Kommentar Fall Susanna – Deutschland muss dem „Wir gegen Die“-Denken widerstehen

Die deutsche Politik sollte die Fehler der Behörden im Fall der getöteten Susanna schnell analysieren – und sich nicht das Denken der AfD aufzwingen lassen.
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Fahndungserfolg – Mutmaßlicher Mörder im Irak festgenommen

Der Fall hat alles, was sich Demagogen wünschen – und er wird Deutschland weiter spalten. Wer das bezweifelt, muss sich nur den Hass anschauen, der sich unter dem Hashtag Susanna in den sozialen Medien zusammenbraut.

Alles kommt zusammen: Ein totes Mädchen, ein tatverdächtiger Asylbewerber, der am Freitag festgenommen wurde, eine Kette von behördlichen Fehlern und Nachlässigkeiten. Fremdenfeinde reiben sich die Hände.

Susanna wurde vergewaltigt und ermordet. Und auch ihr Tod wird missbraucht, instrumentalisiert von jenen, die nicht trauern wollen, sondern das Mädchen zum Opfer der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung erklären. Dass die AfD in Eigenregie eine Schweigeminute für die Ermordete im Bundestag inszeniert, offenbart ihren ganzen Zynismus, ihre schier grenzenlose Schamlosigkeit.

Die Wahrheit ist: Der deutsche Rechtsstaat ist stark genug, um mit Schwerverbrechen umzugehen. Der Verdächtige hat versucht, in seiner irakischen Heimat unterzutauchen, doch er wurde rasch gefasst. Es wird jetzt ein Auslieferungsverfahren geben. Ein Abkommen darüber gibt es mit dem Irak zwar nicht. Doch es besteht eine realistische Chance darauf, dass Susannas Mord in Deutschland gesühnt wird.

Natürlich muss der Fall Susanna auch politische Folgen haben. Die deutsche Politik muss sich jetzt zu einer Analyse der Fehler und Versäumnisse durchringen, die den Behörden unterlaufen sind. Sie muss ebenso schonungslos wie ausgewogen debattieren, ob es möglich ist, Asylverfahren zu beschleunigen, ohne rechtsstaatliche Prinzipien zu verletzen.

Sie muss prüfen, ob die von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vorgeschlagenen Sammelstellen für Asylbewerber, die sogenannten Ankerzentren, das bestehende System verbessern – oder es verschlechtern. Ob sie einen Effizienzgewinn bedeuten – oder Brutstätten für Frust werden.

Doch vor allem muss die deutsche Politik dem „Wir gegen Die“-Denken widerstehen, dass die AfD ihr aufzwingen will. Denn zur Wahrheit gehört auch: Es war ein junger Flüchtling, der die Ermittler auf die Spuren des Täters führte. Ohne diese mutige Aussage wäre der Fall Susanna wohl noch immer ungeklärt.

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