Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Europas Scheckbuchdiplomatie in der Flüchtlingskrise ist unmenschlich

Wieder soll die Türkei gegen Geld Geflüchtete von Europas Grenzen fernhalten. Das ist ein erneuter Abschied von der Menschlichkeit.
18.06.2020 - 11:45 Uhr Kommentieren
Soll man Geld dafür bezahlen, dass sich andere Länder um Flüchtlinge kümmern? Quelle: dpa
Migranten an der griechisch-türkischen Grenze

Soll man Geld dafür bezahlen, dass sich andere Länder um Flüchtlinge kümmern?

(Foto: dpa)

Es zeugt von Humanität, wenn man Geld ausgibt, um Menschen in Not zu helfen. Aber ist es auch human, Geld auszugeben, damit sich andere darum kümmern? Genau das macht die EU: Die Kommission in Brüssel will der Türkei noch einmal 485 Millionen Euro bereitstellen, zusätzlich zu den sechs Milliarden Euro aus dem Flüchtlingspakt.

Anlass war eine Drohung des türkischen Präsidenten Erdogan im März, für Flüchtlinge die Tore nach Griechenland zu öffnen. Da fällt es leicht, von Erpressung aus Ankara zu sprechen. Die ganze Wahrheit lautet allerdings: Die Europäische Union hat sich auf ein Neues von der Menschlichkeit verabschiedet.

Der sogenannte Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei war ein taugliches Vehikel, als im Frühjahr 2016 die Flüchtlingszahlen plötzlich und rapide angestiegen waren. Nach zwei Jahren sollte der Pakt auslaufen. Nun befinden wir uns im fünften Jahr des Flüchtlingspakts. Die EU hat die eigene Migrationspolitik an die Türkei ausgelagert. Alles nach dem Motto: Geld gegen Menschlichkeit.

Doch die Scheckbuchmentalität lohnt sich nicht. Die Krisen entfernen sich nicht von Europa, sondern sie kommen näher. Und mit noch mehr Geld lassen sie sich höchstens hinauszögern, aber nicht beseitigen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das Problem liegt nicht in Ankara, sondern in Europa selbst. Die Union braucht dringend eine neue Migrationspolitik, die für eine dauerhaft hohe Zahl von Einwanderungsversuchen konfiguriert ist, anstatt Menschen in überfüllten Schlauchbooten zuzuschauen und sie dann den Italienern oder Griechen zu überlassen. Dabei helfen Programme in den Problemländern, aber keine ständigen Sonderleistungen für den Flüchtlingswächter.

    Im Verhältnis mit der Türkei tut sich die EU ebenfalls keinen Gefallen. Die türkische Regierung sieht in den Prinzipien der EU schon lange kein moralisches Hindernis mehr, sondern gestaltet die Beziehungen nach dem Transaktionsprinzip: Wir tun nur noch dann etwas, wenn wir auch etwas dafür bekommen. Unter diesen Umständen ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Führung in Ankara neue Forderungen stellt. Schließlich tut sie seit über vier Jahren ja auch etwas dafür.

    Mehr: Lesen Sie hier, wie Türkei-Touristen zum Spielball der Politik wurden

    Startseite
    0 Kommentare zu "Kommentar: Europas Scheckbuchdiplomatie in der Flüchtlingskrise ist unmenschlich"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%