Kommentar Einstieg der Börsenbetreiber in die Kryptowelt ist ein Clash der Kulturen

Börsen wollen am Erfolg von Bitcoin teilhaben und das virtuelle Geld sicherer machen. Werden dadurch nicht die Prinzipien der jungen Branche verraten?
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Der Bitcoin entspringt aus dem Misstrauen gegenüber dem Finanzsystem im Zuge der Krise. Jetzt will die Wall Street ihn vereinnahmen. Quelle: dpa picture alliance / Michael Grube
Ein Dilemma

Der Bitcoin entspringt aus dem Misstrauen gegenüber dem Finanzsystem im Zuge der Krise. Jetzt will die Wall Street ihn vereinnahmen.

(Foto: dpa picture alliance / Michael Grube)

Der Damm ist gebrochen. Etablierte Börsenbetreiber wollen nicht mehr länger zusehen, wie Kryptobörsen die neue, virtuelle Finanzwelt unter sich aufteilen. Vergangene Woche kündigte der zweitgrößte Börsenbetreiber der Welt, ICE, den Einstieg in die Kryptowelt an.

Mit einem Terminkontrakt für Bitcoin als erstem Schritt, der Möglichkeit, das virtuelle Geld für große Kunden aufzubewahren, und einer Plattform, die helfen soll, Bitcoin und Co. stärker im Alltag zu nutzen. In Deutschland hat die Börse Stuttgart eigene Pläne für den Kryptohandel angekündigt.

Weitere etablierte Börsen und Finanzhäuser werden folgen. Doch der Einstieg bringt eine unbequeme Frage mit sich: Wie viel Establishment ist gut für die Kryptowelt? Sicher, die alte Finanzwelt will Antworten liefern audie vielen Probleme, die Kryptoinvestoren täglich umtreiben und in der Frage gipfeln: Wie kann man die Handelsplätze stabiler und verlässlicher machen?

Die vielen Ausfälle und Hackerangriffe haben Kunden verunsichert und verschreckt. Auch braucht es regulatorische Standards, um institutionellen Investoren wie Pensionsfonds, Universitätsstiftungen und Vermögensverwaltern den Einstieg in die Kryptowelt zu ermöglichen. Doch damit wird eigentlich das Gründungsprinzip der virtuellen Währungen verraten.

Der Bitcoin wurde 2008 als Alternative zum klassischem Bankensystem geschaffen, dem die Menschen nach der Finanzkrise nicht mehr trauten. Nun läuft die erste und nach Marktwert größte Kryptowährung Gefahr, von der Wall Street vereinnahmt zu werden. Doch Bitcoin und die meisten anderen Kryptowährungen bestechen gerade dadurch, dass sie dezentral organisiert sind und ohne Mittler auskommen.

Es gibt keine einfache Lösung für dieses Dilemma. Daher ist es gut möglich, dass die ICE und andere etablierte Börsen nur so lange in der Kryptowelt auf Erfolg hoffen können, bis die neue Branche ihren Kinderkrankheiten entwachsen ist und selbst robuste und verlässliche Produkte anbieten kann.

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