Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Ende einer Irrfahrt – Die neue Strategie der Deutschen Bank war längst überfällig

Die Deutsche Bank verabschiedet sich von ihrem Abenteuer in den USA. Dieser Schritt hätte schon viel früher erfolgen müssen.
1 Kommentar
Die neue Strategie der Deutschen Bank war überfällig – Kommentar Quelle: dpa
Christian Sewing

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank plant nun den Rückbau der Handelssparte.

(Foto: dpa)

Es war einer der fatalsten Managementfehler der vergangenen Jahrzehnte: Mit dem Kauf der amerikanischen Bankers Trust wollte der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer Ende 1998 in den Olymp der globalen Investmentbanken aufsteigen – und in den Nahkampf mit den großen Wall-Street-Banken gehen. Der Megadeal sollte den Beginn einer neuen Ära für die „Deutsche“ markieren und dem Geldhaus viele Jahre hohe Milliardengewinne bescheren.

Doch die Gewinne wurden teuer erkauft, wie sich seit der Finanzkrise herausstellt. Die 9,7 Milliarden Dollar schwere Übernahme der heute als „Zockerbude“ verschriebenen Bank erweist sich als Katastrophe. Milliardenverluste, ein Zerfall des Aktienkurses, ausufernde Kosten, Skandale und hohe Strafzahlungen, ein nachhaltiger Vertrauensverlust und eine zeitweise existenzgefährdende Dauerkrise. Eine Bilanz des Schreckens. Doch lange hielt die Führung an dem Geschäft fest, es lockte die Glitzerwelt der US-Investmentbanken.

Umso wichtiger, dass die Führungsspitze unter dem seit einem guten Jahr amtierenden Vorstandschef Christian Sewing endlich den Rückbau der überdimensionierten Handelssparte angehen will. Seine Aussage auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank, er sei zu „tiefen Einschnitten“ bereit, ist keine Beschwichtigungsformel an aufgebrachte Aktionäre. Es ist vielmehr das Präludium für einen Umbau der Bank, den die Führungsspitze den wichtigsten Großinvestoren in Aussicht gestellt hat.

Ein Versprechen, an dem Sewing gemessen werden wird. Wenn er jetzt nicht liefert, ist er geliefert. Die entsprechende Warnung haben ihm die Aktionäre auf der Hauptversammlung bereits gegeben: Dass nur 75 Prozent der Anleger Sewing entlasteten, ist Denkzettel und Aufforderung zum Handeln zugleich.

Der eigentliche Skandal ist, dass die Großbank erst jetzt so entschlossen handeln will. Während beispielsweise die UBS schon vor sieben Jahren einen radikalen Rückbau ihrer Investmentbank verkündete, hofften wechselnde Topmanager der Deutschen Bank noch lange, dass die strauchelnde Handelssparte auf wundersame Weise wieder auf soliden Füßen stehen kann. Die seit der Finanzkrise weggebrochenen Erträge würden schon wiederkommen und die Aufseher ihre Regulierungswut verlieren. Beides entpuppte sich nicht nur im Rückblick als eher naive Annahmen.

Es braucht kein Genie wie Albert Einstein, um eine neue Strategie für die Deutschen Bank zu ersinnen. Sie müsste sich auf die Unternehmerbank, das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung konzentrieren. Vorbild könnte die UBS sein, auch wenn die Schweizer dank ihrer global führenden Vermögensverwaltung es einfacher haben. Bei der UBS ist längst nicht mehr alles im Lot: Die zuvor große Ertragskraft sowohl der Investmentbank als auch der Vermögensverwaltung schwindet. Und in Frankreich kämpft die Bank gerichtlich gegen eine Milliardenstrafe. Doch das sind Probleme, die Sewing vermutlich gerne hätte.

Man musste es nur wollen bei der Deutschen Bank, den Neuanfang. Und hier liegt der Unterschied zur UBS: Dort kam 2011 mit Sergio Ermotti ein Topmanager von außen, der ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten dafür sorgte, dass die Bank auf einen stabilen und profitablen Pfad zurückfand.

Die Beharrungskräfte sind trotz der Dauerkrise enorm

Ein ganz anderes Bild bietet sich bei der Deutschen Bank. Die Beharrungskräfte sind trotz der Dauerkrise enorm. Das Geldhaus ist seit der Übernahme von Bankers Trust kulturell zerrissen, die skrupellose, mitunter kriminelle und meistens extrem kurzfristig agierende Händlerkaste dominierte zu lange das Geschehen.

Dabei war es von Anfang an ein vermessener Anspruch, die US-Banken auf ihrem Heimatmarkt angreifen zu wollen. Daher ist nun zu hoffen, dass Sewing bei den Einschnitten vor allem das weitgehend unprofitable und enorme Mengen an Kapital verschlingende US-Handelsgeschäft zurechtstutzen wird – und damit die nun mehr als zwei Dekaden andauernde Irrfahrt endlich beendet.

Doch nicht nur in der Handelssparte muss die Bank weitaus konsequenter agieren. Auch in anderen Bereichen gibt es großen Nachholbedarf. Die bisher eher halbherzige Integration der Postbank beispielsweise kann man immer noch nicht als Erfolg bezeichnen. So hat Sewing selbst eingeräumt, dass man das Privatkundengeschäft bislang zu wenig radikal und zu langsam umgebaut hat.

Und natürlich wird der Rückbau der Handelsparte eine enorm kostspielige und langwierige Mammutaufgabe werden, die die Bank nochmals an ihre Grenzen bringen wird. Es ist aber der einzige noch gangbare Weg, um die Deutsche Bank endlich in eine stabile Zukunft zu führen: Als große europäische Bank, die als Premium-Dienstleister für Unternehmen, Privatkunden und Vermögende agiert. Und als Geldhaus, das die desaströse Übernahme von Bankers Trust endlich hinter sich gelassen hat.

Christian Sewing: „Wir sind zu harten Einschnitten bereit“

Mehr: Nach dem Aus der Fusionsgespräche mit der Commerzbank und vor der Hauptversammlung rutscht die Deutsche Bank zurück in die Dauerkrise.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Ende einer Irrfahrt – Die neue Strategie der Deutschen Bank war längst überfällig

1 Kommentar zu "Kommentar: Ende einer Irrfahrt – Die neue Strategie der Deutschen Bank war längst überfällig"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Gerne überweisen deutsche Firmen Milliarden nach Amerika:
    Daimler - Crysler
    Münchner Rück - American Re
    Bayer - Monsanto
    .... da gibt es bestimmt noch viele, viele mehr - Beispiele für missglückte Übernahmen!
    Gibt es auch ein positives Beispiel? ... Siemens? SAP? .... NEEE!

Serviceangebote