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Kommentar Erdogan benutzt die türkische Wirtschaft als Spielball

Der türkische Präsident Erdogan kauft wohl russische Raketen, Trump droht mit Sanktionen. Die wahltaktischen Manöver könnten großen wirtschaftlichen Schaden anrichten.
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Zwischen den USA und der Türkei sind die Fronten verhärtet. Es geht um Waffenlieferungen aus Russland. Quelle: Reuters
Donald Trump (l.) und Recep Tayyip Erdoğan

Zwischen den USA und der Türkei sind die Fronten verhärtet. Es geht um Waffenlieferungen aus Russland.

(Foto: Reuters)

Fast immer, wenn der türkische Präsident über den Kauf russischer Waffensysteme spricht, macht die türkische Lira einen Satz nach unten. So auch diese Woche: „Es ist nicht so, dass ich gesagt habe, wir würden die russischen S400-Raketen irgendwann kaufen. Wir haben sie längst gekauft!“, sagte Recep Tayyip Erdogan. Die Lira hatte das Nachsehen.

Macht der Präsident weiter so, fliehen bald nicht nur die Investoren, sondern auch die ausländischen Unternehmen. Die USA drohen wegen des S400-Kaufs mit Sanktionen gegen die Türkei. Aus Sicht Washingtons soll kein Nato-Partner Waffen von den Russen kaufen. Bis zum 31. Juli müssen die Türken ihren Verzicht auf dieses Waffengeschäft erklären, andernfalls gibt es Sanktionen.

Davon wären unter Umständen auch deutsche Unternehmen betroffen. Denn US-Präsident Donald Trump neigt dazu, gleich alle zu bestrafen, die Geschäfte mit dem sanktionierten Land machen. Erdogan sollte das verhindern – und die Bundesregierung muss ihn dabei unterstützen.

Es geht hier nicht, wie bei den US-Sanktionen gegen den Iran, um einen unterentwickelten Markt, sondern um die Türkei, wo 7.000 deutsche Firmen Geschäfte machen. Konzerne wie Siemens oder die Deutsche Bank sind seit über einem Jahrhundert in dem Land aktiv. Allein Bosch steht für 1,5 Prozent aller türkischen Exporte. Erdogan muss schnell klarmachen, wie weit er das Spiel treiben will und warum er dieses Risiko überhaupt eingeht.

Nicht auszuschließen ist, dass es rein wahltaktisches Kalkül ist. Am 23. Juni wird in Istanbul, der wichtigsten Stadt des Landes, gewählt, nachdem beim ersten Wahltermin ein Oppositionskandidat mit hauchdünner Mehrheit gewonnen hatte. Erdogans AKP liegt in Umfragen knapp hinter der Opposition. Ein Verlust der Stadt nach 25 Jahren AKP-Herrschaft wäre der Anfang vom Ende der Macht Erdogans. Möglich, dass Erdogan bis zu den Wahlen sich mit Trump anlegt, um Stimmen bei den Nationalisten im Land einzufangen.

Noch ist in Sachen Sanktionen nichts entschieden. Doch alleine die Drohungen aus Washington sind ein trauriges Beispiel dafür, wohin der Konfrontationskurs Erdogans und Trumps führt: Die Unsicherheit in der Wirtschaft ist überall spürbar.

Der US-Präsident hatte einmal gesagt, er könne die türkische Wirtschaft „zerstören“. Es steht zu befürchten, dass er da sogar recht hat. Vermutlich hat er auch nichts dagegen, wenn auch die deutsche Wirtschaft unter seinen Sanktionen leidet. Auch die Bundesregierung sollte alles daransetzen, die Eskalation des Konflikts zwischen den USA und der Türkei zu verhindern. So lange es noch geht. 

Mehr: Ankara beharrt auf das Waffengeschäft mit Russland. Was das für deutsche Unternehmen bedeutet, lesen Sie hier.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Erdogan benutzt die türkische Wirtschaft als Spielball"

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  • Die deutsche Industrie, die in den letztem 5-6 Jahren in der Türkei investiert hat bzw. sich nicht wieder zurückgezogen hat. ist selbst Schuld. Dieses Risiko war spätestens seit dem "Putsch" absehbar.

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