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Kommentar Europa sollte sich nicht scheuen, Gesichtserkennung zu verbieten

Clearview hat aus privaten Bildern eine umfassende Datenbank zusammengestellt. Doch Gesichtserkennung ist unausgereift und brandgefährlich.
21.01.2020 - 16:08 Uhr Kommentieren
Das US-Unternehmen Clearview hat laut einem Bericht aus privaten Bildern eine umfassende Datenbank zusammengestellt. Quelle: imago/Jochen Tack
Gesichtserkennung

Das US-Unternehmen Clearview hat laut einem Bericht aus privaten Bildern eine umfassende Datenbank zusammengestellt.

(Foto: imago/Jochen Tack)

Das amerikanische Start-up Clearview scheint direkt aus einer Science-Fiction-Dystopie entnommen zu sein: eine geheimnistuerische Firma, die automatisiert und ohne das Wissen der Abgebildeten Milliarden Fotos im Internet gesammelt hat und diese Datenbank nun mit der Polizei teilt, und ein Gründer, der auf Nachfrage zum ersten Mal über die ethischen Implikationen der Massenüberwachung nachzudenken scheint.

Und so klar, wie der Name des Unternehmens glauben machen will, ist der Blick auf die Bilder auch nicht: Gerade Angehörige von Minderheiten werden von den Algorithmen häufig verwechselt – was im Kontakt mit technikgläubigen Polizisten schreckliche Konsequenzen haben kann.

Die neue EU-Kommission ist auf dem richtigen Weg, wenn sie ernsthaft über ein mehrjähriges Moratorium für den großflächigen Einsatz derartiger Technologie nachdenkt. Die Gefahren Künstlicher Intelligenz lauern derzeit nicht in allmächtigen Algorithmen, sondern in überschätzten.

Die ethische Debatte über Technologie hält längst nicht mehr Schritt mit dem Wunsch von Sicherheitsbehörden, Personalmangel mit scheinbar rettender Technologie zu überspielen. Es ist Zeit für eine gesellschaftliche Nachdenkpause.

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    Das gilt umso mehr, als die Profiteure der massenhaften Bilderkennung ohnehin nicht in Europa sitzen. Chinesische Unternehmen sind führend, auch die großen amerikanischen Cloud-Anbieter Amazon, Microsoft und Google haben entsprechende Fähigkeiten. Europa wäre dagegen vor allem ein Testfeld und ein Markt – was spricht dagegen, sich dem fürs Erste zu verweigern?

    Zumal die übliche Meta-Erzählung von den technik- ängstlichen Europäern und den fortschrittsfreudigen Amerikanern bei dem Thema eh nicht mehr so recht passt: Städte wie San Francisco oder Oakland, die ihren wirtschaftlichen Aufschwung der Digitalwirtschaft verdanken, haben massenhafte Gesichtserkennung bereits verboten.

    Selbst Google-Chef Sundar Pichai mahnt ein Moratorium an. Und selbst wenn es anders wäre: „Erkenne dich selbst“, mahnte das Orakel von Delphi, eine der Wiegen europäischer Kultur, jeden Besucher.

    Europa mit seinen Jahrhunderten der Diktaturerfahrung hat jedes Recht, seinen eigenen Weg zu gehen. Die Angst, bei digitalen Geschäftsmodellen zurückzufallen, darf nicht überspielen, dass Gesichtserkennung so oder so gewaltige gesellschaftliche Folgen haben wird.

    Es ist eine Technologie, der sich kein Mensch mehr entziehen kann. Sie produziert eine solche Datenfülle, dass Menschen die Algorithmen nicht mehr sinnvoll überwachen können und zwangsläufig Macht an sie abgeben. Es ist ein Schritt in eine Science-Fiction-Gesellschaft. Wir sollten ihn uns wenigstens in Ruhe überlegen dürfen.

    Mehr: Tokio präsentiert sich zu den Olympischen Spielen als Labor der Zukunft. Mit einem Feldversuch mit Robotertaxis will die Metropole Pionierarbeit leisten.

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