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Kommentar Elon Musk steht als Corona-Stänkerer im Silicon Valley ziemlich allein da

Elon Musk ist ein Querdenker, der den Widerspruch gegen den Mainstream zum Prinzip erklärt hat. Nun führt der Tesla-Chef sein eigenes Erfolgsrezept in die Irre.
13.05.2020 - 20:09 Uhr Kommentieren
Der Tesla-Gründer ist ein hochintelligenter Mann mit unvorstellbarem Antrieb, vielleicht der größte Unternehmer seiner Generation. Quelle: AFP
Elon Musk

Der Tesla-Gründer ist ein hochintelligenter Mann mit unvorstellbarem Antrieb, vielleicht der größte Unternehmer seiner Generation.

(Foto: AFP)

Nun findet zusammen, was zusammengehört: Als US-Präsident Donald Trump den Bundesstaat Kalifornien per Tweet aufforderte, Tesla-Chef Elon Musk sein Werk in Fremont wiedereröffnen zu lassen, waren die beiden größten Enfants terribles von Twitter selig vereint. Musk hatte seine Arbeiter da ohnehin bereits in das Werk zurückbeordert.

Den Politiker und den Unternehmer vereint in der Coronakrise auch eine endlose Parade von Fehlschüssen und Fehlschlüssen, wie gefährlich die Pandemie tatsächlich sei und wie man mit ihr umgehen müsse – jede vorgetragen mit ungestümer Überzeugung und nie korrigiert. Die „Coronavirus-Panik“ nannte Musk Anfang März „dumm“, seitdem sind allein in den USA mehr als 80.000 Menschen daran gestorben.

Musk behauptete Mitte März, dass nach aktuellen Trends die Zahl der Neuansteckungen Ende April bei null liegen werde – das klappte bekanntlich nicht mal mit den weitreichenden, globalen Kontaktverboten, die der Tesla-Chef während eines Analystencalls dann wiederum faschistisch nannte.

Das muss man sich vor Augen halten, wenn der Unternehmer nun die Regeln des Landkreises, in dem sein Werk in Fremont steht, bricht. Wenn er seine Arbeiter unter Androhung von Lohnkürzungen wieder an die Bänder befiehlt, eine Woche bevor er das voraussichtlich wieder ganz rechtmäßig dürfte.

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    Musk ist ein hochintelligenter Mann mit unvorstellbarem Antrieb, vielleicht der größte Unternehmer seiner Generation. Er hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit Paypal das Geld digitalisiert, als Tesla-Chef einer selbstgefälligen Autoindustrie denkförderliche Stromschläge verpasst und mit Space X die Raumfahrt kommerzialisiert.

    Keiner dieser Durchbrüche war so offensichtlich, wie er heute erscheint. Musk zählt zu den „Contrarians“, den Querdenkern, die den Widerspruch gegen den Mainstream zum Prinzip erklärt haben. Sein Ex-Rivale und Paypal-Kollege Peter Thiel hat das Glaubensbekenntnis der Querdenker in eine Interviewfrage gefasst, die der Investor angeblich jedem Bewerber stellt: „Bei welcher wichtigen Wahrheit stimmen Ihnen nur wenige Menschen zu?“

    Elon Musk kritisiert Corona-Maßnahmen als „faschistisch“

    Querdenker sind in der Wirtschaft ebenso wichtig wie in der Demokratie. Es ist nicht nur legitim, sondern notwendig, die radikalsten Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten in westlichen Demokratien seit dem Zweiten Weltkrieg jeden Tag aufs Neue zu hinterfragen. Wo Widerspruch auf Diskussion und Erkenntnis abzielt, macht er alle Beteiligten klüger.

    Was wir aus dieser Pandemie für die nächste lernen, ist eine Frage, die die Weltgemeinschaft hoffentlich eines Tages ohne Besserwisserei und „Hätte, hätte, Infektionskette“-Arroganz diskutieren kann.

    Der Unternehmer ist der Querdenker par excellence, weil die Frage: „Warum machen wir das so und nicht anders?“ am Anfang allen Unternehmens steht. Das „so“ ist schließlich der Status quo, den er auch in einer Festanstellung verwalten könnte.

    Gefährliche Ahnungslosigkeit

    Der Unterschied ist aber: Informierter Widerspruch ist ein Dienst an der Allgemeinheit, ahnungsloser Widerspruch eine wohlfeile und mitten in einer tödlichen Virus-Pandemie brandgefährliche Pose. Musks Trägheit, sich auch nach Monaten ernsthaft mit der Krankheit und ihrer Ausbreitung auseinanderzusetzen, spricht aus jedem seiner Tweets und öffentlichen Äußerungen.

    Er steht damit im starken Kontrast zu fast allen anderen Berufs-Querdenkern des Silicon Valley, die als Chefs großer Unternehmen und als öffentliche Vorbilder seit Monaten bemerkenswerte Verantwortung zeigen. Nordkalifornien zählte zu den ersten Regionen, die strikte Ausgangssperren verhängten. War die Gegend anfangs ein Corona-Hotspot innerhalb der USA, blieb ihr das Schicksal New Yorks mit Zehntausenden Toten bislang erspart.

    Twitter-Chef Jack Dorsey schickte seine Mitarbeiter früher als viele andere ins Homeoffice und erlaubt ihnen nun, gar nicht mehr in Großraumbüros zurückzukehren. Airbnb-Chef Brian Chesky, dessen Reise-Plattform von der Krise viel stärker gebeutelt ist als Tesla, zahlt entlassenen Mitarbeitern dennoch großzügige Abfindungen. Mark Zuckerberg und Bill Gates investieren in die Suche nach Impfstoffen und enthalten sich großspuriger Statements.

    Ein Muster bildet sich heraus: Jemand wie Bill Gates‧, der sich seit Jahrzehnten mit öffentlicher Gesundheit beschäftigt, steht nicht an der Spitze der Bewegung, die „Wirtschaft wiederzueröffnen“, sondern mahnt zur Vorsicht. Sicher nicht, weil der Microsoft-Gründer nichts von Wirtschaft oder der Herausforderung, ein Unternehmen zu führen, versteht.

    Im Gegenteil: Zuckerberg, Dorsey, Gates und Chesky haben jeweils mindestens ein Milliardenunternehmen gegründet, jeder hat sich dabei gegen Widerstände durchgesetzt und quergedacht, um unsere Welt zu verändern – das verbindet sie mit Musk.

    Was sie unterscheidet, ist der Ernst, mit dem diese Querdenker der Coronakrise und ihren Folgen begegnen. Ein Ernst, der Musk völlig abzugehen scheint.

    Mehr: Tesla-Chef Musk will Firmensitz und Produktion verlegen.

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