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Kommentar Endlich Gas geben: Die deutschen Geldhäuser müssen raus aus dem Mittelmaß

Für Deutsche Bank und Commerzbank kommt die in Italien und Spanien anlaufende Konsolidierung in Europa viel zu früh. Sie müssen dringend noch drei wichtige Aufgaben abarbeiten.
04.09.2020 - 17:06 Uhr 2 Kommentare
Die deutschen Geldhäuser müssen aufpassen, dass ihnen nicht die Zeit davonläuft. Quelle: dpa
Skyline von Frankfurt

Die deutschen Geldhäuser müssen aufpassen, dass ihnen nicht die Zeit davonläuft.

(Foto: dpa)

Der Seismograf schlägt an. Ganz leise zwar, aber es gibt erste Anzeichen dafür, dass die europäische Bankenkonsolidierung kommt und sich die Kräfteverhältnisse auf dem Kontinent verschieben. Aus schwachen Vibrationen könnten sehr schnell heftige Erschütterungen werden. Italien und Spanien machen den Anfang mit nationalen Zusammenschlüssen, länderübergreifende Deals dürften irgendwann folgen.

Und die deutschen Großbanken? Sie müssen aufpassen, dass ihnen nicht die Zeit davonläuft. Im besten Fall können Deutsche Bank und Commerzbank den eigenen Marktwert noch steigern. Im schlechtesten Fall werden sie einfach überrollt. Beide Institute sind weit davon entfernt, aus einer Position der Stärke heraus zu agieren.

In dreierlei Hinsicht ist dringend Handlungsbedarf geboten.

1. Die unendlichen Sanierungsrunden abschließen

Seit der Finanzkrise sind zwölf Jahre vergangen – und Deutschlands Großbanken sind immer noch mit sich selbst beschäftigt. Sie verdienen nicht genug Geld, um für schlechte Zeiten gerüstet zu sein. Die Deutsche Bank will unter Christian Sewing bis 2022 ihre Kosten gesenkt und ihre Strukturen verschlankt haben. Sie ist auf gutem Wege, aber erst die Hälfte der Strecke ist geschafft. Die Deutsche Bank darf sich nicht ablenken lassen.

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    Und für die Commerzbank gilt: Wer immer hier demnächst im Chefsessel Platz nimmt, muss den Sparkurs des Vorgängers zunächst einmal verschärfen. Wichtig ist, dass das sehr schnell passiert. 

    2. In die Zukunft investieren

    Die Coronakrise und die Belastungen im Kreditgeschäft dürfen keine Ausrede dafür sein, dringend nötige Investitionen in die Digitalisierung zu verschieben. Wenn die Krise eines gezeigt hat, dann, dass das klassische Geschäft mit Privat- und Firmenkunden auch ohne Filialen funktioniert – wenn man die richtige technische Infrastruktur hat und den Kunden zu Hause „abholen“ kann.

    Online-Banken und Fintechs haben zuletzt so viele Neukunden eingesammelt wie lange nicht. Aggressiv entwickeln sie neue Produkte und Kommunikationswege – und treiben die traditionellen Geldhäuser nicht zuletzt in ihrem ureigenen Kerngeschäft, dem Zahlungsverkehr, vor sich her.

    Wenn Deutsche Bank und Commerzbank weiter an ihrer alten IT herumschrauben, ohne neue Ideen zu haben, dann verlieren sie eine große Schar an jungen zahlungskräftigen Kunden. Das gilt freilich auch für Sparkassen und Volksbanken. 

    3. Aus dem Brexit Profit schlagen

    Die großen US-Banken haben es längst erkannt und ziehen ihre Truppen in Kontinentaleuropa zusammen. Sie bauen in Frankfurt, Paris oder anderen Metropolen rasant ihre Investmentbanking-Einheiten aus.

    Die Deutsche Bank, die verspricht, ihre Unternehmenskunden in die Welt hinaus zu begleiten und mit Kapitalmarktdienstleistungen zu versorgen, muss den Rivalen von der Wall Street vor der eigenen Haustür die Stirn bieten. Sie sollte sich bei allen Einschnitten im Investmentbanking in jenen Bereichen Marktanteile zurückerobern, in denen sie ihre Stärken hat, bei Anleiheplatzierungen zum Beispiel. 

    Das alles ist nicht frei von Risiken, gerade jetzt in der Krise, wo jeder lieber kurzfristig plant. Aber nichts tun, wäre noch viel gefährlicher. 

    Mehr: Bankia und Caixabank wollen sich zum größten Geldhaus Spaniens zusammenschließen

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Endlich Gas geben: Die deutschen Geldhäuser müssen raus aus dem Mittelmaß"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Commerzbank hat die comdirect - eine sehr gute fintech Bank!
      Comdirect sollte konsequent ausgebaut werden und die Commerzbank in die comdirect integriert werden.
      Ähnlich der Deutschen Post sollten die Banken ihre Filialen zum sehr großen Teil aufgeben und dafür kleine Shops und online-Beratung anbieten. Die online-Beratung sollte mit persönlich bekannten Beratern stattfinden. Die Deutsche Bank sollte sich nicht die Butter vom Brot stehlen lassen, die Deutsche Bank hat hochqualifizierte Mitarbeiter - erstklassige, kompetente Berater. Herr Sewing ist der richtige Mann, um richtig zu sparen und die richtigen Risiken einzugehen.

    • Danke für diese klaren und trefflichen Worte.
      Deutschland ist ja auch nicht ein Nebenzimmerchen im Haus Europa.

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