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Kommentar Euphorie schützt Unternehmen nicht vor Kursstürzen

Nach den jüngsten Quartalszahlen von SAP brach die Aktie ein. Das hätte der Konzern vermeiden können. Andere Dax-Chefs machen vor, wie es besser geht.
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Der gelernte und exzellente Vertriebler bleibt seinem Optimismus treu. Quelle: SAP AG
SAP-Chef Bill McDermott

Der gelernte und exzellente Vertriebler bleibt seinem Optimismus treu.

(Foto: SAP AG)

Wer vermittelt seinen Aktionären am ehesten, dass er den Herausforderungen im Abschwung gewachsen ist? Gute Unternehmensbilanzen sind wichtig, doch sie spiegeln „nur“ die Vergangenheit wider. Die Börse verlangt mehr, denn sie spekuliert auf die Zukunft. Den Investoren viele lukrative Ideen aufzuzeigen, ohne dabei der Versuchung zu erliegen, zu viel zu versprechen, ist Aufgabe der Konzernchefs.

Hier die geeignete Ansprache zu finden ist eine Gratwanderung. Sie gelingt nicht immer, wie jüngst SAP bei der Präsentation seiner Quartalsergebnisse erfahren musste. Der Aktienkurs brach um sieben Prozent ein, und das Unternehmen verlor gut zehn Milliarden Euro an Wert. Mit einer besseren Kommunikation hätte sich SAP wohl viel Leid ersparen können.

Dabei versteht sich SAP-Chef Bill McDermott wie wohl kein anderer Dax-Chef aufs Begeistern. Nie ist etwas nur gut oder groß. Viel lieber spricht der Amerikaner, so wie im April im Handelsblatt, von der Neuerfindung des Kerngeschäfts, um so den Börsenwert bis 2023 auf 300 Milliarden Dollar mal eben fast zu verdoppeln. Solange das Geschäft und die Aktienmärkte laufen, kaufen Aktionäre solche Superlative den Konzernen gerne ab.

Erst recht, wenn SAP die Erwartungen anhebt, wie es im vergangenen Jahr gleich dreimal der Fall gewesen ist. Doch wehe, wenn es knirscht wie jetzt. Das Geschäft mit Software und Cloud-Diensten wuchs langsamer als erwartet, der Konzernumbau samt Abfindungen und Vorruhestandsprogrammen verhagelte die Bilanz im ersten Halbjahr.

Doch der gelernte und exzellente Vertriebler blieb seinem Optimismus treu. Die enttäuschenden Quartalszahlen versah McDermott mit der Einschätzung: „Wir sind voll in der Spur.“ Damit verunsicherte er die Aktionäre mehr, als dass er sie beruhigte.

Noch unglücklicher erscheint die Kommunikation bei Volkswagen – und das schon seit Jahren. Dabei musste der größte Autobauer bislang gar nicht davor warnen, dass die Gewinne aufgrund des Dieselskandals geringer ausfallen könnten als erwartet.

Der Trick: VW stellte schon 2018 seine Prognose unter den Vorbehalt „ohne Sondereinflüsse“. Darunter verstehen die Wolfsburger unter anderem die „Dieselthematik“ – ein konzerneigener, aber irreführender Begriff. Gemeint ist der maßgeblich von VW verursachte Abgasskandal. VW klammert also den Skandal und alle möglichen Folgen aus – und kommt so um Hiobsbotschaften herum.

Doch zu glauben, Anleger erfreut solch eine Kommunikation, wäre naiv. Seit dem Frühjahr 2015 hat VW 40 Prozent an Wert verloren. Wie sehr das Vertrauen gesunken ist, zeigt die Bewertung: Anleger bezahlen den gesamten Konzern und heruntergerechnet jede Aktie nur noch mit dem fünfeinhalbfachen Jahresnettogewinn.

Realismus und Fachkenntnis wären besser

Noch billiger ist nur eine Aktie im Dax – auch sie leidet unter erheblichem Vertrauensverlust: Lufthansa. Seit Jahren hofft Konzernchef Carsten Spohr auf bessere Zeiten und darauf, dass die Ticketpreise endlich steigen. Doch gerade deshalb bietet die Bilanz jedes Mal viel Enttäuschungspotenzial – eben weil die Preise nicht steigen.

Aktionäre halten nichts von Durchhalteparolen à la: „Wir erleben gerade die finale Phase vor der Konsolidierung“, wie Spohr sie bei der Präsentation des operativen Verlusts im ersten Quartal lieferte. Anstatt auf diese finale Phase zu spekulieren, warten Anleger auf Ideen und Visionen, wie sich mit Flügen mehr Geld verdienen lässt.

Besser wären Realismus und Fachkenntnis. Protagonist dafür ist Markus Braun vom Zahlungsdienstleister Wirecard. Auf Blitzlichter der Fotografen reagiert der Österreicher üblicherweise mit stoischer Ruhe. Anstatt in Euphorie zu verfallen, wie es die rasanten Ertragssteigerungen durchaus rechtfertigen würden, besinnt sich der studierte Physiker auf seine Stärken: Technik, Zahlen und Liebe zum Detail.

Niemand kann Wirecard vorwerfen, die Aktie steige aufgrund eines überbordenden Optimismus des Vorstands – im Gegenteil: Das Management verfasst die Prognosen stets so konservativ, dass genug Potenzial für positive Überraschungen bleibt.

Der Däne verkauft den Sportartikelhersteller nicht nur als ultimative Erfolgsgeschichte, sondern auch als Unternehmen mit Problemen. Quelle: dpa
Adidas-Chef Kasper Rorsted

Der Däne verkauft den Sportartikelhersteller nicht nur als ultimative Erfolgsgeschichte, sondern auch als Unternehmen mit Problemen.

(Foto: dpa)

Ein Meister der Kommunikation ist Kasper Rorsted. Erfolg ist dem Adidas-Chef nicht genug. Da zeigt der Däne durchaus eine Seelenverwandtschaft mit dem Amerikaner McDermott. Doch Rorsted präsentiert sich den Finanzmärkten vielschichtiger.

Er verkauft Adidas nicht nur als ultimative Erfolgsgeschichte, sondern auch als Unternehmen mit Problemen, wie jüngst im Zusammenhang mit den falsch geplanten Lieferketten im globalen Handel. Davor waren es zu komplizierte Geschäftsprozesse. Es geht also keineswegs darum, Schwierigkeiten einfach wegzuwischen, sondern darum, sie offensiv zu skizzieren und zu entlarven.

Visionen, kombiniert mit kluger Fehleranalyse, schaffen das Bild eines ehrgeizigen Unternehmens, das besser werden kann – und deshalb Kursfantasie beflügelt. Das gilt erst recht in geopolitisch wie konjunkturell schwierigen Zeiten. Von solchen Firmen und Chefs braucht der deutsche Kurszettel mehr. Dann würde der Dax auch nicht mehr den anderen Börsen hinterherhinken.

Mehr: Der Software-Konzern SAP verspricht den Aktionären mehr Profit. Doch von der Quartalsbilanz sind die Anleger enttäuscht – der Aktienkurs stürzt ab.

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