Kommentar Energie-Vision vom Alltag eingeholt

Die Energiewende gestaltet sich schwieriger, als noch vor einem Jahr viele dachten. Konkrete Punkte wie der Netzausbau müssen aber in absehbarer Zeit konsequent angegangen werden, sonst droht Ungemach.
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Der Autor ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin. Quelle: Pablo Castagnola

Der Autor ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

(Foto: Pablo Castagnola)

Heute vor einem Jahr hat die Bundesregierung die Eckpunkte für die Energiewende beschlossen. Längst lassen die Mühen der Alltagsarbeit die große Vision, die mit diesem Beschluss verbunden war, verblassen. Die Politik steht vor der Aufgabe, zahlreiche Einzelentscheidungen zu fällen, ohne dabei das große Ganze aus den Augen zu verlieren.

Die vergangenen zwölf Monate haben gezeigt, wie schwierig das ist. Ständiges Nachsteuern, anhaltende Diskussionen und auch Fehlentscheidungen werden in den kommenden Jahren den Alltag bestimmen. Ein Jahr nach den grundsätzlichen Beschlüssen zur Energiewende ist klar: Das Projekt ist kein Selbstläufer, sein Gelingen keinesfalls sicher. Immerhin hat sich herauskristallisiert, welche Probleme zuerst gelöst werden müssen.

So ist allgemein akzeptiert, dass der Ausbau der Netze hohe Priorität hat. Doch aus dieser Erkenntnis werden nicht die richtigen Schlüsse gezogen. Die Länder sollten eher heute als morgen dem Wunsch der Bundesregierung entsprechen, ihre Zuständigkeit für die Planung besonders wichtiger Leitungen auf die Bundesnetzagentur zu übertragen.

Doch sie werden in übliche Verhaltensmuster zurückfallen und Kompetenzen nur abgeben, wenn sie dafür Gegenleistungen bekommen. Diese Engstirnigkeit kann sich zum ersten Sargnagel für das Großprojekt entwickeln. Dass einige Länder obendrein noch immer an dem Gedanken von der Energieautarkie festhalten, muss ebenfalls nachdenklich stimmen.

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10 Kommentare zu "Kommentar: Energie-Vision vom Alltag eingeholt"

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  • Einanderer...Umweltfreundlich bedeutet gem. meiner Definition eine möglichst geringe Veränderung der Umwelt je erzieltem Ertrag. Wenn man den Bau- und den Betriebsaufwand eines Kernkraftwerks, Bsp. AP1000 mit dem Bau- und Betriebsaufwand 1000ender 2MW Windmühlen in Tonnen Material vergleicht erhält man den Faktor 32. Mit etwas Zeit könnte man auch die Giftmüllmengen von Windmühlen mit den geringen Mengen radiotoxischer Abfälle eines KKW's vergleichen und erhält vermutlich einen Faktor um ca. 100 - 1000. Nicht berücksichtigt ist hierbei das der Windmühlenstrom ziemlich wertlos ist.

    Eine Windmühle ist im Verhältnis zu Kernkraftwerken eine Hochrisikotechnologie. Bedauerlicherweise werden keine systematischen Zahlen zu den Unfallopfern von Windmühlen und Solarzellen erhoben. Bei der Installation der Meereswindräder sollen gem. Focus letztes Jahr 5 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Zahl der Arbeitsunfälle in KKW ist extrem gering. In Fukushima sind 2 MA des Kernkraftwerks Daiichi in den Fluten ertrunken und 1 ist an Ueberarbeitung gestorben. Opfer durch Radioaktivität bleiben zum Glück der Phantasie Deutscher Medien vorbehalten.

    Sollte man nicht solche Hochrisikotechnologien wie Windräder verbieten?

    Vandale

  • Umweltschädliche Windräder? Aha. Was ist denn bei Ihnen umweltfreundlich? Atom-GAUs etwa? Ok, die kommen nur alle paar Milliarden jahre vor, normal wissenschaftlich prognostiziert, aber trotzdem...

  • Hallo Schuemm...Sie sprechen von einem "sachlichen" Beitrag. Der Beitrag ist allerdings eher erfrischend.

    In einem Stromnetz muss die Einspeisung zu jedem Augenblick gleich der Stromabnahme sein.

    Ein Privathaushalt verbraucht zwischen 0 und 6 kW, durchschnittlich 100W. Eine dezentrale Stromversorgung wäre demzufolge um den Faktor 60 überdimensioniert, als Einzelagregat unzuverlässig und muss extrem flexibel der Last folgen können. Je mehr Verbraucher an ein Netz angeschlossen sind, desto mehr glättet sich der Verbrauch. Ideal ist ein Europäisches Verbundnetz in dem man Lastspitzen über Europa hinweg ausgleichen kann.

    Auf der Erzeugerseite sucht man die Kraftwerke aufgrund der Kostendegression und der Möglichkeit preiswerte Brennstoffe, Kohle, umweltfreundliche Kernenergie zu nutzen möglichst gross zu bauen und diese gleichmässig zu betreiben.

    Windmühlen und Solarzellen speisen Strom entsprechend der Launen des Wetters ein. Die Erzeugung eines umweltschädlichen Windrads kann sich innerhalb von Minuten von 0 auf 100% der Nennleistung ändern. Je mehr Windräder aus verschiedenen Regionen vernetzt sind desto eher lassen sich diese Schwankungen ausgleichen.

    In allen Staaten der Welt sucht man die Stromerzeugung in möglichst grossen, nationalen, internationalen Netze zu
    organisieren.

    "Erneuerbare" Energien Wind und Sonne sind denkbar schlecht für eine dezentrale Erzeugung geeignet.

    Vandale

  • Ich versuche es in diesem ziemlich emotionalen Umfeld mal mit einem betont sachlichen Beitrag: Es ist in der Tat so, dass der Netzausbau für die Energiewende nicht unbedingt notwendig ist. Erneuerbare Energien eignen sich nämlich excellent für einen flächendeckende dezentrale Energieversorgung! Nur: Die Energiewende wie die Bundesregierung sie versteht, baut wieder auf große zentrale Einheiten (z.B. Offshore-Wind) in der Hand der großen Energieversorger! Trotz aller (Pseudo-)Liberalisierung im Energiemarkt bestimmen immer noch die großen Energieversorger welche Energiepolitik bei uns gemacht wird und wer welchen Preis bezahlt. Die gegenseitige (auch moralische) Abhängigkeit der Energieversorger und der Politik (die in Sachen Atompolitik dem Steuerzahler fast unermessliche Milliarden-Bürden aufgelastet hat und von den Energieversorgern weggenommen hat) ist tragisch ...

  • Hallo Kohle statt Sonne...Nun, die Oekoreligion verteufelt konsequenterweise alle modernen, praktikablen Methoden der Energieerzeugung.

    Der Kohle entweichen zwar keine frevelhaften Atomstrahlen (in der Realität wird durch Kohleverbrennung mehr Radioaktivität freigesetzt als durch Kernkraftwerke), allerdings führt das freigesetzte CO2 gem. dieser Religion zu einer CO2 Klimahölle in der die Ungläubigen erschwitzen.

    Dazu gibt es eine grosse Zahl "wissenschaftlicher" Berichte der Postnormalen Wissenschaft (Focus Money Wortschöpfung).

    Vandale

  • Hallo ..Ein Bürger...Die Ingenieure versuchen aus den rein (öko)religiösen Vorgaben denen zufolge nur Strom aus mittelalterlichen Windmühlen und Solarzellen religiös korrekt ist das Beste zu machen.

    Ein Netzausbau, ca. 200.000 km auf allen Ebenen, ca. 60 Mrd. € erlaubt es den gem. den Launen des Wetters eingespeisten Windstrom durch die Vielzahl der Erzeuger etwas besser zu glätten. Die noch akzeptierten fossilen Kraftwerke müssen dann keine zu rasanten Lastwechsel hinnehmen.

    Die kurzfristige Frequenzstabilität wird durch die rotativen Massen der Turbosätze der Grosskraftwerke und die Kesselreserve gewährleistet. Solarzellen leisten hierzu keinen Beitrag. An einem sonnigem Sonntag mittag kann die Solarstromeinspeisung in manchen Regionen dominieren. Eine kurze Lastspitze könnte die Frequenztoleranz über/unterschreiten und die Kraftwerke gingen vom Netz und dieses bricht zusammen. Ein stärkeres Netz vermindert diese Gefahr.

    Vandale

  • Warum glaubt eigentlich jeder (oder doch nicht?), der Netzausbau ist der Schlüssel für den Erfolg der erneuerbaren Energien? Muß man solche Parolen nur häufig genug wiederholen, damit sie endlich richtig werden? Ich denke man hat bloß nicht den Mut zuzugeben, daß die Entscheidung für die Energiewende in dieser Form eine große Fehlentscheidung war und für Deutschland große Nachteile bringen wird. Was wollen wir eigentlich an einem bedeckten, windstillen Tag von Nord nach Süd leiten? Ich kann es Ihnen sagen – nichts!

  • Der Autor behauptet, dass "das System fester Einspeisevergütungen in Kombination mit dem Einspeisevorrang der grundlegenden Revision bedarf".
    Eine Begründung hierfür liefert er nicht. Dass momentan alle möglichen Kosten den Erneuerbaren Energien zugeschustert werden ist unlauter. Der Netzausbau wurde seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 sträflich vernachlässigt. Die Netzbetreiber haben nur die Optimierung ihrer Rendite im Auge gehabt. Wie soll die Energiewende, d. h. der Umstieg auf 100 % Erneuerbare Energien denn ohne Einspeisevorrang und EEG funktionieren?
    Oder ist die Energiewende eigentlich gar nicht gewollt?
    Und eine Verzahnung mit den Strommärkten im europäischen Ausland ist nicht trivial, zumal dort ganz andere Marktregeln gelten.
    Bei zukünftigen Kommentaren zu diesem Thema wünsche ich mir doch zumindest ein minimum an Sachkompetenz - und nicht das bloße Nachplappern von unausgegorenen Ideen einiger Politiker, die das Langfristprojekt Energiewende kurzfristig vor die Wand fahren lassen wollen.

  • Wer keine KKWs mehr haben will muss Kohlekraftwerke bauen. So einfach ist das. Und wer Kohlekraftwerke baut, kann die da bauen, wo jetzt die KKWs stehen. Der braucht dann kein EEG, keine Windräder, keine Solarfelder, keine Biomassemonokultur, keine neuen "intelligenten" Netze und Zähler und hat am Ende trotzdem einen Abgabepreis für Strom auf KKW-Niveau sprich im Bereich 3-4 Cent die kWh.
    Und Kohle gibt es noch lcoker für 1000 Jahre.
    Jede Wette: genau da wird diese "Wende" dann auch enden: beid er Kohle.

  • Und wieder werden physikalische Grundlagen bei der Energiewende einfach ausgeklammert. Die Energiewende kann nur funktionieren, wenn der Staat bereit ist, Strom zum Luxusgut werden zu lassen. Die Folgen sind klar: Die Industrie packt ihre Koffer, die normalen Menschen werden arbeitlos und das Geld reicht nicht mehr für die Stromrechnung.

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