Kommentar: Endlich kommt Leben in die Bundeswehr

Lange Zeit war Verteidigung nicht angesagt. Die Bundeswehr war nicht nur in Politik und Gesellschaft, sondern auch bei Risikokapitalgebern kein Thema. Noch immer gibt es Fonds mit entsprechenden Auflagen. Aber neue Zahlen zeigen: Das ändert sich dramatisch.
Seit Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine und der Zeitenwende des ehemaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz hat sich einiges bewegt. Unternehmer entwickelten neue Geschäftsmodelle und Technologien, zahlreiche Start-ups wurden gegründet. Ein mutiger Schritt, denn die Bundeswehr ist es wie andere Armeen überhaupt nicht gewohnt, mit jungen Firmen zusammenzuarbeiten.
Das liegt nicht nur an der Bürokratie oder einer Verweigerungshaltung. Verteidigung ist ein schwieriges Geschäft. Panzer, Drohnen oder anderes Gerät müssen sich in Extremsituationen beweisen, eine hohe Verlässlichkeit aufweisen oder besonderen Sicherheitsstandards entsprechen.
Nur mit Technologie sind wir stärker
Da überraschte es weniger, dass sich Risikokapitalgeber eher zurückgehalten haben. Doch ändert sich das im ersten Halbjahr 2025. Der neue US-Präsident Donald Trump mit seiner Abwendung von Europa dürfte dabei eine Rolle spielen. Auch gibt es in Deutschland mehr Start-ups in Verteidigung, die über nennenswerte Umsätze und Wachstumschancen verfügen.
Das ist eine gute Botschaft für uns alle. Denn die Bundeswehr braucht einen technologischen Push, um gegen einen im konventionellen Bereich überlegenen Gegner wie Russland bestehen zu können. Die schiere Masse von Panzern oder Soldaten kann nur mithilfe smarter Software, Künstlicher Intelligenz und autonomer Waffensysteme gestoppt werden.
Leider gibt es keine Tradition in Deutschland wie in den USA, wo das Pentagon mit besonderen Amtsstellen wie der Unit X oder Darpa Ausschau nach Technologien und Firmen hält, die für die Armee nützlich sein können. Immer wieder wurde versucht, das in Deutschland nachzuahmen. Bislang mit zu wenig Erfolg.
Das digitale Zeitalter in der Verteidigung
So schlummert das Konzept der vernetzten Operationsführung seit fast einem Jahrzehnt in den Schubladen der Bundeswehr, umgesetzt wurde es nur ansatzweise. Dabei ist effektive Zusammenarbeit und Koordination verschiedener militärischer Einheiten möglichst in Echtzeit schon heute das Maß aller Dinge, wie es sich in der Ukraine zeigt.
Satelliten, Drohnen oder autonomen Panzern gehört die Zukunft. Die können schneller, besser und preiswerter vom privaten Sektor entwickelt und gebaut werden. Der Wettbewerb wird nicht nur Kosten senken, sondern neue Ideen hervorbringen und uns alle sicherer machen.
Erstpublikation: 10.07.2025, 04:02 Uhr.