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Kommentar Eine Fusion von Astra-Zeneca und Gilead wäre unnötig

Eine Fusion der Pharmakonzerne klingt vordergründig reizvoll, birgt aber Risiken – und ist dabei für keines der beiden Unternehmen dringend nötig.
08.06.2020 - 12:53 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen kämpfte zuletzt mit Einbußen und nachfolgender Stagnation. Quelle: Imago
Gilead

Das Unternehmen kämpfte zuletzt mit Einbußen und nachfolgender Stagnation.

(Foto: Imago)

Viren und Krebszellen haben einiges gemeinsam. Sie vermehren sich unkontrolliert, basieren auf genetischen Mechanismen und neigen stark zu Mutationen. Rein theoretisch könnte man insofern eine gewisse Logik darin vermuten, die Pharmaforschung auf beiden Feldern zu kombinieren.

Unter anderem solche Überlegungen dürften der Idee zugrunde liegen, zwei der führenden Akteure in diesen Bereichen, den britischen Pharmahersteller Astra-Zeneca und den US-Konzern Gilead, im Zuge einer mehr als 100 Milliarden Dollar schweren Pharmafusion unter ein Dach zu bringen. Einer der wachstumsstärksten Onkologie-Player würde sich mit dem führenden Anbieter von antiviralen Medikamenten verbünden.

Es entstünde ein Konzern, dessen Portfolio sich maßgeblich auf die aktuellen Boom-Segmente des Pharmamarktes konzentriert: Krebs und Virusinfektionen. Es wäre zudem der einzige Anbieter, der im Kampf gegen Covid-19 sowohl mit einem Medikament als auch einem der maßgeblichen Impfstoffprojekte antreten kann. Mit künftig fast 50 Milliarden Dollar Umsatz würde Astra-Zeneca zudem auf einen Schlag in die absolute Spitzengruppe der Pharmabranche aufrücken.

Doch ungeachtet aller Reize gemahnen gleich mehrere Argumente auch zu größter Vorsicht gegenüber einem solchen Megadeal. Erstens: Keiner der beiden vermeintlichen Partner ist akut auf einen großen Deal angewiesen. Astra-Zeneca befindet sich nach mehreren erfolgreichen Produktentwicklungen gerade am Beginn einer neuen, starken Wachstumsphase.

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    Gilead kämpfte zuletzt zwar mit Einbußen und nachfolgender Stagnation, könnte aber durch den Covid-Wirkstoff Remdesivir nun neuen Schwung erhalten und hat zudem seine Forschungspipeline zuletzt durch eine Reihe neuer Biotech-Allianzen verstärkt.

    Kein hohes Synergiepotenzial

    Zweitens: In der industriellen Praxis erwies sich die Kombination von Virologie und Onkologie bisher nicht gerade als fruchtbar. Gilead etwa war mit dem Versuch, im Krebsgeschäft Fuß zu fassen, trotz hoher Investitionen bisher nur wenig erfolgreich, ebenso wie Astra-Zeneca mit seinem Engagement bei Influenza-Impfstoffen.

    Drittens: Das Synergiepotenzial dürfte sich stark in Grenzen halten. Mit zwei Millionen Dollar Pro-Kopf-Umsatz und 50 Prozent operativer Marge ist Gilead schon heute einer der effizientesten Pharmahersteller der Welt. Mögliche Kostensenkungen müssten sich wohl vor allem auf die Astra-Zeneca-Strukturen konzentrieren. Aber dazu brauchen die Briten eigentlich keine Großfusion.

    Viertens: Beide Konzerne haben in der Vergangenheit ihre entscheidenden Erfolge eher von innen heraus erzielt, das heißt mit eigener Forschung, ergänzt durch selektive Biotechzukäufe oder Allianzen. Diese etablierte Innovationskultur könnte durch eine Großfusion auf beiden Seiten Schaden nehmen.

    Sowohl Astra-Chef Pascal Soriot als auch Kollege Daniel O’Day bei Gilead haben daher gute Gründe, sich die Skepsis des Kapitalmarktes gegenüber einem solchen Deal zu Herzen zu nehmen und es beim vorsichtigen Gedankenaustausch zu belassen.

    Mehr: Astra-Zeneca lotet angeblich größte Pharmafusion aller Zeiten aus.

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