Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Europa darf sich bei Schlüsseltechnologien nicht abhängig machen

Je mehr der Machtkampf zwischen den USA und China eskaliert, desto schwieriger dürfte es für Europa werden, sich dem Ganzen zu entziehen.
06.08.2020 - 16:41 Uhr Kommentieren
(Foto: Mohr Karikatur)
Trennung der amerikanischen und chinesischen Datenströme

(Foto: Mohr Karikatur)

Huawei und Tiktok waren nur der Anfang. Wenn sich US-Außenminister Mike Pompeo mit seiner „Säuberung“ des westlichen Technologiesektors von chinesischen Einflüssen durchsetzt, dann werden zwischen China und die USA bald alle Kabel- und Internetverbindungen gekappt, und die Welt zerfällt in zwei konkurrierende Technospähren.

Vor 14 Jahren erfand der britische Historiker Niall Ferguson zusammen mit dem deutschen Ökonomen Moritz Schularik den Begriff „Chimerica“, um die bis dahin symbiotischen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und China zu beschreiben. „Heute ist Chimerica tot“, konstatiert Ferguson mit der Gewissheit eines Pathologen. Donald Trump lieferte eine Kriegserklärung nach: „Wir könnten die gesamte Beziehung (zu China) abbrechen und würden 500 Milliarden Dollar sparen“, drohte kürzlich der US-Präsident. 

So einfach ist das zwar nicht, aber die US-Regierung arbeitet nach Kräften an einer Abkopplung und versucht auch, andere Länder wie Deutschland mit in den kalten Technologiekrieg zu ziehen. Entweder ihr seid mit uns oder für China, so lautet die diabolische Wahl. Europa ist gut beraten, sich dem Entweder-oder zu verweigern und anhand seiner eigenen Interessen zu entscheiden, wo mehr Distanz zu China geboten und wo weitere Zusammenarbeit möglich ist.

Trump führt seinen Wirtschafts- und Technologiekrieg gegen China mit einer Doppelstrategie. Zunächst verwandelte er die Abhängigkeit Chinas vom US-Markt und amerikanischen Know-how in eine „Waffe“, um mit Strafzöllen, Sanktionen und Embargos Peking unter Druck und seine „America first“-Politik durchzusetzen. Die beiden US-Wissenschaftler Henry Farrell und Abraham Newman haben das treffend als „weaponized interdependence“ beschrieben. 

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Dass dies auch US-Unternehmen trifft, die vom chinesischen Markt oder von Importen aus China abhängig sind, nimmt der Wirtschaftskrieger Trump billigend in Kauf. In einem zweiten Schritt versucht die US-Regierung jetzt, China technologisch zu isolieren. Dass gegenseitige Abhängigkeiten in der globalisierten Weltwirtschaft als Waffe im geopolitischen Machtkampf missbraucht werden, führt nun dazu, dass Nationen wieder auf Distanz zueinander gehen. Durch die Covid-19-Pandemie hat sich das „Decoupling“ zwischen den USA und China noch einmal beschleunigt.

    Viele Vorwürfe der USA gegen China sind berechtigt. Chinesische Technologiekonzerne wie Huawei oder Tencent werden mit Staatsgeldern im Schutz der chinesischen Firewall zu Global Playern hochgepäppelt. Den Diebstahl geistigen Eigentums westlicher Unternehmen hat Peking trotz aller Versprechungen bis heute nicht im Griff. Von einem fairen und offenen Marktzugang, wie ihn die chinesische Führung für ihre Firmen immer wieder beansprucht, kann in China selbst keine Rede sein. 

    Die Angebote westlicher Konkurrenten wie Google oder Facebook werden aus politischen und wirtschaftlichen Gründen blockiert. Solange in China nicht ein unabhängiger Rechtsstaat, sondern die kommunistische Partei das letzte Wort hat, ist Chinas Tech-Konzernen nicht zu trauen. Zumindest nicht in Fragen, die für den Bestand und die Sicherheit liberaler Demokratien existenziell sind.

    Komplette Abkoppelung von China ergibt wenig Sinn

    Hinzu kommt, dass auch China fleißig daran arbeitet, seine eigene Einflusssphäre in der Technologiewelt zu vergrößern. Dabei spielen die digitalen Seidenstraßen eine wichtige Rolle. Versucht die Regierung in Peking doch auf diesen Wegen, nicht nur ihre Technologien wie 5G, sondern auch ihre Vorstellungen von Überwachung und Kontrolle im digitalen Zeitalter zu exportieren. Nach einer Untersuchung der Carnegie Endowment for International Peace, einer Denkfabrik in Washington, ist China die mit Abstand treibende Kraft bei der weltweiten Verbreitung von intelligenten Überwachungstechnologien. 

    Von den Abnehmern chinesischer Technik sind 36 Länder an Pekings Seidenstraßen-Initiative beteiligt. „Es überrascht nicht, dass Länder mit autoritären Systemen und geringen politischen Rechten stark in Überwachungstechniken mit Künstlicher Intelligenz investieren“, heißt es in der Carnegie-Studie.

    Je mehr der Machtkampf zwischen den USA und China eskaliert, desto schwieriger dürfte es für Europa werden, sich dem zu entziehen. Die westliche Wertegemeinschaft bindet die Europäer dauerhaft an die USA, die eigenen Interessen und globale Herausforderungen verlangen jedoch eine Politik, die sich in Stil und Inhalt von der Amerikas immer wieder unterscheiden wird. Eine komplette Abkoppelung von China ergibt für die Europäer weder wirtschaftlich Sinn, noch hilft es ihnen, dem Klimawandel zu begegnen, Pandemien zu vermeiden oder den Frieden zu sichern. 

    Nichts spricht dagegen, dass Europa mit China auf diesen Gebieten weiter zusammenarbeitet und auch die wirtschaftlichen Beziehungen zum Reich der Mitte dort ausbaut, wo es beiden Seiten gleichermaßen nutzt. Alles spricht jedoch dagegen, dass Europa sich in Schlüsseltechnologien wie 5G oder Künstlicher Intelligenz, deren Bedeutung für seine künftige Sicherheit und Souveränität weit über die Wirtschaft hinausreichen, von einem Regime abhängig macht, das seine Werte nicht teilt und einem merkantilistischen Nationalismus huldigt. 

    Mehr: Warum Microsoft auf Tiktok schielt - und warum der Kauf ein großes Risiko wäre

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Europa darf sich bei Schlüsseltechnologien nicht abhängig machen
    0 Kommentare zu "Kommentar: Europa darf sich bei Schlüsseltechnologien nicht abhängig machen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%