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Kommentar Es ist Zeit, die Corona-Ängste zu überwinden

Die Reisewarnungen der Bundesregierung in der Coronakrise sind fragwürdig und willkürlich. Sie sorgen für Unsicherheit und schaden der Wirtschaft.
01.10.2020 - 16:08 Uhr 1 Kommentar
Nötig wäre ein industriepolitischer Dialog, der Perspektiven schafft. Quelle: dpa
Sonnenaufgang am Flughafen

Nötig wäre ein industriepolitischer Dialog, der Perspektiven schafft.

(Foto: dpa)

Kein Tag vergeht, an dem nicht eine Region der Welt von der Bundesregierung via Robert Koch-Institut zum Risikogebiet ausgerufen wird. Jedem Einzelnen vergällt dies die Reiseplanung, ganz gleich ob als Tourist oder Geschäftsreisender, ob in den nächsten Tagen und Wochen oder in ein paar Monaten.

Die Kanzlerin und ihr Gesundheitsminister empfehlen schon, in Deutschland zu bleiben und hier die Ferien zu verbringen. Die reiselustigen Deutschen sollen sich nicht über die Welt verteilen, sondern sich in den heimischen Urlaubsgefilden knubbeln oder am besten gleich ganz zu Hause bleiben.

Die neue „Freiheit nach Fallzahlen“, die die Bundesregierung per Verordnung seit März gewährt, sorgt inzwischen vor allem für Unsicherheit: Was vor Reisebeginn noch gilt, kann sich Minuten vor der Abfahrt, am Zielort oder auf der Rückreise ändern, ohne dass das eigene Verhalten eine Rolle spielt.

Ganz gleich ob Mundschutz, Abstand oder Händewaschen: Steigt die Zahl der Infektionen in den vergangenen sieben Tagen je 100.000 Personen über die magische Grenze von 50, schrillt die Alarmglocke. Und sie wird lauter schrillen, je kälter und feuchter es im Herbst und Winter wird.

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    Das Vorgehen aber hat dramatische Folgen in den Urlaubsgebieten, aber nicht nur da. Manager und Ingenieure können nicht mehr so einfach wichtige Reisen zu ihren Auslandsdependancen antreten. Zu groß ist das Risiko, im Zielland und/oder später zu Hause in Quarantäne gehen zu müssen.

    Kommentar zur Corona-Pandemie: Unsere Ängste überwinden Quelle: dpa
    Schutzmaßnahmen

    Die Parteien müssen einen Weg finden, der Freiheit und Verantwortung wieder in einen verfassungsgemäßen Einklang bringt, findet unser Autor Daniel Delhaes.

    (Foto: dpa)

    Allein das Wissen um diese Unsicherheiten variiert dabei noch von Fall zu Fall, sodass vorab ein langes Studium nötig ist, um zu wissen, worauf sich jeder einlässt, der den Schritt ins Ausland wagt – verbunden mit dem Risiko, dass diese Momentaufnahme tags darauf schon überholt sein kann. Das gilt nicht nur für Urlauber und Unternehmer, sondern auch etwa für Profisportler, die nicht wissen, ob sie nach einem Wettkampf in einem Risikogebiet am Wochenende drauf noch zu Hause antreten dürfen.

    Im jüngsten Fall erfuhren die Deutschen am Mittwochabend, dass die schwarze Liste um Belgien und Island sowie Regionen in neun europäischen Ländern ergänzt wurde, erstmals auch um Teile Großbritanniens.

    Nichts ist indes wichtiger als Verlässlichkeit. Das gilt im Privaten wie im Wirtschaftsleben. Dafür muss Politik sorgen. Doch anstatt einen souveränen Umgang mit dem Virus – das vermutlich noch viele weitere Jahre durch die Welt schwirren wird – zu entwickeln, reagiert die Politik noch ähnlich aufgeregt und unroutiniert wie zu Beginn der Pandemie. Dabei wurden Versäumnisse der Vergangenheit im Gesundheitswesen angegangen. Auch nimmt das Wissen über Sars-CoV-2 täglich zu.

    Die politische Hoffnung besteht derzeit darin, dass es einen Impfstoff geben könnte, was aber alles andere als gewiss ist. Und so macht sich Lethargie im Land breit: Wer nicht planen kann, der investiert auch nicht, der schafft nichts Neues, sondern zieht sich auf das zurück, was ihm geblieben ist.

    Nötig wäre es, Perspektiven zu schaffen

    Die Folgen zeigen sich von Tag zu Tag deutlicher: Die Tourismuswirtschaft liegt am Boden, ebenso ist der Luftverkehr zusammengebrochen und wird sich nicht mehr so einfach erholen. Das gilt nicht nur für eine Lufthansa oder die Flughäfen: Die Hightech-Bereiche der Flugzeughersteller und Zulieferer hat es mit derselben Wucht getroffen. Ihre Geschäftsmodelle sind zusammengebrochen: Arbeitsplätze en masse werden abgebaut, der Industriestandort Deutschland mit seinen Innovationen wird geschwächt.

    Nötig wäre ein industriepolitischer Dialog, der Perspektiven schafft. Die Unternehmen aber stellen mit jeder neuen Beschränkung fest, dass nicht nur das Geschäftsjahr 2020 verloren ist, sondern auch die Zeiten im kommenden Jahr düster sein werden. Hinzu kommen die verordneten Beschränkungen und Verbote, die das gesellschaftliche Leben weiter fesseln, sei es öffentlich oder im Privaten.

    Da klingt es schon komisch, wenn die Kanzlerin appelliert, wir sollten alle „wieder mehr aufeinander Acht“ geben, dann werde das Leben zurückkommen, so wie „wir es kannten“. Die meisten Menschen geben Acht. Sie sind bereit, Verhaltensregeln einzuhalten. Doch nimmt ihnen das niemand ab.

    Spätestens in ihren Wahlprogrammen werden die Parteien erklären müssen, wie sie sich ein Leben in Zeiten der Pandemie vorstellen. Besser wäre es allerdings, wenn sie schon vorher die Debatte führen und einen Weg finden, der Freiheit und Verantwortung wieder in einen verfassungsgemäßen Einklang bringt.

    Dem römischen Philosophen Seneca wird ein Satz zugeschrieben, der in die heutige Zeit als Ratgeber passt: „Doch es gibt keinen Grund zu leben und kein Ende unserer Misere, wenn unsere Ängste überhandnehmen.“

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Es ist Zeit, die Corona-Ängste zu überwinden"

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    • Endlich spricht es mal jemand aus: "Doch anstatt einen souveränen Umgang mit dem Virus – das vermutlich noch viele weitere Jahre durch die Welt schwirren wird – zu entwickeln...". Wir haben schon immer mit Viren gelebt und sind daran gestorben. Das ist Teil der Normalität. Warum dieser Virus dermaßen viel Einfluss bekommt ist mir ein Rätsel. Von 2500 Toten, die Deutschland jeden Tag zu beklagen hat, sterben seit Mitte Mai 10 mit dem Virus. 330 hingegen durchs Rauchen, 50 am Krankenhauskeim und ebenso viele durch Behandlungsfehler. Hier fehlt für mich die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen. Maßnahmen, die übrigens ihrerseits direkt Menschenleben fordern. Tod durch Vereinsamung in Altenheimen, Tod durch verschobene OPs, Tod durch Angst, zum Arzt zu gehen. Vielleicht sogar Tod durch die Maske, weil man sich mit selbst gezüchteten Bakterien- und Schimmelkulturen vergiftet hat. Es wird Zeit, zur Normalität zurückzukehren.

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