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Kommentar Es braucht dringend eine Gegenmacht zu Big Tech

Die Coronakrise wird Google, Apple, Facebook und Amazon noch mächtiger machen. Eine strikte Wettbewerbskontrolle ist nun wichtiger denn je.
21.04.2020 - 15:38 Uhr Kommentieren
Im Gegensatz zu ihren Wettbewerbern werden die Giganten in den nächsten Monaten volle Kassen haben. Quelle: Reuters
Logos der US-Tech-Konzerne

Im Gegensatz zu ihren Wettbewerbern werden die Giganten in den nächsten Monaten volle Kassen haben.

(Foto: Reuters)

In der Coronakrise können sich die großen Technologiekonzerne präsentieren: Amazon versorgt die Menschen mit dem Notwendigsten und hält mit seiner Cloud-Computing-Tochter AWS das Internet am Laufen.

Microsoft ermöglicht Unternehmen den Übergang ins virtuelle Büro. Google und Apple bilden eine seltene Allianz zur Corona-Eindämmung via Smartphone, und Facebook verfolgt Lügen über die Pandemie auf seiner Plattform stringenter, als es gegen politische Lügen vorzugehen je bereit war. In der Krise erscheint Big Tech verantwortungsvoll wie nie.

Politiker und Wettbewerbshüter, die kürzlich noch die harte Regulierung oder gar Zerschlagung der US-Digitalkonzerne forderten, werden es bald schwerer haben. Warum gerade gegen die Konzerne vorgehen, die in der tiefsten globalen Krise unserer Generation eine so gute Figur gemacht haben?

Die, wie Amazon, knapp 200.000 Mitarbeiter einstellen, während Millionen anderswo entlassen werden? Außerdem sind feurige, linke Politiker wie Elizabeth Warren oder Bernie Sanders aus dem US-Präsidentschaftsrennen ausgeschieden. Das wird den politischen Eifer bremsen, Big Tech seine Grenzen aufzuzeigen.

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    Genau das aber wird in und nach Coronazeiten wichtiger sein denn je. Die Krise wird noch mehr Macht in den Zentralen der Westküstenkonzerne konzentrieren – und sei es nur dadurch, dass sie ihre Konkurrenten härter trifft als Apple, Amazon, Microsoft, Google und Facebook.

    Den Einbruch im Werbegeschäft werden Google und Facebook wegstecken können, doch für die kleineren Konkurrenten Twitter und Snap könnte die Rezession lebensbedrohlich werden. Slack erklärte, sein Büro-Messenger habe wegen des globalen Zwangs zum Homeoffice nun zwölf Millionen tägliche Nutzer. Microsoft reagierte mit der Ansage, man habe allein in sieben Tagen zwölf Millionen Nutzer für seinen Slack-Konkurrenten Teams gewonnen.

    Volle Kassen

    Der wichtigste Vorteil der Giganten wird in den nächsten Monaten aber ihre volle Kasse sein. Allein Apple sitzt auf mehr als 100 Milliarden Dollar liquiden Mittel, damit lässt sich jede Rezession aussitzen. Gefährlich wird es, wenn die Digitalriesen ihr Geld, ihr tadelloses Anleiherating und ihren Zugang zu quasi kostenlosem Kapital nutzen, um angeschossene Konkurrenten zu übernehmen.

    Die Fantasie von Analysten rund um Mega-Übernahmen blüht in diesem Corona-Frühling noch bunter als sonst: Apple könnte Disney kaufen und damit nicht nur eine Träumerei der beiden Ex-CEOs Steve Jobs und Bob Iger wahr werden lassen, sondern auch Apples Dominanz auf den TV-Geräten der Welt durchsetzen.

    Google könnte den Taxidienst Lyft übernehmen und so die Technologieführerschaft seiner Tochter Waymo bei der Entwicklung autonomer Autos wortwörtlich auf die Straße bringen. Facebook könnte den Videokonferenzdienst Zoom übernehmen und seinem Videochat-Portal mit der in der Krise populär gewordenen App zum Durchbruch verhelfen.

    Keine dieser Multi-Milliarden-Übernahmen scheint sehr wahrscheinlich, aber es ist auch noch früh in der Krise. Aber was, wenn ein Unternehmen wie Lyft, das noch nie Gewinn und zurzeit nicht mal nennenswert Umsatz macht, auf den Bankrott zutaumelt? Wer wollte dann einem weißen Ritter in den Arm fallen? Wer wollte dann die Fahne des Wettbewerbs hochhalten, wenn das erst mal Tausende Arbeitsplätze bedroht?

    Die Netzwerkeffekte sozialer Medien, die Null-Grenzkosten-Logik der Softwareentwicklung und die Verbesserung der Dienste durch Aggregation von Nutzerdaten führen dazu, dass die Software- und Internetbranche stärker zur Monopolisierung neigt als die meisten anderen.

    Schon heute werden die Apps, mit denen wir uns privat austauschen, unser Arbeitsleben organisieren oder uns über die Welt informieren, von einer Handvoll Konzernen gesteuert, deren Zentralen man in einem straffen Tagestrip abfahren könnte – die Hardware und die Betriebssysteme, auf denen wir all das tun, nicht zu vergessen.

    Günstige Gelegenheit

    Zuletzt ließen die großen Tech-Konzerne ihre Scheckbücher zwar stecken – auch weil sie um das Misstrauen des US-Justizministeriums und der EU wissen. Aber die Gelegenheit ist günstig. Der US-Wahlkampf wird sich in der Wirtschaftskrise drängenderen Problemen zuwenden als der Regulierung von Big Tech. Auch scheinen weder Donald Trump noch sein wahrscheinlicher Gegenkandidat Joe Biden den mächtigen Tech-Konzernen viel mehr entgegensetzen zu wollen als wohlfeile oder von persönlichen Motiven getriebene Verbalattacken.

    Umso wichtiger ist es, dass die EU in der Wettbewerbspolitik weiter den Takt vorgibt und Übernahmen, die die Macht der ganz Großen weiter zementieren, zur Not auch unilateral untersagt. Die Entscheidung, zu den scheinbar doch so wohlmeinenden Tech-Riesen im Zweifel Nein zu sagen und ihre Übernahmeziele in die Bredouille zu stürzen, wird in der Rezession schwerer werden.

    Doch nichts ist gefährlicher, als die mächtigsten Konzerne noch mächtiger werden zu lassen.

    Mehr: Sicherheitspannen und Datenschutzvorwürfe: Wie Zoom reagiert.

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