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Kommentar FDP-Chef Christian Lindner geht voll ins Risiko

Der Parteivorsitzende verbindet seinen Posten mit einer Regierungsbeteiligung. Das ist ein richtiges Signal an die Partei – und ein großes Risiko für ihn.
20.09.2020 - 16:12 Uhr Kommentieren
Der FDP-Chef will mit seiner Partei nach der Bundestagswahl mitregieren. Quelle: dpa
Christian Lindner

Der FDP-Chef will mit seiner Partei nach der Bundestagswahl mitregieren.

(Foto: dpa)

Es war nur eine kurze Passage im hinteren Teil der Parteitagsrede von Christian Lindner. Doch zusammen mit anschließenden Interviewäußerungen entfalteten die Worte des FDP-Chefs eine große Wirkung: Sein Parteivorsitz sei „ganz eng geknüpft“ an das Ziel, die FDP in die Regierung zu führen.

Im Klartext: Lindner macht seine weitere politische Karriere davon abhängig, ob die Liberalen nach der Bundestagswahl 2021 mitregieren. Angesichts der aktuellen Umfragelage ist diese Aussage für ihn ziemlich riskant und zeigt, unter welchem Druck der FDP-Vorsitzende steht. Doch es ist das richtige Signal.

Lindner hatte 2017 die Jamaika-Gespräche mit dem Diktum „Besser nicht regieren als falsch regieren“ abrupt beendet. Die damalige Aussage scheint im Widerspruch zum neu entdeckten Regierungseifer zu stehen. Allerdings haben auch die Liberalen das Recht, sich an dem Satz des früheren SPD-Chefs Franz Müntefering zu orientieren: „Opposition ist Mist.“

Seit fast sieben Jahren steht Lindner an der Spitze der Partei, er führte sie aus der außerparlamentarischen Opposition mit einem zweistelligen Ergebnis in den Bundestag. Je weiter der Erfolg in die Vergangenheit rückt, desto stärker beschäftigen sich seine Parteifreunde mit der unbefriedigenden Gegenwart.

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    Unzufriedenheit hinter den Kulissen

    Lindner sitzt noch fest im Sattel, in der FDP hat niemand Interesse an einem offenen Machtkampf. Doch hinter den Kulissen köchelt die Unzufriedenheit.

    Nun hat Lindner eine Perspektive gegeben: Entweder der FDP gelingt ein Wahlergebnis, mit dem man an ihr bei einer Mehrheitsbildung im Bundestag nicht vorbeikommt. Das ist alles andere als ausgeschlossen, auch 2017 legte die Partei erst in den Monaten vor der Wahl in den Umfragen richtig zu. Oder bei den Liberalen könnte im Herbst 2021 ein Wechsel an der Parteispitze anstehen.

    In den vergangenen Jahren häuften sich bei Lindner politische Fehleinschätzungen, etwa beim Umgang mit dem Thüringen-Desaster. Mehrfach trat der eigentlich sehr fähige Redner rhetorisch daneben, so auch dieses Mal auf dem Parteitag, als Lindner die Verabschiedung der Generalsekretärin Linda Teuteberg misslang. Seine auf die morgendliche Telefonkonferenz gemünzte Aussage, man habe „300-mal den Tag zusammen begonnen“, wurde als Altherrenwitz kritisiert.

    Man darf Lindner glauben, dass er einen derartigen Witz nicht machen wollte. Und im Netz sind schnell Entrüstete zu finden, die einen Shitstorm entfachen. Aber seine Reaktion auf vereinzelte Lacher im Saal („Nicht was Sie jetzt denken“) war unpassend. Und für die FDP ist bitter, dass viele Menschen vom Parteitag wohl weniger das Bildungskonzept der Liberalen als die verunglückte Teuteberg-Aussage mitbekommen haben.

    Mehr: FDP-Chef Lindner will nach der Wahl 2021 mitregieren, daran lässt er auf dem Parteitag keinen Zweifel.

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