Vernetzung muss die Antwort auf das Coronavirus sein

Die Aufregung um das Coronavirus zeigt die Anfälligkeit unserer global vernetzten Welt. Doch die Globalisierung zurückzudrehen ist keine Alternative.
29.01.2020 - 04:17 Uhr Kommentieren
Medizinische Mitarbeiter scannen in einer Bahnstation in Ostchina die Körpertemperatur der Passagiere. Quelle: ddp images/Costfoto
Ausbruch des Coronavirus

Medizinische Mitarbeiter scannen in einer Bahnstation in Ostchina die Körpertemperatur der Passagiere.

(Foto: ddp images/Costfoto)

Der deutsche Aktienindex fällt, der Preis für Öl ebenfalls, selbst die Notierungen für Palmöl geraten unter Druck. Das Coronavirus in China, Auslöser für eine Lungenkrankheit, hält die Finanzmärkte in Atem. Und nicht nur die. Weltweit wurden Krisenstäbe gebildet, Politiker sind alarmiert, Rückholaktionen für nach China entsandte Bürger werden vorbereitet. Es ist beeindruckend, wie stark eine Krankheit die Welt in Unruhe versetzt.

Es wäre sicher grob fahrlässig, Corona zu unterschätzen. Doch die Fakten sagen, dass das Virus wohl nicht ganz so gefährlich ist wie die Lungenkrankheit Sars. Zwar sind bislang gut 100 Todesopfer zu beklagen, und jeder Verlust eines Menschen wiegt schwer. Doch die aktuelle Zahl von 4500 weltweit erkrankten Bürgern klingt sachlich betrachtet noch nicht nach Katastrophe.

Aber zur Wahrheit gehört auch, dass sich die Krankheit weltweit ausbreitet und mittlerweile auch in Europa und Deutschland angekommen ist. Nun ist eine relativ schnelle Verbreitung per se nichts Neues. Wir kennen es von Sars in den Jahren 2002 und 2003.

Dennoch ist der Fall Corona bemerkenswert. Denn das Virus tauchte erstmals im chinesischen Wuhan auf. Diese Region ist deutlich schlechter angebunden, als es die Provinz Guandong seinerzeit war, von der Sars ausging. Guandong wurde damals von vielen Airlines direkt angesteuert. Von Wuhan dagegen gibt es keine Direktverbindung nach Deutschland, um nur ein Beispiel zu nennen.

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    Dass das Coronavirus dennoch aus dieser relativen Abgeschiedenheit rasch jenseits der Grenzen Chinas auftritt, ist ein Beleg für die starke weltweite Vernetzung. Seit der Sars-Epidemie ist sie rasant gewachsen.

    Viele internationale Firmen unterhalten Tochtergesellschaften in Wuhan. Die Menschen dort sind wie alle Chinesen zunehmend reisefreudiger. Das war 2002/2003 bei Sars noch anders. Da war die chinesische Wirtschaft gerade dabei, richtig hochzulaufen. Es gab auch damals einen regen Austausch mit dem Rest der Welt, aber längst nicht so intensiv wie heute.

    Auch wenn es vielleicht zu früh ist, über die möglichen Folgen von Corona zu spekulieren – es ist wahrscheinlich, dass das Virus massiven Einfluss auf unsere globale Wirtschaftswelt haben wird. Denn mit der rasant gewachsenen Vernetzung der Welt ist auch deren Anfälligkeit gegenüber Krisen gestiegen.

    Die Verflechtungen mit China sind größer geworden

    Ein paar Zahlen machen das eindrucksvoll deutlich. Experten gehen davon aus, dass Sars die chinesische Wirtschaft 2002/2003 rund ein Prozent an Wachstum gekostet hat. 2002 betrug das Bruttoinlandsprodukt von China rund 1,5 Billionen US-Dollar. Für 2020 sagen Forscher einen Wert von 15,3 Billionen US-Dollar vorher.

    Sollte Corona also einen ähnlichen Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt haben wie Sars, wären schon die absoluten Schäden für die chinesische Wirtschaft weitaus größer. Hinzu kommt: Bei Sars waren vor allem der Luftverkehr und der Tourismus betroffen. Nach Schätzungen des Welt-Airlineverbands IATA betrug der Schaden durch die Lungenkrankheit damals allein in der Luftfahrt rund zehn Milliarden US-Dollar.

    Heute sind viel mehr Branchen betroffen. Fast jedes Unternehmen hat mittlerweile Beziehungen in die Volksrepublik. Es drohen Produktionsausfälle, Lieferprobleme und vieles mehr. Die globale Wirtschaft dürfte also stärker leiden als bei Sars, selbst wenn es gelingen sollte, die Ausbreitung des Virus jetzt schnell in den Griff zu bekommen.

    Die Frage ist, welche Konsequenzen wir aus dem Fall Corona ziehen können. An der gestiegenen Anfälligkeit werden wir nichts ändern können. Die Globalisierung ist nicht mehr aufzuhalten, sie zurückzudrehen ist keine Alternative.

    Die einzig richtige Antwort ist eine noch bessere und noch tiefere globale Vernetzung. Das mag auf den ersten Blick paradox klingen. Doch je mehr und je früher die Welt von einem neuen Virus erfährt, desto besser können die Beteiligten damit umgehen. Eine enge Vernetzung auch mithilfe moderner digitaler Technologien kann erheblich dazu beitragen, Angriffe von Viren schnell unter Kontrolle zu bringen und die negativen Folgen für die Weltwirtschaft zu begrenzen.

    Wie wichtig dieser noch engere Austausch ist, zeigt Corona. Bei Sars hatte die chinesische Regierung zunächst versucht, lange alles geheim zu halten. Bei Corona sind zwar die Provinzpolitiker erneut der Versuchung erlegen, alles unter den Teppich zu kehren. Aber die Regierung in Peking hat die Probleme dann in einer für China überraschenden Transparenz dargelegt.

    Auch deshalb besteht die Hoffnung, dass Corona nicht 800 Menschen das Leben kosten wird wie Sars vor über 15 Jahren. Und dass der Schaden für die Wirtschaft am Ende vielleicht doch nicht ganz so heftig sein wird.

    Mehr: Die Ausbreitung des Coronavirus könnte das Wachstum Chinas weiter drücken. Doch schwächelt China, schwächelt auch die Weltwirtschaft. Der Service-Sektor ist besonders betroffen.

    So schafft es China, in wenigen Tagen zwei Krankenhäuser zu bauen

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