Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Es ist nicht die Religion, Dummkopf!

Christian Rickens findet es falsch, mit Thilo Sarrazin über Faktenfehler zu streiten.
Update: 02.09.2018 - 14:49 Uhr 1 Kommentar
Die Religion ist selten der ausschlaggebende Faktor bei der Integration, ebenso wenig wie Nationalität oder Kulturkreis. Quelle: AFP
Thilo Sarrazin bei der Präsentation seines Buchs

Die Religion ist selten der ausschlaggebende Faktor bei der Integration, ebenso wenig wie Nationalität oder Kulturkreis.

(Foto: AFP)

Am Ende einer verstörenden Woche erscheint Deutschland so gespalten wie lange nicht. Es begann mit den rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz. Am Donnerstag dann stellte Thilo Sarrazin sein neues Buch vor. Eine Abrechnung mit dem Islam, die in der Forderung mündet, jegliche Einwanderung von Muslimen nach Deutschland zu stoppen. Während ich diese Zeilen schreibe, steht „Feindliche Übernahme: Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ bei Amazon auf Platz Eins der Verkaufsrangliste. Die 120 Kundenbewertungen fallen zu drei Vierteln überschwänglich positiv aus.

In nahezu allen Medien hingegen wurde das Buch verrissen. Wobei es Sarrazin seinen Kritikern leicht macht. Sein Werk weist zahlreiche Faktenfehler auf, angefangen bei falschen Jahreszahlen und Namensschreibweisen.

Und wenn schon! Lohnender wäre es, die eigentliche These von Sarrazins Pamphlet zu diskutieren: Wieviel hat das Unbehagen, das viele Deutsche bei bestimmten Zuwanderergruppen beschleicht, mit deren muslimischer Religion zu tun? Und wieviel trägt der Islam zu den Integrationsproblemen mancher Migranten bei?

Ein Zuwanderer ist ja nicht einfach nur Moslem, Christ oder Atheist. Er hat darüber hinaus eine Nationalität, er kommt aus einer bestimmten Gesellschaftsschicht, aus einem Kulturkreis und hat eine bestimmte Migrationserfahrung hinter sich. Je genauer man sich den Einzelfall anschaut, desto stärker zeigt sich: Die Religion ist selten der ausschlaggebende Faktor bei der Integration, ebenso wenig wie die Nationalität.

Viel entscheidender sind der Bildungsstand (je höher, desto leichter fällt im Schnitt die Eingliederung) und die Migrationserfahrung, hier vor allem: Der Anreiz, sich rasch in die neue Gesellschaft zu integrieren. Wenn die Integration schief gegangen ist, erst dann wird die Religion bisweilen zur geistigen Fluchtburg, in der sich Migranten das eigene Scheitern schönglauben.

Wer als Araber in Berlin auf einen Kippaträger eindrischt, tut das in der Regel nicht, weil er Moslem ist, sondern weil in seinem Leben sonst eine Menge schief gelaufen ist. Das gleiche gilt übrigens für den Demonstraten, der in Chemnitz den Arm zum Hitlergruß hochreißt.

Anstatt mit Thilo Sarrazin über Jahreszahlen zu streiten, sollten wir lieber darüber diskutieren: Warum gelingt es uns in Deutschland oft so schlecht, Migranten zu integrieren? Dazu gehört für mich auch, Neuankömmlingen unmissverständlich klar zu machen, dass Integration in Deutschland nicht optional ist, sondern verpflichtend. Und dass sie mindestens so sehr Bringschuld der Migranten ist wie der Gesellschaft, die sie aufnimmt.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Es ist nicht die Religion, Dummkopf!

1 Kommentar zu "Kommentar: Es ist nicht die Religion, Dummkopf!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Offenbarungsreligionen sind Kultur mit Absolutheitsanspruch. Das sogenannte Melting-Pott-Konzept (Patchwork-Religiosität) funktioniert bei Kultur, deren Anhänger ihre Kultur für die einzig wahre halten, nicht.

    Natürlich ist Religion ein Integrationshemmnis.

Serviceangebote