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Kommentar Europa muss einen IWF-Chef aus einem Schwellenland zulassen

Europa und die USA schanzen sich die Chefposten von Weltbank und IWF gegenseitig zu. Es ist nun an der Zeit, den Rest der Welt zu beteiligen.
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Die Ökonomin wird neue Chefin der Europäischen Zentralbank. Quelle: AFP
Christine Lagarde

Die Ökonomin wird neue Chefin der Europäischen Zentralbank.

(Foto: AFP)

Der Anspruch, den die Europäer auf das Spitzenamt beim Internationalen Währungsfonds (IWF) erheben, ist ein Unfall der Geschichte.

Eigentlich wollten sich die Amerikaner den Posten sichern. Ein Kandidat stand schon bereit, als 1944 im US-Kurort Bretton Woods der Grundriss des neuen Weltfinanzsystems entworfen wurde. Der US-Finanzbeamte Harry Dexter White sollte den IWF leiten, doch das FBI sah in ihm einen sowjetischen Spion. Erster Chef des IWF wurde ein Belgier, die Amerikaner wurden mit der Weltbank entschädigt. Diese Ämterteilung gilt bis heute.

Jetzt ist es Zeit, das Machtkartell von Bretton Woods zu zerschlagen. Die bisherige IWF-Direktorin Christine Lagarde zieht es zur Europäischen Zentralbank. Die Mitgliedstaaten des Währungsfonds müssen entscheiden, wer die Französin beerben soll. Europa sollte auf einen eigenen Kandidaten verzichten und dafür einen qualifizierten Bewerber aus den Schwellenländern stützen.

Der IWF und die Weltbank werden weiterhin gebraucht, doch ihre Legitimität steht zunehmend infrage. Wie sollen sie Ratschläge zu guter Regierungsführung geben, wenn ihre eigene Führung nach einem spätkolonialen Gentlemen’s Agreement bestimmt wird?

Die Europäer stimmen dieser Tage gern Lobeshymnen auf den Multilateralismus an. So wollen sie sich von der kompromisslosen „America first“-Doktrin der Trump-Regierung abgrenzen. Doch was sind diese Appelle wert, wenn Europa nicht bereit ist, eigene Ansprüche zurückzustellen? Ist es wirklich zu viel verlangt, das Prinzip, Jobbewerber nicht nach ihrer Herkunft, sondern allein nach ihrer Qualifikation zu beurteilen, auf IWF und Weltbank zu übertragen?

Leider ja, wie es scheint. Paris pocht schon darauf, dass alles beim Alten bleibt, und in Berlin wollen viele Bundesbank-Chef Jens Weidmann als IWF-Chef sehen. Der Preis für diesen Spitzenposten-Starrsinn ist hoch. Europas Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel.

Mehr: Der Brite George Osborne hat das Rennen um den IWF-Chefposten eröffnet. Die großen Schwellenländer stellen den Anspruch der Europäer infrage.

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