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Kommentar EZB und Fed dürfen das Inflationsthema nicht auf die lange Bank schieben

Dass sich die beiden großen Notenbanken mit vielen anderen Themen beschäftigen, ist gefährlich. Denn bei ihrem wichtigsten Auftrag kommt es auf das Timing an.
10.06.2021 - 19:55 Uhr Kommentieren
Preisstabilität ist und bleibt das wichtigste Mandat von EZB und Fed. Quelle: dpa
Euro

Preisstabilität ist und bleibt das wichtigste Mandat von EZB und Fed.

(Foto: dpa)

Ein Problem wird nicht dadurch kleiner, dass man es in die Zukunft verschiebt. Das gilt im Alltag der Menschen genauso wie auf der großen Weltbühne.

Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Fed also gebetsmühlenartig betonen, der rasante Preisanstieg sei nur vorübergehend, weil er der konjunkturellen Erholung nach der Pandemie und Sondereffekten geschuldet ist, dann mögen sie für den Moment recht haben. Die Welt wacht auf aus dem Corona-Koma, mit allen Ruckeleien, die das mit sich bringt.

Trotzdem müssen sich die Notenbanken schon heute auf den Ernstfall vorbereiten – darauf, dass die Inflation diesseits wie jenseits des Atlantiks dauerhaft und sehr deutlich über der Zielmarke von zwei Prozent bleibt. Denn das würde bedeuten, dass die westlichen Volkswirtschaften immer weiter heiß laufen. Für das Problem von morgen sollte es schon heute eine Lösung geben. Und die sollte kommuniziert werden. Die Konjunktur in den USA, aber auch in weiten Teilen des Euro-Raums zieht spürbar an.

Preisstabilität ist und bleibt das wichtigste Mandat von EZB und Fed. Allerdings: Die Notenbanker sind abgelenkt. Nicht nur wegen ihrer Rolle als permanenter Krisenmanager in den vergangenen anderthalb Jahren, in denen sie quasi in einer symbiotischen Verbindung mit den Regierungen immer neue Milliarden in die Märkte pumpten.

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    Viel gefährlicher ist, dass sich die Zentralbanken neuerdings für alle anderen Themen mit zuständig fühlen. So wünscht sich EZB-Chefin Christine Lagarde, dass sich ihr Haus stärker im Kampf gegen den Klimawandel einbringt, ein großes Thema bei den laufenden Strategieberatungen.

    Und Fed-Chef Jerome Powell schaut nicht mehr nur auf die allgemeine Beschäftigungsentwicklung in der weltgrößten Volkswirtschaft, sondern hat ein sozialpolitisches Ziel klar formuliert, das sich mit der Agenda von US-Präsident Joe Biden deckt: Mehr arme Menschen sollen in Lohn und Brot kommen.

    Beispiellose Nervosität an den Märkten

    Sollte Klima- und Sozialpolitik wirklich eine Aufgabe der Notenbanken sein? Nein. Es ist nicht gut, wenn die Hüter des Geldes ihren Fokus verlieren. Denn die Gefahr ist groß, dass sie den richtigen Zeitpunkt verpassen, bei der Inflation gegenzusteuern und ihre Geldpolitik in kleinen Schritten zu straffen. In diesem Fall müssten sie das Ruder anschließend viel heftiger herumreißen – was zu neuen Erschütterungen führen dürfte.

    Diese Unsicherheit darüber, ob EZB und Fed wirklich noch alles im Griff haben, ob sie nicht zu zögerlich und abgeklärt sind mit ihrer Betonung der vorübergehenden Teuerung, ob irgendwann nicht doch der große Knall kommt, ja kommen muss – das führt zu einer beispiellosen Nervosität an den Märkten.

    Selten wurden monatliche Inflationszahlen von den Anlegern bis auf die letzte Nachkommastelle verfolgt, analysiert, interpretiert. Das dürfte noch eine Weile so weitergehen. Es sei denn, die Notenbanken fangen endlich damit an, den Ausstieg zu skizzieren und Klarheit zu schaffen, wie es in der Ära nach Corona weitergeht. Es ist höchste Zeit dafür!  

    Mehr: Ende eines Experiments – Warum die Kehrtwende in der Geldpolitik so schwierig ist.

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