Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Eine Megafusion im Sparkassenlager wäre gut für Deutschland

Mit eine Fusion der öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute schiebt Helmut Schleweis ein mutiges Projekt an. Doch die Umsetzung wird schwierig.
Kommentieren
Nach den Vorstellungen von Schleweis sollen sich die Landesbanken Helaba,  NordLB und LBBW,  Deka und Berlin Hyp zusammenschließen. Quelle: dpa
Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba)

Nach den Vorstellungen von Schleweis sollen sich die Landesbanken Helaba,  NordLB und LBBW, Deka und Berlin Hyp zusammenschließen.

(Foto: dpa)

Viele deutsche Großbanken darben seit der Finanzkrise vor sich hin. Doch bedeutsame strukturelle Veränderungen in der Bankenlandschaft hat es in den vergangenen zehn Jahren trotzdem kaum gegeben. Die WestLB wurde zerschlagen. Und die DZ Bank hat sich mit ihrem Schwesterinstitut WGZ zusammengeschlossen. Aber ansonsten wurschteln die meisten größeren Banken weiter vor sich hin. Konkurrenten aus Ländern wie Frankreich und den USA ziehen derweil immer weiter davon.

Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, dass Sparkassenpräsident Helmut Schleweis nun die Lethargie durchbricht und ein mutiges Projekt anschiebt: eine Fusion der öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute. Nach seinen Vorstellungen sollen sich die Landesbanken Helaba, NordLB und LBBW, der Sparkassen-Fondsanbieter Deka und der Immobilienfinanzierer Berlin Hyp zusammenschließen. Entstehen würde eine Super-Landesbank mit einer Bilanzsumme von rund 700 Milliarden Euro.

Größe per se ist natürlich keine Erfolgsgarantie – das beweisen Deutsche Bank und Commerzbank seit Jahren. Aber wenn es Großbanken clever anstellen, dann können sie die steigenden Aufwendungen für IT und Regulatorik besser stemmen als kleinere Institute. Denn Banking ist ein Skalengeschäft: Je mehr Geschäfte über eine Plattform laufen, desto mehr Gewinn bleibt am Ende hängen.

Sollte es künftig nur noch ein Spitzeninstitut geben, würden die Kosten deutlich sinken. Und dadurch würde der gesamte öffentlich-rechtliche Finanzsektor stabiler. Darüber hinaus ergibt es für die Sparkassen keinen Sinn, dass ihre Spitzeninstitute sich gegenseitig Konkurrenz machen und etwa im Wettbewerb um Firmenkunden die Konditionen in den Keller treiben.

Zudem könnte ein fusioniertes Spitzeninstitut mehr Geld in neue Technologien investieren, was in Zeiten der Digitalisierung essenziell ist. Und es könnte sich ein größeres Netz von Auslandsstandorten leisten und exportstarke Unternehmen bei Geschäften jenseits der deutschen Grenzen besser begleiten. Kurzum: Ökonomisch wäre die Schaffung einer Super-Landesbank sinnvoll. Sie wäre gut für die Finanzbranche. Sie wäre gut für die Realwirtschaft. Sie wäre gut für Deutschland.

Auf einem anderen Blatt steht, dass eine Fünferfusion an Komplexität nicht zu überbieten ist. Und das Bestreben, einen solchen Zusammenschluss mit der Stützung der schwächelnden NordLB zu verknüpfen, würde alle Beteiligten unter gewaltigen Zeitdruck setzen. Denn die Hannoveraner Bank will noch bis Jahresende eine Lösung für ihre Kapitalprobleme präsentieren. Und es wäre extrem ambitioniert, bis dahin eine Grundsatzeinigung über die Bildung einer Super-Landesbank zu erzielen.

Nicht alle Institute ziehen am selben Strang

Die Struktur des öffentlich-rechtlichen Finanzsektors ist schließlich komplex. Und die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse bei den Spitzeninstituten führen dazu, dass selten alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Die Helaba gehört mehrheitlich den Sparkassen in Hessen und Thüringen. An der LBBW halten die örtlichen Sparkassen und das Land Baden-Württemberg jeweils gut 40 Prozent. Und die NordLB ist mehrheitlich im Besitz des Landes Niedersachsen. Die Einzelinteressen all dieser Eigner unter einen Hut zu bekommen ist äußerst anspruchsvoll. Doch es ist die Voraussetzung dafür, dass es tatsächlich zu einer großen Lösung kommt.

Die erste große Hürde, an der die Megafusion scheitern könnte, ist jedoch die Suche der NordLB nach Kapitalgebern. Dabei ist aus dem öffentlich-rechtlichen Lager nur die Helaba im Rennen. Und die will sich an einer Stützung der NordLB nur beteiligen, wenn auch das Land Niedersachsen und die Sparkassen in der Region weiteres Kapital in die Bank pumpen.

Doch selbst wenn beide sich darauf einlassen, ist ein Erfolg nicht garantiert, denn auch die Commerzbank und vier Finanzinvestoren haben Interesse an der NordLB bekundet. Und deren Eigentümer müssen am Ende das beste Angebot annehmen – sonst droht Ärger mit der EU.

Darüber hinaus gibt es Sparkassen, die nach Pleiten und Schieflagen ihrer Landesbanken froh sind, dass sie heute nicht mehr oder nur noch in sehr geringem Umfang an Landesbanken beteiligt sind. Sie halten allerdings noch Anteile an der Deka – und dürften nicht gerade begeistert sein, diese nun in eine Mega-Landesbank einzubringen. Schwer dürfte es auch werden, die Vorbehalte in Baden-Württemberg gegen eine Großfusion auszuräumen.

Denn vielen im Ländle ist nicht klar, wie die LBBW und die von ihr betreuten Firmenkunden in der Region von einer Super-Landesbank profitieren sollten.

Die Hürden sind also gewaltig. Und Sparkassenchef Schleweis wird sie nicht allein aus dem Weg räumen können. Er ist auf Unterstützung angewiesen – auch aus der Politik. Bundesfinanzminister Olaf Scholz wünscht sich ja größere und stärkere Banken.

Und er hat angekündigt, auch im Finanzsektor Industriepolitik betreiben zu wollen. Nun ist es an der Zeit, dass er seinen Worten Taten folgen lässt.

Startseite

0 Kommentare zu "Kommentar: Eine Megafusion im Sparkassenlager wäre gut für Deutschland"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote