Kommentar Erdogan tappt in die Russland-Falle

Binnen 18 Monaten hat sich Kremlchef Putin neun Mal mit dem türkischen Präsidenten Erdogan getroffen. Warum von diesem Schulterschluss vor allem Russland profitiert.
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Türkei: Recep Tayyip Erdogan tappt in die russische Falle Quelle: AFP
Waldimir Putin und Recep Tayyip Erdogan (v.l.)

Vorgespielte Partnerschaft? In der Syrien-Frage sind sich beide Staatschefs uneinig.

(Foto: AFP)

IstanbulEs ist ein deutliches Zeichen: Während Europas Regierungschefs die Türkei weitestgehend meiden, heißt Staatschef Recep Tayyip Erdogan den russischen Präsident Putin immer häufiger willkommen. Am Dienstag trafen sich die beiden an der türkischen Mittelmeerküste, um den Baubeginn eines Atomkraftwerks einzuläuten, an dem auch russische Firmen beteiligt sind.

Es ist das neunte Treffen zwischen Putin und Erdogan binnen 18 Monaten. Eine Frequenz, die sonst nur enge Partnerländer wie etwa Deutschland und Frankreich schaffen. Die beiden autoritären Präsidenten Russlands und der Türkei haben nicht nur den Führungsstil gemein, sondern auch gemeinsame politische Interessen.

Trotzdem droht Erdogan, in eine Falle zu tappen. Denn von dem Bündnis profitiert vor allem Moskau. Die Türkei droht, leer auszugehen.

Aktuell teilen beide Länder zwar einige Interessen; allen voran ihren Groll gegenüber dem Westen. Russland sieht sich zahlreichen direkten Sanktionen gegenüber. Wegen der Annektion der Krim-Halbinsel, aber auch wegen des Giftanschlags auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Skripal und dessen Tochter in Großbritannien, der dem Kreml zugeschrieben wird. An der Türkei kritisiert der Westen die Lage der Menschenrechte in dem Land. Urlauber, Unternehmer und Investoren sind derart verunsichert, dass ihre Furcht fast wie indirekte Sanktionen wirkt.

Doch nach wie vor gibt es Konfliktpotenzial. In Syrien arbeiten beide Länder zusammen, verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele. Putin will Machthaber Assad stützen, Erdogan will ihn absetzen. Auch ist noch nicht geklärt, wie der syrische Staat neu geordnet wird. Während die Türkei mit allen Mitteln verhindern will, dass im Norden eine Art kurdisches Autonomiegebiet entsteht, scheint der Kreml diese Frage ergebnisoffen zu erörtern.

Klar ist auch, dass die Türkei für die Partnerschaft mit Russland den höheren Preis bezahlt, auch in Syrien. So sind offiziellen Angaben zufolge mehr türkische als russische Soldaten bei Kämpfen in dem Bürgerkriegsland ums Leben gekommen.

Auch wirtschaftlich springt für Russland mehr raus. Das Land ist regelmäßig unter den Top 3 der Länder, aus denen die Türkei am meisten importiert. Aber beim Export kommt Russland nicht einmal in den Top 10 vor. Anders ausgedrückt: Die Handelsbilanz zwischen beiden Ländern ist nicht ausgeglichen – am Ende verdient Russland daran.

Putin: „Wir wollen Teil der Aufklärung im Fall Skripal sein“

Das zeigt sich auch bei dem Bau des Atomkraftwerks in der südlichen Türkei. Die Baukosten betragen unterschiedlichen Schätzungen zufolge 20 bis 25 Milliarden US-Dollar. Federführend ist der staatliche russische Konzern Rosatom.

Russland und die Türkei haben historisch sich schon oft angenähert, aber genau so oft auch wieder entfremdet. Erdogan sollte sich nicht einzig von kurz- und mittelfristigen geopolitischen Entwicklungen blenden lassen. Russland mag ein Ventil sein, um seine Wut auf den Westen entladen zu können. Das heißt aber nicht, dass hier eine stabile Achse gegen den Westen entsteht. Denn Putin und Erdogan teilen noch eine Eigenschaft: Sie lassen sich ungerne von anderen etwas vorschreiben.

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13 Kommentare zu "Kommentar: Erdogan tappt in die Russland-Falle"

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  • aus Köln schrieb; Lieber Herr Demircan, in Ihren aktuellen Artikel möchte ich den allerletzten, den wohl zutreffenden Satz, "Sie lassen sich ungerne von anderen etwas vorschreiben" aufgreifen und würde gerne annehmen oder hoffen, daß Sie damit in der Tat, nunmehr "das türkische Volk" mitmeinen wollen. Eigentlich, die aufkommende, die (auch) hierzulande offenbar stark irritierend wirkende "normative Kraft" der "unwiderrufbaren geographischen Fakten in der Region Eurasia", die "Dem, bisher immer Macht-verwöhnten, Westen" jetzt unverständlicherweise schwer fällt, zu verstehen und akzeptieren.

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  • Wer schon immer vor Merkel warnte, wird nicht enttäuscht werden. Unsere gute Regierungsverwalterin Merkel führt die Eu und damit Deutschland mittelfristig in den Ruin.
    Anstatt sich um eine enge wirtschaftliche Anbindung an Russland zu kümmern, die es für Russland schwer machen würde die EU ideologisch und politisch anzugreifen. Stattdessen, betreibt Merkel fahrlässige Politik zu beiden , Putin und Erdogan. Glaubt Merkel wirklich, die Deutschen werden ihr die Öffnung der Grenzen, die Selfies mit Flüchtlingen, und das völlige Fehlen eines durchdachten Integrations- und Abschiebungsplan, auf Dauer verzeihen?
    Merkel hat weder Visionen für ein besseres Europa , noch eine überragende Initiative, Putin zu binden. Im Gegenteil, Merkel beisst sich an der Krim fest und schliesst die Augen vor Völkerrechtsverstössen der USA , von Gb und der Türkei. Wäre Merkel nicht eine gute Verwalterin des jeweiligen Zustandes der republik, wäre Merkel schneller weg als es tatsächlcih passiert. Erdogan mit Putin ist das Versagen Merkels.

  • Dieser Artikel liest sich wie ein State Department Propagandaartikel oder irgendwelche Fake-News aus US Denkfabriken.

    Souveräne Staaten dürfen Kontakte mit anderen souveräne Staaten pflegen die gemeisamen Interessen haben.

    Unsouveräne Staaten und US Vasallen dürfen sich nicht mal eine Pipeline die eigenen Interesse dient bauen lassen.

    Mit guten Kontakten zu Russland nimmt sich Erdogan die Freiheit US Jets abzuschiessen die eine Türkei die US Interessen nicht mehr dienen will zu "demokratisieren" und zu "befreien" versuchen.

    Klar dass die US Militärs und Diplomaten schäumen.

  • Ihr Kommentar ist nicht nachvollziehbar:
    Die Türkei erhält ein günstiges Kernkraftwerk, Russland Devisen - ein normales Geschäft zu beiderseitigen Vorteil!
    Da muss man keine Falle widern! Außer man ist überängstlich!

  • ich habe es immer gesagt:

    Russland und IS-rael werden eine gemeinsame Grenze haben und beide werden Nachbarn von Persien.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Sven NSA Euro
    04.04.2018, 11:40 Uhr
    Schon mal davon gehört, Eurasische Union, mit Verkehrsverbindung von Istanbul bis Wladiwostok. 11.000 km moderne Autobahn. Hier steckt langfristiges wirtschaftliches Potential ohne Ende. Und die hier meckern sind doch erstaunt was ohne die aufgedrückten Werte so alles geht.

    ..................................

    Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf.

    Der KGB hat PLÄNEN FÜR ALLES UND DIESES SEIT JAHREN IN DEN EIGENEN SCHUBLADEN !!!

    Während diese Europäische Union nur 37 Stundenwoche arbeitet und während sich Krisen Weltweit ergeben dann diese EU noch Überstunden abfeiert, da arbeiten anderstwo manche Tag und Nacht daran für sich alles genau vorher durchzuschauen und durch zu berechnen.

    BESTER BEISPIEL: Russland errechnete sogar an dem EU-Mitgliedsstaat Österreich daß es auf Dauer unwirtschaftlich sei sich als einzelne nation durchzuführen.

    Desweiteren suchen jetzt deutsche im Brasil nach Energie Quellen ?

    FRAG MAL RUSSLAND, die wissen fast Millimeter genau wo es auf dem Globus etwas zu holen wäre.

    Doch wir interessieren uns in Europa nur noch welcher Fußball Verein gestern wie das Spiel hat ausgehen lassen.

    Durch diese uns selber zugeführte Gehirnwäschen schaden wir uns selbst weil die Politiker und Manager dann unkontrolliert machen und tun was diese wollen !

  • KOMMENTAR
    Erdogan tappt in die russische Falle
    Binnen 18 Monaten hat sich Kremlchef Putin neun Mal mit dem türkischen Präsidenten Erdogan getroffen. Warum von diesem Schulterschluss vor allem Russland profitiert.

    ..................................

    WANN KOMMT DIE OFFIZIELLE BEKANNTGABE DASS DIE TÜRKEI DER EURASISCHE UNION SEIN NEUESTEN MEMBER IST ODER WERDEN SOLL ?????



  • @ Udo Schäfer ...nur war Mehmed II hochgebildet, des Griechischen mächtig und verstand sich bestens mit dem grecophonen orthodoxen Klerus. Auch wenn manch ein Zelot schneller ins Paradies kamm als er glauben wollte. Aber man glaubt sich tatsächlich etwas später also in das 18. , 19. Jahrhunder zurückversetzt, als Griechenland sich als geostrategischen Spielplatz europäischer Interessen etablierte und auch Österreich sich mit den Ottomanen verbündete.

  • Schon mal davon gehört, Eurasische Union, mit Verkehrsverbindung von Istanbul bis Wladiwostok. 11.000 km moderne Autobahn. Hier steckt langfristiges wirtschaftliches Potential ohne Ende. Und die hier meckern sind doch erstaunt was ohne die aufgedrückten Werte so alles geht.
    Und der Krieg wird in Syrien auch beendet. Putin dringt darauf. Syrien wird das Land wo zukünftig alle Glaubensrichtungen friedlich miteinander auskommen. Das ist das Ziel von Assad in Kooperation mit Putin.

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