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Kommentar Facebooks Kryptowährung ist eine Fehlkonstruktion

Klar ist: In ihrer jetzigen Form hat die geplante Cyberwährung Libra keine Chance. Facebook-Chef Mark Zuckerberg braucht nun einen sehr guten Plan B.
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Das Projekt Libra droht zu scheitern, bevor es überhaupt begonnen hat. Quelle: AFP
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Das Projekt Libra droht zu scheitern, bevor es überhaupt begonnen hat.

(Foto: AFP)

Eigentlich hatte David Marcus die richtigen Schlagworte parat. Facebooks Kryptowährung Libra „wird alle notwendigen Regulierungsvorschriften einhalten“, versicherte der Chef von Facebooks Tochterunternehmen Calibra, das die Kryptoaktivitäten des sozialen Netzwerks bündelt. Doch das reichte nicht, um die erhitzten Gemüter zu besänftigen.

Seit Wochen stößt die Kryptowährung, die von Facebook maßgeblich entwickelt wird, auf internationalen Widerstand. Die Finanzminister und Notenbanker der größten sieben Industriestaaten haben sich genauso dagegen positioniert wie der amerikanische Präsident Donald Trump.

Nach den Anhörungen der vergangenen Tage im Senat und Repräsentantenhaus in Washington liegt der Schluss nahe: Libra wird in seiner derzeitigen Form scheitern, noch bevor das Projekt gestartet ist.

Es gibt viele Kritikpunkte an Libra, doch es sind vor allem drei Aspekte, bei denen sich die Aufseher kompromisslos zeigen. Diese Punkte sind nicht nur für Facebook und seine Partner relevant. Auch andere Unternehmen, die über private Währungen nachdenken, sollten genau hinschauen, wenn sie die gleichen konzeptionellen Fehler nicht wiederholen wollen.

Erstens: Wer trägt die Verantwortung?

Libra wird zwar maßgeblich von Facebook entwickelt, betrieben werden soll die digitale Währung jedoch von der Libra Association, einem Verbund mit Sitz in der kryptofreundlichen Schweiz. Derzeit hat der Verbund 28 Mitglieder, überwiegend US-Unternehmen. Zum geplanten Start im ersten Halbjahr 2020 sollen es 100 Mitglieder werden.

Damit wollte Facebook eigentlich die Kritik entkräften, das soziale Netzwerk mit seinen 2,4 Milliarden Nutzern weltweit habe bei Libra zu viel Einfluss. Schließlich sollte Facebook am Ende nur eines von vielen gleichberechtigten Mitgliedern sein.

Doch genau hier stellt sich eine andere Frage: Wer ist eigentlich verantwortlich? Wer stellt sicher, dass die auf der Blockchain-Technologie basierende Währung nicht für Geldwäsche, Terrorfinanzierung und andere Straftaten genutzt wird?

Facebook kann – im besten Fall – die Transaktionen kontrollieren, die über die digitale Geldbörse getätigt werden. Doch da auch andere Anbieter Dienstleistungen auf der Libra-Blockchain anbieten sollen, gibt es hier riesige Löcher. Aufseher werden das nicht zulassen. Sie haben schließlich lange gebraucht, um sich im internationalen Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Stellung zu bringen.

Und die jüngsten Skandale zeigen, dass selbst streng regulierte Banken im Kampf gegen die Geldwäsche noch immer versagen. Bei einem Verbund wie der Libra Association besteht die Gefahr, dass am Ende keiner die Verantwortung für das gesamte System übernimmt.

Zweitens: Wer profitiert?

Libras vordergründige Mission ist es, Menschen ohne Bankkonto Zugang zu Finanzdienstleistungen zu verschaffen. Doch längst ist klar, dass der Verbund, der als gemeinnützige Organisation eingetragen ist, auch Gewinne an seine Mitglieder verteilen will, und das auf Kosten des etablierten Finanzsystems.

Die digitale Währung ist als sogenannte Stable Coin angelegt, die anders als die größte Kryptowährung Bitcoin nur minimal im Wert schwanken soll. Dazu wird Libra an einen Korb an sicheren Staatsanleihen und Währungen gekoppelt, darunter Dollar, Euro und Yen. Libra wird damit zum Trittbrettfahrer.

Das System nutzt die Stabilität anderer Währungen aus, die von den Staaten gedeckt und mit einer Einlagensicherung versehen werden. Warum sollten Regulierer und Politik das akzeptieren?

Drittens: Wer steuert die Reserven?

Selbst wenn Libra nur mit 28 Mitgliedern startet – das Netzwerk wäre schon so groß, dass es praktisch von Tag eins an ein Risiko für das gesamte Finanzsystem darstellen könnte. Das macht die Notenbanken besonders nervös. Libra-Nutzer auf der ganzen Welt würden ihre lokalen Währungen gegen das Facebook-Geld tauschen.

Eine Gruppe von Geldmanagern, die derzeit noch nicht bekannt sind, würde mit diesem Geld dann Dollar, Euro, Yen und andere Währungen und Staatsanleihen kaufen und verkaufen, um die Libra stabil zu halten. Private Unternehmen hätten damit Einfluss auf das weltweite Finanzsystem.

Ungeklärt ist derzeit auch noch die Frage, was die Libra-Reserve eigentlich ist: ein Fonds? Und da darin auch Staatsanleihen und somit Wertpapiere enthalten sein werden, sollte er von der Wertpapieraufsicht in den USA reguliert werden?

Facebook wollte das eigentlich vermeiden, genauso wie die Beantragung einer Banklizenz. Das Netzwerk sieht sich lediglich als Zahlungsdienstleister statt als Anbieter von Bankkonten und anderen Finanzprodukten. Doch so einfach kann es sich das Netzwerk nach den vielen Skandalen der Vergangenheit nicht machen.

Ob sich die Aufseher auf eine abgespeckte Version des Libra-Konzepts einlassen werden und wie diese aussehen soll, ist mehr als fraglich. Klar ist: Facebook braucht einen sehr guten Plan B, wenn es an seiner Kryptowährung festhalten will.

Mehr: US-Finanzminister Steven Mnuchin hat sich besorgt über die Pläne zur Einführung der digitalen Währung geäußert. Die Facebook-Aktie verlor anschließend fast ein Prozent.

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