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Kommentar Eine tiefe Rezession lässt sich aus Bilanzen nicht ableiten

Immer mehr Firmen warnen vor niedrigeren Gewinnen. Klar ist: Der Boom ist vorbei. Doch die Bilanzen lassen nicht auf eine tiefe Rezession schließen.
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Vor allem Autohersteller haben in den vergangenen Wochen vor sinkenden Gewinnen gewarnt. Quelle: dpa
Automobilproduktion

Vor allem Autohersteller haben in den vergangenen Wochen vor sinkenden Gewinnen gewarnt.

(Foto: dpa)

Nichts konnte die Börsen erschüttern: Als sich die Briten vor über zwei Jahren für den Brexit entschieden, knickten die Aktienkurse kurz ein, erholten sich aber rasch wieder. Als Donald Trump vor knapp zwei Jahren US-Präsident wurde und weite Teile der Welt mit Entsetzen reagierten, gab es nur ein Zucken. Tags darauf ging es wieder aufwärts.

Wie an Teflon perlten lange Zeit alle Probleme, wozu auch der deutsche Dieselskandal und die vielen nationalistischen Bewegungen in Europa zählen, an den Aktienkursen ab. Die Börsen zeigten sich robust wie nie. Doch was alle äußeren Einflüsse nicht vermochten, schafften jetzt die Unternehmen mit ihren trockenen Konzernbilanzen.

Als die Autobauer BMW und Daimler, die Zulieferer Continental, Schaeffler, Leoni und Kuka und viele andere Firmen in Deutschlands Schlüsselbranche vor schwierigeren Zeiten warnten, knickte der Dax ein. Erst langsam, zuletzt aber immer schärfer, seitdem die Probleme der Automobilindustrie auch auf andere Branchen wie Bau (Heidelberg Cement), Logistik (Deutsche Post), Gesundheit (Fresenius), Konsum (Henkel) und Chemie (BASF) überschwappen.

Besonders alarmierend erscheinen die Botschaften des größten europäischen Chemiekonzerns BASF. Konzernchef Martin Brudermüller warnte bei Vorlage der enttäuschenden Zahlen zum dritten Quartal mit Blick auf die stockende Konjunktur in China vor zunehmenden Herausforderungen bei den Geschäften in aller Welt.

BASF beliefert mit seinen chemischen Vorprodukten so gut wie alle Industriebranchen und ist deshalb ein guter Seismograf, wenn es um den Zustand der Unternehmen und der Gesamtwirtschaft geht. Insofern sind der prozentual zweistellige Gewinnrückgang und Brudermüllers Statement: „Wir sind weder mit unserer Geschäftsentwicklung noch mit der Entwicklung unserer Aktie zufrieden“ ein ernster Hinweis darauf, dass der Aufschwung vorbei sein dürfte.

Daraus lässt sich aber nicht gleich ein Absturz ableiten, so wie er auf die Bankenkrise 2008 folgte, als Deutschlands Wirtschaft 2009 in die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte abrutschte.

Dass ein Abschwung kommt, ist klar

Dass nach zehn Jahren Aufschwung irgendwann der Abschwung folgt, ist ein Naturgesetz. Nur wie tief und nachhaltig dieser ausfällt, ist noch völlig unklar. Darauf geben die Bilanzen der Unternehmen und die Ausblicke der Finanz- und Konzernchefs nämlich keinerlei Hinweise. Ebenso wenig die Volkswirte, die zwar ein etwas schwächeres Wachstum, aber keine Stagnation, geschweige denn eine Rezession erwarten.

Richtig ist zwar, dass Ökonomen noch nie eine Rezession vorhergesagt haben, auch nicht vor einem Jahrzehnt. Die Schlussfolgerung, dass gerade deshalb jetzt eine Rezession bevorstehe, ist ebenso untauglich.

Fakt ist, dass die Hochkonjunktur noch in diesem Jahr und damit eher zu Ende geht, als bis zur Jahresmitte erwartet wurde. Wachstumsraten für Europas Wirtschaft von 2,5 Prozent wie noch im vergangenen Jahr, was das stärkste Plus seit zehn Jahren war, wird es in diesem und im nächsten Jahr nicht geben. Europas Industriesektor zeigt ebenso Schwächen, wie der Welthandel an Schwung verliert.

Darunter leidet Deutschland als Exportland, und darunter leiden die vielen exportstarken Unternehmen ganz besonders. Zwei Drittel ihrer Erträge fahren die 100 größten Konzerne im Ausland ein. So stark globalisiert sind die Unternehmen in keinem anderen großen Industrieland.

Diese Besonderheit spiegelt Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer, der Dax, der die Aktienkurse der 30 größten Unternehmen abbildet, mit seinem kräftigen Minus von gut 15 Prozent seit dem Hoch im Januar eindrucksvoll wider.

Börse blendete Probleme lange aus

Doch so wie die Börse lange Zeit alle Probleme ausblendete und damit suggerierte, sie seien in Wirklichkeit gar keine, so laufen Industriebeobachter jetzt Gefahr, angesichts der herben Kursverluste die Zukunft zu schwarzzusehen. Vielen Unternehmen gelingt es nämlich, 2018 mindestens so viel zu verdienen wie im Vorjahr. Und das war immerhin das stärkste Gewinnjahr in der deutschen Unternehmensgeschichte.

Negativen Ausreißern wie Bayer, der Deutschen Post oder Daimler und Continental, die wohl weniger verdienen werden als 2017, aber immer noch Milliardengewinne einfahren, stehen positive Ausreißer gegenüber: Europas größter Softwarehersteller SAP, der Halbleiterproduzent Infineon und der Markenriese Beiersdorf haben ihre Ausblicke im laufenden Jahr angehoben, und sie werden wohl mehr als im Vorjahr verdienen.

In der Gesamtschau sieht das nicht nach Rezession aus, sondern nach einer Delle. Ob daraus mehr wird, darüber geben weder die Ökonomen und Unternehmen noch die Börse Aufschluss. Sicher erscheint nur eines: Die Boomzeiten sind vorbei, und der von Donald Trump ausgelöste Handelskonflikt zeigt erste Auswirkungen. Dazu zählen steigende Preise für den Verbraucher und geringere Gewinne für die exportstarken deutschen Unternehmen.

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